09. März 2018

Alternative Presseschau (Radio) Folge 3Politiker. Agenda. Kirche.

Bosnien in die EU?

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Bildquelle: neneo / Shutterstock.com Vermutlich ein Linker: Franziskus hat kein Problem mit Gerüchen

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Munter wechseln unsere Volksvertreter. Und mit ihnen ihr politisches Programm. Auch die Kirchen mischen wieder im Zeitgeschehen mit.

Politiker: Maas duckt sich nicht weg

Heiko Maas wird neuer Außenminister. Das Magazin „Zuerst!“ legt den Fokus auf die personellen Verschiebungen im neuen Kabinett. Der minderbekannte Matthias Miersch soll Maas‘ Nachfolge antreten. Katarina Barley wird das Ministerium für Arbeit und Soziales übernehmen. Die Bezirksbürgermeisterin von Berlin-Neukölln, Franziska Giffey, wird für die Familie zuständig sein. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man denken, Merkel fische in den zweiten Reihen, um loyale Parteisoldaten zu rekrutieren.

Manfred Haferburg, Autor auf der „Achse des Guten“, dachte zuerst, dass es sich bei der Ankündigung um einen Scherz handle. „Aber immer, wenn man denkt, dass es nun nicht noch schlimmer kommen kann, legt die alte Tante SPD noch eine Schippe drauf“, so Haferburg desillusioniert. Zudem verweist die „Achse“ auf die Peinlichkeiten des ehemaligen Justizministers. Bis vor kurzem konnte man Maas noch für 3.000 Euro mieten, sein Buch „Aufstehen statt wegducken“ liegt bei einer Amazon-Bewertung von 1,3 Sternen. Ergänzend stellt Haferburg ein buntes Potpourri der Maasschen Aussagen über Donald Trump zusammen. Da könne man sich nur auf den ersten Amtsbesuch im Weißen Haus freuen.

Für Marco Maier vom „Contra-Magazin“ handelt es sich bei der neuen Postenvergabe um ein „Horrorkabinett“. Die SPD setze alles daran, auch die restlichen Wähler zu vergraulen. Auch die Vergabe des Familienministeriums an die vollkommen unbekannte Franziska Giffey kann Maier erklären. Bei ihr handele es sich nur um eine Quotenostdeutsche. Das Wahlziel der SPD bei der Aufstellung der Minister, so Marco Maier, sei es offenbar, zukünftig im einstelligen Prozentbereich zu liegen.

André Poggenburg ist zurückgetreten. Oder wurde er zurückgetreten? Im Netz kursieren die verschiedensten Interpretationen zu Poggenburgs „Rücktrittsgesuch“. „Compact Online“ greift die Stellungnahme der AfD-Fraktion Sachsen-Anhalt auf. Dort heißt es, dass es keine Rücktrittsforderungen gegenüber Poggenburg gegeben habe. Richtig sei aber, dass Poggenburg der Fraktion erklärt habe, seinen Posten nach genau zwei Jahren abzugeben. Begründet wurde die Entscheidung damit, „Druck von seiner Partei“ nehmen zu können, so die Stellungnahme der AfD.

Agenda: Stellschrauben und Gerüche

Kaum im Amt, legt die neue Regierung so richtig los. Nach Ursula von der Leyens Forderung nach einer Truppenaufstockung wollen Annegret Kramp-Karrenbauer und Katarina Barley den Frauenanteil im Bundestag erhöhen, so berichtet die „Junge Freiheit“. Es müsse geprüft werden, welche Stellschrauben man bei einer Wahlrechtsreform drehen könne, damit wieder mehr Frauen in die Parlamente einzögen. Auf die Idee, dass „Qualifikation“ die natürlichste Stellschraube von allen ist und gleichzeitig kein Geld kostet, kommen die beiden Quotenfreundinnen nicht. Selbst Teilen der SPD wird das mittlerweile zu bunt. Ralf Wieland vermutet in der „Bild“, dass eine solche Änderung nicht mit der Verfassung vereinbar sei, so betont die „Junge Freiheit“.

Dass von Politikerinnen aber nicht nur Blödsinn kommt, zeigt die Frauen-Union (FU). Nach Angaben von „Jouwatch“ macht diese „massiv mobil“ und fordert mehr Sicherheit für Frauen. In einem aktuellen Forderungskatalog wünscht sich die FU mehr Aufklärungsarbeit, eine Sensibilisierung der Politik und eine konsequente Anwendung höherer Strafmaße durch die Gerichte. Inhaltlich liege die FU, so „Jouwatch“, damit fast deckungsgleich mit den Forderungen der AfD. Trotzdem werde die AfD für ihre Ziele von den Altparteien noch immer angefeindet.

