09. März 2018

Alternative Nachrichten (Radio) Folge 7Gruselkabinett. Rechtspopulisten. Denunzianten.

Was uns am Abend des 9. März bewegt

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Bildquelle: shutterstock Wechsel im politischen Unterhaltungsprogramm pünktlich zum Wochenausklang: Neue Staffel von „Merkels Gruselkabinett“ gestartet

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Merkels neues Gruselkabinett vollständig

Berlin. Pünktlich zum Wochenende kriegt der Bürger reinen Wein eingeschenkt. Da er sich an diesen beiden Wochentagen weniger aufs Steuerverdienen konzentrieren muss, darf er sich zum Ausklang die neuen Gesichter der Obrigkeit einprägen. Und er wird einiges zu tun haben, wurde direkt unterhalb der Kanzlerin doch quasi die gesamte Führungsriege ausgewechselt. „Das Problem mit Lakaien ist nun mal immer das gleiche. Egal wie dumm sie anfänglich auch sein mögen, nach einer gewissen Zeit fangen sie doch immer an, selbständig zu denken“, besagt eine alte Weisheit aus dem „Kleinen Handbuch des erfolgreichen Tyrannen“. Diese Phase kann mit der Pubertät von heranwachsenden Jugendlichen verglichen werden. In dieser Zeit wird die Versuchung zum Putsch gegen die Obrigkeit besonders groß. Der Zeitpunkt zum Pferdewechsel war also überfällig. Wie wir bereits gestern berichteten, wird Sparkönig Scholz neuer Finanzminister. Flankiert wird er dabei durch SPD-Linksaußen Hubertus Heil im Arbeitsministerium. Die herausfordernde Aufgabe, die großen Fußstapfen des Maasmännchen im Justizministerium auszufüllen, fällt der bisherigen Generalsekretärin Katarina Barley anheim. Die übrigen Kandidaten der SPD scheinen darauf hinzudeuten, dass man beschlossen hat, das Problem Merkel bis zu dessen irgendwann todsicher eintretender biologischer Auflösung auszusitzen. Der für die Kanzlern wohl gefährlichste Kandidat Napoleon wurde erst mal in den Außendienst versetzt. Möglicherweise soll seine hormonelle Überenergie also dadurch abgeleitet werden, dass er andere Länder in Zukunft zur Einhaltung der Menschenrechte auffordern darf. Kneipenbesitzer dürften sich angesichts dieser Personalie über ein glänzendes Wochenendgeschäft freuen. Da André Lichtschlag die Personalie Maas ansonsten zur „Chefsache“ erklärt hat, enthält die Radioredaktion sich hier weiterer Kommentare und verweist auf seine Analyse.

Rechte Lega-Populisten provozieren weiter – erster schwarzer italienischer Senator stammt aus ihren Reihen

Rom. Quer durch Europa laufen die Rechtspopulisten provozierend mit spitzen Nadeln durch die liebgewonnene Filterblasenlandschaft etablierter Journalisten und Politiker. Aufgrund der jüngsten Wahlen legt die italienische Lega dabei gerade besonderes Tempo vor. Der italienische Obama, der erste Senator mit einem rassistisch zugeschriebenen Amtsbonus, stammt ausgerechnet aus ihren Reihen. Machtopportunismus eines rechten Wellensurfers kann dem 62-jährigen Informatiker Toni Iwobi dabei kaum vorgeworfen werden. Bereits seit 1995 engagierte er sich für die Lega, damals noch Lega Nord, in der Lokalpolitik. 2014 ernannte sie den gebürtigen Nigerianer auf nationaler Ebene zu ihrem immigrationspolitischen Sprecher. Der Politiker provoziert dabei gerne mit markanten Sprüchen, etwa dass es sich bei der Lega überhaupt nicht um eine rassistische Partei handele. Auch in dem modernen, etwas schwammigeren Nachfolger der Rassenpolitik, nämlich der allgemeinen Immigrationspolitik, bekennt er klar Farbe. Gemeinsam mit Parteichef Matteo Salvini posierte er im Wahlkampf für ein Foto, auf dem beide weiße T-Shirts mit der Aufschrift „Stoppt die Invasion“ trugen. Die Liste der Beschimpfungen, die sich Iwobi aufgrund des Zusammenspiels seiner Hautfarbe mit seiner Parteizugehörigkeit anhören muss, ist lang. „Vielleicht bin ich ja blind, oder vielleicht hat ihm noch niemand gesagt, dass er schwarz ist. Was für eine Schande!!!“, ließ der italienische Fußballnationalspieler Mario Balotelli auf Instagram verlauten. Etwas harmlosere und im zweiten Teil womöglich sogar korrekte Statements lauten dahingehend, dass Iwobi nur ein Feigenblatt Salvinis darstelle, der sein Amt einem Listenplatz verdanke. Ach wie schön, wenn grundsätzlich korrekte Fakten je nach Fallpersonalie doch so flexibel auslegbar sind. Schließlich sind beispielsweise Jean-Claude Juncker, Donald Tusk und überhaupt die ganze EU-Führungsriege doch über Direktmandate in allen Ländern, über die sie letztlich bestimmen, gewählt worden.

Dolchstoßlegende aus der K.-u.-K.-Monarchie – geheimer Pakt mit dem Sultan vom Bosporus?

