27. Februar 2018

Alternative Presseschau Heimat. Wirtschaft. Armut.

Teutonische Dönermusik im Kommen

von Redaktion eigentümlich frei

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Bildquelle: shutterstock Sprechgesang statt Alphornklang: Rettet Dönermusik die Bundesrepublik?

Heimat ist für jeden etwas anderes und wird unterschiedlich interpretiert. Die Wirtschaft brummt und verbirgt das Währungschaos ungewollt. Auch finden noch immer Debatten über Armut statt.

Heimat: Dönerbuden und Dönermusik

In einem Grußwort von Monika Grütters auf dem CDU-Parteitag charakterisierte sie ihre „christdemokratische Heimat Berlin“. Dazu zählen unter anderem „1.500 Dönerläden – mehr als in Istanbul“, zitiert David Berger Grütters auf seinem Portal „Philosophia Perennis“. Auch mit der Rede Angela Merkels auf dem CDU-Parteitag stieg das Hoffnungspotential auf eine Wende nicht mehr an, so Berger. Merkel habe nichts dazugelernt, Widerstand aus der eigenen Partei habe sie aber nicht mehr zu befürchten.

Wie Migranten und Flüchtlinge in ihre neue Heimat kommen, ist mittlerweile auch hinlänglich erklärt. Trotz des Wissens über Menschenschmuggel via Fernbus stiegen die Zahlen der illegalen Grenzübertritte durch Flixbus an. Die „Junge Freiheit“ berichtet über fast 7.500 Personen, die 2017 von der Polizei bei der Einreise aufgegriffen wurden. Nach einer niedrigeren Zahl im Jahr 2016 erreichte damit die Anzahl der Einreisenden das Niveau des Vorjahres. Insgesamt gab es im vergangenen Jahr über 180.000 Asylsuchende.

Mit murmeltierartiger Sicherheit fragen sich deutsche Politiker, welche Heimatländer denn nun sicher sind. Das „Contra-Magazin“ berichtet über einen neuen Gesetzesentwurf der FDP, dass die Maghreb-Staaten (Marokko, Tunesien, Libyen, Algerien, Mauretanien) zu sicheren Herkunftsländern deklariert werden sollen. In der letzten Legislaturperiode, so das „Contra-Magazin“, scheiterte der gleiche Antrag an den grünen Bundesländern, die der Novelle hätten zustimmen müssen. Autor Michael Steiner blickt nüchtern nach vorn: „Es ist nicht davon auszugehen, dass die Grünen dieses Mal anders entscheiden werden.“

Heimat geht durch die Sprache. Das haben jetzt auch patriotische Rapper erkannt, die das künstlerische Feld nicht mehr den Migranten überlassen wollen. „Compact Online“ stellt den Musiker Komplott vor, der mit einigen anderen Künstlern seine Botschaften über den Sprechgesang erfolgreich verbreitet. Patriotischer Rap entwickelte sich in Deutschland relativ spät, so Marcus Hansen auf „Compact“. Trotzdem sei die Akzeptanz gegenüber der „teutonischen Dönermusik“, aufgrund einer weitgehenden Professionalisierung, in den letzten Jahren angestiegen. Kritiker behaupten, so Hansen, dass eine schwarze oder multiethnische Musikrichtung unvereinbar mit der Vermittlung einer deutschen oder europäischen Identität sei.

Selbst Heiko Maas weiß, was Heimat ist – zumindest nach seiner ureigenen Definition. Für den Justizminister sei „Heimat, dass Kinder in Frieden aufwachsen“. Akif Pirinçci verspottet Maas auf „PI-News“: „Oha! Nach dieser Definition ist also meine Heimat auch Neuseeland oder Portugal, weil Kinder dort ebenfalls in Frieden aufwachsen. Es braucht irgendwo auf der Welt nur Frieden zu herrschen, und simsalabim ist die Heimat gewährleistet.“ Auch die anderen fadenscheinigen Kriterien des Saarländer SPD-Politikers fallen Pirinçci zum Opfer. Maas erklärt Heimat unter anderem mit „sozialer Gerechtigkeit“, „Sicherheit“, „Glaubensfreiheit“ und „Verfassungspatriotismus“. „Ausgerechnet du musst jetzt das große Wort von der Heimat schwingen, du Heimathasser“, schließt Pirinçci.

Wirtschaft: Geldmenge hoch – Handel runter

Die „Deutschen Wirtschafts-Nachrichten“ berichten über die Fortführung der EZB-Geldmengenpolitik. Das sogenannte „Quantitative Easing“ sei, so Mario Draghi, trotz einer erstarkenden Wirtschaft weiterhin notwendig. Im Januar lag die Inflationsrate bei nur 1,3 Prozent, so die „DWN“. Die Inflationsrate soll weiterhin „überzeugende Hinweise“ für einen Trend nach oben zeigen, so Draghi. Die EZB strebe eine Inflationsrate von zwei Prozent an. Die Anleihekäufe der EZB wurden nach einem starken Start ins Jahr 2018 zwar reduziert, sollen aber noch weiterhin bis mindestens September fortlaufen. Der zukünftige EZB-Vize de Guindos rechnet allerdings damit, dass sich die EZB langfristig in die gleiche Richtung wie die Fed bewegt. Die US-amerikanische Zentralbank hatte seit 2014 ihre Inflationsstrategie beendet und hebt nach und nach die Zinsen.

