08. März 2018

Alternative Presseschau (Radio) Folge 2Russland. Frauen. Propaganda.

Australische Fluggesellschaft wird gendersensibel

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Bildquelle: PomInOz / Shutterstock.com Sprachregelung hilft gegen Unterdrückung: Glückliche Aborigines

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In Russland grummelt der Bär und spuckt dem Westen in die Suppe. Zum Weltfrauentag gibt es unterschiedliche Interpretationen.

Russland: Putin der Große

Nach der Präsidentschaftswahl in Italien wird auch im Osten bald gewählt. Am 18. März 2018 findet der erste und vermutlich letzte Wahlgang zum russischen Präsidenten statt. Für Alexander Petrow auf „Compact Online“ ist die Sache bereits entschieden: In Prognosen sehe man den aktuellen Amtsinhaber Wladimir Putin bei bis zu 85 Prozent Zustimmung im Volk. Bei einer direkten Mehrheit am übernächsten Sonntag werde dementsprechend kein weiterer Wahlgang durchgeführt. Der Westen, so Petrow, habe wie immer auf den falschen Kandidaten gesetzt: Alexei Nawalny, der bekannteste Oppositionelle, wurde nicht zur Wahl zugelassen. Russlands Politik sei zudem in zwei verfeindete Lager gespalten. Kandidaten, die hauptsächlich der politischen Profilierung wegen kandidieren, Putin aber eigentlich unterstützen, und eine kleine Opposition, die „alles, was Putin macht, entschieden verachtet“.

In einem aktuellen Filmprojekt des russischen Journalisten Wladimir Solowjow gibt Putin ein Interview zur „Weltordnung 2018“. Daran empfehle er der Welt, so berichtet „Zuerst!“, sich Russland als Verbündeten zu suchen. Zudem denke Putin, dass „Russland auf Dauer ohnehin siegen werde“. Die wichtigsten Orientierungspunkte für seine Politik seien das russische Volk und die russische Föderation, so schließt „Zuerst!“ ab.

Auch die „Nachdenkseiten“ greifen die Pläne Putins auf. Die neuen Waffensysteme, die Russland angekündigt hatte, seien die direkte Reaktion auf das Ausscheiden der USA aus dem ABM-Vertrag (Anti-Ballistische-Raketen-Vertrag) im Jahr 2002. Ray McGovern greift die Rede Putins zur „Lage der Nation“ auf, die in den westlichen Medien untergegangen sei. Wladimir Putins Worte machten deutlich, dass das strategische Gleichgewicht heute prekär sei. Die USA und Russland hätten sich einen Schritt rückwärts über die Schwelle der Vernunft bewegt, so McGovern auf den „Nachdenkseiten“.

Dass Putins Strategie zur Aufrüstung im Angesicht einer realen Bedrohung stattfindet, betont Marco Maier im „Contra-Magazin“. Obwohl Moskau stets reaktiv und nicht aktiv handle, also immer erst auf vom Westen geschaffene Tatsachen reagiere, spreche man stets von einer „russischen Aggression“. Die heutige Dualität der beiden Supermächte beruhe zudem maßgeblich auf der Person Putin, der als unbekannter Nachfolger Jelzins im Jahr 2000 eine Politik des nationalen Wiederaufbaus begann. Im Gegensatz zu anderen Machthabern sei Putin nicht käuflich gewesen. Die aktuell andauernde Propagandawelle gegen Russland sei allerdings ein Signal, dass die Zeichen auf Krieg stünden.

Weltfrauentag: Feldarbeit, Demonstrationen und kurdische Kriegerinnen

Die Linken haben endlich wieder ein Thema diesseits von Kurdistan. Und was machen sie? Über Frauen in Kurdistan schreiben. Diese seien nämlich von IS-Kämpfern, barbarischen Türken und deutschen Panzern bedroht, so die „Junge Welt“. Ausgerechnet am Weltfrauentag. Auch in der uruguayischen Hauptstadt Montevideo seien die Frauen unter dem einschlägigen Motto „Jetzt kriegen sie auf die Fresse“ auf die Straße gegangen. Doch auch in den Industrieländern sei der Hass gegenüber Frauen, so die Autor_innen, noch immer präsent. Auch habe der „Dachverband der Migrantinnenorganisationen, Damigra e. V.“, bemerkt, dass Frauen in Deutschland zwar seit 100 Jahren wählen dürfen, einem Großteil der Bürger mit ausländischen Wurzeln die politische Teilhabe aber noch immer verwehrt bleibe. Was genau das mit dem Weltfrauentag zu tun hat, ist der Redaktion nicht bekannt.

