06. März 2018

Alternative Presseschau Migration. Wirtschaft. Kultur.

Politischer Handlungsbedarf in Schweden, da Wahlen bevorstehen

von Redaktion Presseschau

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Bildquelle: shutterstock Gescheiterter Traum: In Schweden überlegt man, das Militär im Inland einzusetzen

In Deutschland und Schweden sind die Folgen der gescheiterten Flüchtlingspolitik zu spüren. In der Weltwirtschaft bahnt sich ein Handelskrieg an. Im Feuilleton spricht man über Musik und Literatur.

Migration: Schwedische Verhältnisse

Allein in Berlin leben zur Zeit 40.000 abgelehnte Asylbewerber, so berichtet die „Junge Freiheit“. Aus einer Anfrage des Berliner FDP-Abgeordneten Marcel Luthe ging hervor, dass sogar über 11.000 Asylanten vollziehbar ausreisepflichtig seien. Auf Anfrage der Linkspartei wurde offengelegt, dass im gesamten Bundesgebiet fast 15.000 ausreisepflichtige Afghanen leben. 72 Prozent verfügen allerdings über eine Duldung. Diese kann aufgrund der familiären Situation, aber auch wegen Krankheiten oder ungeklärten Identitäten ausgesprochen werden, so die „Junge Freiheit“ am Morgen.

Für das Magazin „Zuerst!“ werden „Einzelfälle zum traurigen Alltag“. In einer Zusammenstellung der jüngst zurückliegenden Fälle akuter Bereicherung zeigt die Redaktion, dass die Vorfälle importierter Gewalt in ganz Deutschland Überhand nehmen. Die täglichen Meldungen über Formen migrantischer Kriminalität sind inzwischen Legion, die Auswahl der letzten Tage zeige aber einmal mehr deren „Vielfalt“, aber auch die drohende Erosion der inneren Sicherheit, so fasst „Zuerst!“ die Meldungen zusammen.

„Ortner Online“, das Zentralorgan des Neoliberalismus, verweist auf einen Artikel der „Neuen Zürcher Zeitung“. Dort heißt es, Schwedens Integrationstraum sei geplatzt. Mittlerweile gebe es fast täglich Schießereien, Sprengstoffanschläge auf Polizeiautos, Schüsse auf Polizisten. Nach den schwedischen Sprachregelungen, so spottet die „NZZ“, handele es sich bei den Problemgebieten um „sozial besonders stark exponierte Vororte“ Stockholms oder Malmös. Für die Politik bestehe Handlungsbedarf, da im September bereits die nächsten Wahlen anstehen. Der Vorschlag der rechten Schwedendemokraten, das Militär im Innern einzusetzen, wurde vom sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Stefan Löfven überraschenderweise nicht zurückgewiesen.

Wirtschaft: Zwischen Handelskrieg und Euro-Versagen

Auf „Jouwatch“ freut sich Walter Ehret, dass der US-amerikanische Präsident Donald Trump „die Globalisierung beendet“. Die Entscheidung, dem Freihandel eine Absage zu erteilen, sei ein Segen für die gesamte westliche Welt. Der sogenannte Freihandel habe „Konzerne und Aktionäre reicher gemacht, die Arbeitnehmer der Industriestaaten entrechtet, verarmt und die Demokratien gefährdet“, schätzt Ehret die Lage ein. Statt über die Strafzölle zu lamentieren oder gar einen Handelskrieg anzukündigen, solle Europa mit Sofortmaßnahmen beginnen, die eigene Wirtschaft umzustellen. Die Grundlage unserer künftigen Wirtschaftsstabilität könne nur eine starke Binnenwirtschaft sein, zudem müsse man zu einer Hochzins- und Hochlohnpolitik zurückkehren.

Dass wir, oder besser gesagt Italien, uns meilenweit von diesen Vorstellungen entfernt haben, betont Marco Maier vom „Contra-Magazin“. Noch immer würden in Italien keinerlei wirtschaftliche Reformen durchgeführt werden, die eigentlich Sinn und Zweck des EZB-Anleihekaufprogramms waren. Beim „Sorgenkind“ der Euro-Zone habe sich bislang nichts gebessert, so Maier. Das südeuropäische Land habe vor Jahren den Punkt überschritten, an dem eine Trendwende in Sachen Sanierung möglich gewesen wäre. Der einzige Grund, warum die Lage nicht noch schlimmer sei, so das „Contra-Magazin“, sei die Nullzinspolitik der EZB.