Die deutschen Exporte haben im vergangenen Jahr einen Rekordwert erzielt, berichtet die „Preußische Allgemeine Zeitung“ am Morgen. Trumps mögliche protektionistische Politik könnte der deutschen Wirtschaft einen Strich durch die Rechnung machen. Der US-amerikanische Präsident hatte angekündigt, die einheimische Produktion stärker schützen zu wollen. Dieter Kempf, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, äußerte sich besorgt. Es könne eine Protektionsspirale entstehen. Auch China hatte kürzlich erste Handelshemmnisse eingerichtet. Die Regierung in Peking verfügte über eine Kaution auf amerikanische Importe, die im Falle von Zöllen einbehalten werden sollen. Auch der asiatische Markt sei von Zöllen bedroht, so das Handelsministerium Chinas.

Auf „Novo“ erklärt Autor Heinz Horeis, dass das fossile Zeitalter noch nicht zu Ende sei. Trotz grüner Energiewende können die erneuerbaren Strategien der Kohle nicht das Wasser reichen. Horeis betont vor allem die gefährliche Unstetigkeit der wettergebundenen Energien. Im Falle einer Flaute würde der Strom nicht ausreichen – im Falle windigen Wetters müssten die Überschüsse ins Ausland abfließen. Auch im Gegensatz zu anderen fossilen Energieträgern sei die Kohle noch immer die wirtschaftlich zuverlässigste Energiequelle. Der Fortschritt des gesamten Planeten beruhe seit der industriellen Revolution auf der Kohlekraft. Der wichtigste Vorteil der Kohlekraft, so spottet Horeis, sei aber, dass „Claudia Roth oder Katrin Göring-Eckardt nicht mehr stundenlang Brennholz sammeln müssten“. In den reichen Ländern habe man vergessen, was Energiearmut bedeute.

Armut: Umverteilung und Futtertrogentzug

Dass Grünen-Politiker auch kein Essen mehr sammeln müssen, hat man an der Entfremdung gegenüber den deutschen „Tafelgängern“ festgestellt. Vorzeigesozialistin Sahra Wagenknecht gibt sich volksnah – oder möchte womöglich selbst noch einmal an einer Torte naschen. Für Wagenknecht ist der Streit um die Essener Tafel scheinheilig. „RT Deutsch“ greift die Stellungnahme Wagenknechts auf, die etablierten Parteien sollten lieber über ihre Mitverantwortung nachdenken, dass überhaupt jemand zur Tafel gehen müsse, anstatt sich über Rassismus zu echauffieren. Wagenknecht in einem Interview im Deutschlandfunk: „Ich möchte, dass Menschen, die in Deutschland leben, nicht in eine solche Konkurrenzsituation gebracht werden.“ Bisher fiel das mediale Echo überraschend leise aus, so „RT Deutsch“. Vielleicht weil sie nicht das Wort „Deutsche“ benutzt hat?

Eine gute Meldung zum Schluss: Bei den Tiroler Landtagswahlen fielen die österreichischen Grünen um zwei Prozentpunkte auf knapp 10,7 Prozent, die FPÖ baute ihr Wahlergebnis um plus 6,2 Prozent aus. „Zur Zeit“ erklärt das magere Abschneiden der Grünen mit dem Zusammenschrumpfen ihrer Kernwählerschicht. Was genau hat das mit Armut zu tun? „Zur Zeit“ schließt den Bericht: „Das schwache Abschneiden in Tirol hat für die Grünen aber auch bundespolitische Konsequenzen. Sie verlieren nicht nur einen Sitz im Bundesrat, sondern auch den Klubstatus im Parlament. Und damit gehen nicht nur parlamentarische Mitwirkungsrechte verloren, sondern auch viel Steuergeld.“

„Philosophia Perennis“: „CDU-Parteitag: 1.500 Dönerläden in Berlin stehen für ‚echt christdemokratische Heimatstadt‘“

Youtube: „Grußwort von Monika Grütters beim Bundesparteitag der CDU am 26.02.18“

„Junge Freiheit“: „Zahl der illegalen Einwanderer in Fernbussen wieder gestiegen“

„Contra-Magazin“: „Bundestagsabstimmung über sichere Herkunftsländer“

„Compact Online“: „Rapper für Deutschland“

„PI-News“: „Pirinçci: Wie Heiko Maas den Begriff ‚Heimat‘ ad absurdum führt“

„Deutsche Wirtschafts-Nachrichten“: „Draghi kündigt Fortsetzung der lockeren Geldpolitik an“

„Preußische Allgemeine Zeitung“: „Gefährdeter Freihandel“

„Novo“: „Das fossile Zeitalter ist noch nicht zu Ende“

„RT Deutsch“: „Sahra Wagenknecht bezeichnet Kritik an Essener Tafel als Heuchelei – und hat recht“

„Zur Zeit“: „Endgültiges Aus für Parlamentsklub – Grüne auf Weg zur politischen Sekte“

Zusammenstellung: Florian Müller


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