Volker Seitz betrachtet die Rolle der Frau in Afrika deutlich realistischer. Auf der „Achse des Guten“ berichtet er, dass in Afrika rund 80 Prozent der Nahrung für den Eigenbedarf von Frauen produziert werden – trotzdem besäßen sie nur zehn Prozent der Landwirtschaftsfläche. Frauen seien auf dem gesamten Kontinent weitaus produktiver als Männer. Wären sie besser ausgebildet, folgert Seitz, könnte dies einen enormen Entwicklungssprung bedeuten. Stattdessen werden afrikanische Frauen unterdrückt und misshandelt. Selbstbewusste Frauen gelten zudem als „unafrikanisch“.

Auch in Argentinien stehen die Frauen auf – allerdings nicht, um zur Feldarbeit zu gehen, sondern um gegen die Zustände in ihrer Heimat zu demonstrieren. Die „Jungle World“ interviewt ein Mitglied des Kollektivs „Ni una menos“ (Keine Frau weniger), die Publizistin Verónica Gago, über die feministischen Kämpfe in Lateinamerika. Allein in Buenos Aires waren vergangenes Jahr eine halbe Million Frauen auf den Straßen gewesen, um gegen Unterdrückung und Ausbeutung zu kämpfen. In der Vergangenheit sei es dem argentinischen Feminismus zudem gelungen, ein breites Netz an Verbindungen zu etablieren, so Gago in der „Jungle World“.

Propaganda: Deutsche Schulen und australische Airlines

In einem Gymnasium in der Oberpfalz dürfen die Schüler der zehnten Klasse künftig kostenpflichtigen „Staatskunde-Unterricht“ besuchen. Für einen Beitrag von fünf Euro können die Zehntklässler an einem „Argumentationstraining gegen rechts“ teilnehmen. „Jouwatch“ berichtet, das Seminar werde von der „Georg-von-Vollmar-Akademie“ gehalten, die vom bayrischen Bildungsministerium unterstützt werde, wobei es allerdings keine Zweifel an der politischen Gesinnung der Institution gebe. Die AfD Bayern kritisiere die „einseitige Indoktrination“ der Schüler scharf und sehe das Neutralitätsgebot verletzt, so „Jouwatch“ am Morgen.

Ausreisen, oder zumindest ein Kurzurlaub nach Australien, ist allerdings auch nicht die Lösung, um dem Linkswahn zu entgehen. Die „Junge Freiheit“ berichtet über die australische Fluggesellschaft Qantas, die Mitarbeiter zu einer gendersensiblen Sprache dränge. „Ehemann, Ehefrau, Mama und Papa“ gehörten zu den Begriffen, die die Airline nicht mehr verwende. Stattdessen solle von „Partnern“ und „Eltern“ gesprochen werden. Damit auch die australischen Ureinwohner nicht diskriminiert werden, soll die neue Sprachregelung anstatt von einer „Besiedlung“ von einer „Invasion“ oder „Besatzung“ des fünften Kontinents sprechen, so die „Junge Freiheit“ aus Berlin.

 „Zuerst!“: „Putin in aktuellem Film-Interview: ‚Man sollte Russland besser zum Verbündeten haben‘“

„Compact Online“: „Nawasnu, Nawalny?“

„Nachdenkseiten“: „Putin fordert strategische Parität und Respekt“

„Contra-Magazin“: „US-Eliten drängen auf Krieg mit Russland“

„Junge Welt“: „Ab heute kriegen sie in die Fresse“

„Achse des Guten“: „Ohne Frauen bricht Afrikas Wirtschaft zusammen“

„Jungle World“: „‚Der 8. März 2017 war eine Zäsur‘“

„Jouwatch“: „Kostenpflichtige politische Indoktrination an staatlichem Gymnasium im ‚Kampf gegen rechts‘“

„Junge Freiheit“: „Australische Airline drängt Mitarbeiter zu gendersensibler Sprache“

Zusammenstellung: Florian Müller


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