Ankara/Wien. Setzt sich jetzt ausgerechnet die als rechtspopulistisch verschriene österreichische Regierung vom außenpolitischen Erdoğan-Bashing ab? Gestern besuchte der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu zum ersten Mal die neue Regierung in Wien. Sein früherer Amtskollege, der jetzige Regierungschef Sebastian Kurz, hatte in manchen Fragen sehr klare Kante gezeigt. So sprach er sich beispielsweise eindeutig gegen einen EU-Beitritt der Türkei aus. Womit er ihr womöglich einen sehr viel größeren Gefallen getan hat, als die meisten Türken aufgrund der international romantischen Verklärung der EU ahnen. Seine Nachfolgerin, die von der FPÖ nominierte, parteilose Karin Kneissl, hat selbst lange Jahre in verschiedenen Ländern des Nahen Osten gelebt. Sie gehörte außerdem bereits zum diplomatischen Korps und arbeitete bis zu ihrem Ruf in die Regierung als freie Publizistin und Nahostexpertin. Die deutsche Türkeipolitik bestach in den letzten Jahren vor allem durch unentschiedenes Rumgeeiere, begleitet von einer Dämonisierung Erdoğans in fast Putinschem Ausmaß. Am Ende lief sie irgendwie immer auf eine Abwärtsspirale hinaus. Österreich hatte hingegen maßgeblich dazu beigetragen, die Balkanroute dicht zu machen, und konnte sich eine sehr viel unabhängigere Positionierung erlauben. Jetzt stellt man in Wien die Weichen für einen außenpolitischen Neuanfang. Beim „Spiegel“ ließ man prompt durchblicken, dass der Besuch eines türkischen Außenministers in der Wiener Hofreitschule, wodurch dieser sich auch noch geschmeichelt fühlte, hierzulande gar nicht gern gesehen wird. Schließlich sei die Türkei im Gegensatz zu Deutschland ja kein Hort der Meinungsfreiheit. Von Berlin wurde anscheinend die Linie vorgegeben, die Türkei doch möglichst genauso stark im Dunkeln zu lassen wie den deutschen Durchschnittswähler. Im Gegensatz dazu vereinbarten Österreich und die Türkei jetzt eine Vertiefung ihrer wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen. Zugleich betonte Kneissl, dass sich an der österreichischen Position zum türkischen EU-Beitritt nichts geändert habe. Interessanterweise ließ Erdoğan ja schon 2016 zu dem Thema verlauten: „Entscheidet euch endlich.“ Soll noch einer sagen, Ehrlichkeit sei in der Politik eine Einbahnstraße.

Vera Lengsfeld deckt auf – Absägen von beliebtem „FAZ“-Blogger auf grüne Denunzianten zurückzuführen

Die selbstentlarvende Nachricht zum Schluss. In einem Beitrag auf ihrem Blog hat die in zahlreichen alternativen Medien (unter anderem eigentümlich frei) publizierende, frühere DDR-Widerständlerin Vera Lengsfeld aufgedeckt, dass die Absetzung des beliebten, da gegen den Zeitgeist schwimmenden „FAZ“-Bloggers Don Alphonso wahrscheinlich auf grüne Denunzianten zurückzuführen ist. Von den Redaktionsstuben am Main ließ man lediglich verlautbaren, dabei handele es sich um eine „thematische Neuordnung“. Bisher war es im eng gefassten Meinungskorridor des Mainstreams üblich, regelmäßig einen Kolumnisten oder ähnlichen Kommentator zu Wort kommen zu lassen, der entgegen der offiziellen Positionierung in der gleichgeschalteten Meinungslandschaft argumentiert. Bei dem an die linke Wand gedrängten „Spiegel“ schwingt beispielsweise einmal pro Woche der pseudokonservative Jan Fleischhauer die rechte Keule. Durch dieses vorsichtige „Ja, aber“ und „so tun als ob“ sollen möglichst viele der davonlaufenden Leser bei der Stange gehalten werden. In der längst dem linken Zeitgeist hinterherhechelnden „FAZ“ füllte Don Alphonso die ehemals bürgerlichen Positionen in nicht selten sehr lesenswerten Texten aus. Viele alternative Kommentatoren wunderten sich, warum die „FAZ“ scheinbar ohne Not ihre beste Kuh im Stall schlachtete. War das Wirtschaftsverständnis tatsächlich schon so weit abgefallen? Vera Lengsfeld ging der Sache nach und konnte einiges ebenso vorlaute wie verräterische Gezwitscher von um mediale Aufmerksamkeit buhlenden grünen PolitikerI*innen ausgraben. Der zumindest dem Autor bis dato völlig unbekannte grüne Lehrlingsdenunziant Matthias Oomen hatte Don Alphonso bereits als „Pack“ bezeichnet. Da er ja auf der richtigen Seite steht, wäre ein solches Vokabular an sich keinen Aufreger wert. Aber Oomen musste gegen den seiner Meinung nach am Boden liegenden Don Alphonso, wie es bei dieser Spezies nun mal üblich ist, unbedingt noch einmal nachtreten: „Don Alphonso zeigt noch was: Es lohnt sich, bei Herausgebern auf allen Wegen Druck zu machen, wenn in ihren Medien rechte Hetze verbreitet wird. Danke an alle, die sich in den letzten Monaten daran beteiligt haben: In den anderen Sachen am Ball bleiben!“ Wenn Oomen damit mal keine bisher unbemerkte Hetzkampagne andeuten wollte, verliere ich bald noch den Glauben an den Weihnachtsmann. Nur in einem Punkt ist der Befund von Lengsfeld leicht zu korrigieren. Ihrer Meinung nach müssen IMs heute nicht mehr wie noch zu DDR-Zeiten mit kleinen Geschenken bei Laune gehalten werden. Ein Bonbon hat Oomen jedoch schon erhalten. Ohne seine Denunziationskampagne hätte sein Name es wohl nie bis ins intellektuell um Welten entfernte Magazin eigentümlich frei geschafft.

Zusammenstellung: Jean Modert


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