Eine flächendeckende Geruchsgewöhnung wollen die Politiker zum Glück noch nicht umsetzen. Damit könne man nämlich, so der Vorschlag des Minderqualitätsmediums „Vice“, möglicherweise Rassismus vorbeugen. Auf „Philosophia Perennis“ greift David Berger die Studie auf, die eine Verbindung zwischen Ekel, Geruchsempfinden und Sauberkeit mit der politischen Einstellung nachweist. Personen, die auf Gerüche von Schweiß, Kot, Urin, Atem und Blähungen empfindlich reagierten, waren politisch autoritärer eingestellt und hatten größere Probleme mit unterschiedlichen Kulturen. Berger fasst zusammen: „Wenn man diese Studie anschaut, wie sie ‚Vice‘ wiedergibt, könnte man auch fragen: ‚Sind die Rechten vielleicht die Klügeren, und stinken Ausländer mehr als die indigene Bevölkerung?‘“

Kirche: Schwulenfreunde in Bosnien?

Auch von Seiten der Gläubigen hat sich einiges getan. Immer häufiger melden sich Geistliche zu den aktuellen Entwicklungen zu Wort. Auf dem evangelischen Portal „idea“ verweist man auf den württembergischen Bischof Frank Otfried July, der in der Segnung von sogenannten „Homo-Partnerschaften“ einen Rechtsbruch sehe. Nach der gescheiterten Zweidrittelmehrheit vergangenes Jahr hatten anschließend rund 200 Geistliche gegen den Entscheid protestiert, sich zu Wort gemeldet und angekündigt, auf Anfragen auch Homosexuelle zu segnen. Dadurch, meint Bischof July, gebe es mittlerweile deutliche Vertrauensrisse. Die Einheit der Kirche und die Einhaltung des Rechts müssten allerdings gewahrt werden.

Auch bei den Katholiken nimmt man Stellung zur Entwicklung der letzten Jahrzehnte. Auf kath.net äußerte sich der Wiener Kardinal Schönborn dahingehend, dass „Gott immer den Papst gäbe, den die Kirche gerade bräuchte“. Auf der Bischofskonferenz in Sarajevo lobte Schönborn auch den aktuellen Pontifex, der sich mit seiner „Nähe zu den Menschen“ und „der Neuakzentuierung der politischen Dimension des christlichen Glaubens ausgezeichnet“ habe. Auch der Erzbischof von Sarajevo lobte Papst Franziskus. Er wolle, dass sich alle Kirchen bewegen und nicht an gewohnten Strukturen festhalten. kath.net lässt diese Stellungnahmen unkommentiert.

Kardinal Schönborn legt sich auch im Politischen weit aus dem Fenster. Das österreichische Nachrichtenportal „Zur Zeit“ kommentiert den Wunsch Schönborns, dass Bosnien zur Europäischen Union gehören solle. Dies sei bemerkenswert, da die vorherrschende Religion des jugoslawischen Teilstaates der Islam sei. Die Forderung Schönborns, so „Zur Zeit“ sei „bestenfalls als verwirrend“ einzustufen. Dass der Islam und das Christentum nicht kompatibel seien, macht man an einem Beispiel fest: Die Region Banja Luka habe früher als „Musterbeispiel der Koexistenz gegolten“, jetzt sei die Region durch Flucht und Auswanderung der christlich-orthodoxen Bevölkerung geprägt.

„Zuerst!“: „SPD-Ministerliste durchgesickert: Heiko Maas wird wohl Außenminister“

„Achse des Guten“: „Demnächst in diesem Theater: Heiko allein im Weißen Haus“

„Contra-Magazin“: „Das SPD-Horrorkabinett“

„Compact Online“: „Zum Rücktritt von André Poggenburg“

„Junge Freiheit“: „SPD und CDU denken über Frauenquote im Wahlrecht nach“

„Jouwatch“: „Frauen-Union schießt gegen Merkel-Politik und fordert Sicherheit für Frauen“

„Philosophia Perennis“: „‚Vice‘: Wer stinkende Menschen nicht mag, ist rechts und ausländerfeindlich“

„idea“: „Württembergischer Bischof kritisiert angekündigten Rechtsbruch“

Kath.net: „Schönborn: Papst Vorbild in Menschennähe und politischer Agenda“

„Zur Zeit“: „Kardinal Schönborn für Beitritt Bosniens in die EU“

Zusammenstellung: Florian Müller


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