Nördlich von Italien lacht die Sonne der „35-Stunden-Woche“. Leider aber nur von Plakaten der Warnstreikenden im Sozial- und Gesundheitssektor. Seit mehreren Wochen fordern die österreichischen Gewerkschaften verkürzte Arbeitszeiten und einen besseren Lohn. Vor der zweiten Streikwelle, so berichtet die „Junge Welt“, haben sich die Gewerkschaften allerdings mit der Unternehmerseite geeinigt. Zwar gebe es für bestimmte Gruppen bis zu drei Prozent mehr Lohn, allerdings sei von der geplanten Arbeitszeitverkürzung nichts übriggeblieben. Stattdessen, so beschwert sich die „Junge Welt“, haben Arbeitgeber künftig die Möglichkeit, die vorgeschriebene Ruhezeit nach einem Zwölf-Stunden-Dienst auf acht Stunden zu verkürzen. Der Streik soll trotzdem ein Meilenstein gewesen sein. Man hofft, dass der Erfolg in andere Branchen ausstrahlt.

Kultur: Akustisch hui, optisch pfui

Die „Preußische Allgemeine Zeitung“ berichtet über das Jubiläum des Leipziger Gewandhausorchesters. Rechtzeitig zum 275. Geburtstag habe einer „der ältesten Klangkörper der Welt“ einen neuen Chefdirigenten. Beim 21. Kapellmeister, Andris Nelsons, handelt es sich um einen weltweit anerkannten Dirigenten, der zugleich Chef des Boston Symphony Orchestra bleiben wird. Seine Arbeit wird sich nun, so die „PAZ“, auf zwei Kontinente aufteilen. Nach eigenen Angaben zog es Nelsons aufgrund der sächsischen Musiktradition nach Leipzig. Im Jahr 2020 soll anlässlich von Beethovens 250. Geburtstag der gesamte Sinfonien-Zyklus gemeinsam mit der Wiener Philharmonie aufgeführt werden.

Im Gegensatz zum Dresdner Gewandhausorchester leidet die Frankfurter Oper an einer „visuell brutalen Störung des harmonischen Gesamteindrucks“, so Claus Folger auf der „Blauen Narzisse“. Stadt und Polizei haben auf dem Opernplatz Betonblöcke aufstellen lassen, um mögliche Anschläge mit Lastwagen zu verhindern. Auf Anfrage Folgers stellte sich der Geschäftsführer der Alten Oper hinter die Entscheidung der Politik. Die Sicherheit der Gäste sei höher zu bewerten als ein optisch ansprechendes Bild. Folger fällt allerdings auf, dass Feuerwehr und größere Einsatzfahrzeuge an den Blöcken vorbeifahren können. Auf Rückfrage bestätigt dies der Pressesprecher der Frankfurter Polizei, verteidigt allerdings die Strategie, da „Terror-Lkws“ langsamer fahren müssten, um an den Blöcken vorbeizukommen. Wie sicher Betonklötze überhaupt sind, zeigt die „Blaue Narzisse“ anhand eines Videos über Betonsperren.

Cora Stephan berichtet auf der „Achse des Guten“ über den neuerschienenen Roman „Munin“ der Autorin Monika Maron. Die Geschichte dreht sich um eine freie Autorin, die eher ungewollt den Auftrag annimmt, einen Aufsatz über den Dreißigjährigen Krieg zu schreiben. Dabei begleitet die Geschichte die Protagonistin durch die trostlose Welt. Ihr gelingt es allerdings, eine Krähe namens „Munin“ (nach Odins Raben) anzulocken, von der sie eine „Nachhilfestunde in zynischer Menschenkenntnis“ erhält. Für die „Achse des Guten“ lockt der Roman nicht nur mit einer „spannenden Versuchsanordnung und mit einer zwischen Melancholie und leisem Spott changierenden Erzählerstimme“, sondern auch die Verbindung der historischen Reflexion mit der „gegenwärtigen conditio humana“. Wir leben, wie vor 400 Jahren, in einer Vorkriegszeit

„Junge Freiheit“: „In Berlin leben über 40.000 abgelehnte Asylbewerber“

„Zuerst!“: „Ausländerkriminalität: ‚Einzelfälle‘ werden zum traurigen Alltag“

„Ortner Online“: „Schwedens zerplatzter Integrations-Traum“

„Neue Zürcher Zeitung“: „Schwedens Integrations-Traum ist geplatzt“

„Jouwatch“: „Zum Glück: Die USA beenden die Globalisierung“

„Contra-Magazin“: „Rutscht Italien in die Staatspleite?“

„Junge Welt“: „‚Im Streik echt was riskiert‘“

„Preußische Allgemeine Zeitung“: „In lettischer Hand“

„Blaue Narzisse“: „Betonklötze verschandeln Opernplatz“

„Achse des Guten“: „Munin – der Roman zur Lage und zur Zeit“

Zusammenstellung: Florian Müller


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