20. Februar 2018

Alternative Presseschau Rechts. Türkei. Christen.

Oppositionelle in der Türkei wollen griechische Inseln okkupieren

von Redaktion eigentümlich frei

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Bildquelle: shutterstock Für türkische Politiker nicht mehr nur Urlaubsziel: Griechenland

Rechte Parteien sind in Europa auf dem Vormarsch. In der Türkei könnte man die bevorstehende Politik als Zweifrontenkrieg auslegen. Die europäischen Christen debattieren lebhaft um verschiedene Standpunkte.

Rechts: Bewegung in Europa

In Italien rechnet man mit einem Wahlsieg der „Lega Nord“, so berichtet das österreichische Nachrichtenportal „Zur Zeit“. Die in den Umfragen vorn liegende Opposition, ein Bündnis aus den italienischen Rechtsparteien unter der Leitung des ehemaligen Ministerpräsidenten Berlusconi, punktet im Wahlkampf mit einer rigorosen Migrationspolitik. „Zur Zeit“ verweist auch auf das hohe Alter Berlusconis und die „treibende Kraft“ Matteo Salvinis. Im tatsächlichen Falle eines Wahlsieges kann dieser mit dem Posten als Innenminister rechnen und damit die Zuwanderungspolitik maßgeblich prägen.

Auch in Frankreich tut sich etwas. Florian Philippot, der ehemalige Ratgeber Marine Le Pens, will eine eigene Partei gründen. „Zur Zeit“ schätzt die Ziele Philippots ein: „Er tritt für einen sofortigen Ausstieg Frankreichs aus der Europäischen Union ein und will sich damit radikaler positionieren, als es der Front National tut.“ Der Front National, der noch immer unter der Niederlage bei der vergangenen Präsidentschaftswahl leidet, plant derweil eine Umbenennung. Eine gewisse Skepsis im patriotischen Lager ist allerdings vorhanden. Die Redaktion von „Zur Zeit“ verweist auf die verschiedenen Versuche in europäischen Ländern, eine rechte Konkurrenzpartei „hochzuziehen“. „Mutmaßen darf man daher auch, dass die Finanzierung dieser Konkurrenzpartei durchaus im Interesse des politischen Establishments in Frankreich liegt“, so „Zur Zeit“ aus Wien.

Auch in Deutschland tut sich etwas. Die „Junge Freiheit“ aus Berlin berichtet über die Umfrageerfolge der AfD. Laut dem Meinungsforschungsinstitut INSA überholte die AfD erstmals die Ex-Arbeiterpartei SPD. Die „Junge Freiheit“ verweist auf die Stellungnahme der SPD-Vorsitzenden Natascha Kohnen. Diese forderte die Mitglieder auf, „sich nicht verrückt machen zu lassen“. Die FDP verlor bei der Umfrage 1,5 Prozentpunkte, die Grünen verharren bei 13 Prozent. Ob die AfD aber tatsächlich bei 15,5 Prozent steht, ist fraglich. Andere Wahlumfragen verorten die Oppositionspartei aktuell bei 13 Prozent. INSA-Chef Hermann Binkert wird regelmäßig eine politische Nähe zur AfD vorgeworfen.

Für Viktor Orbán ist die Sache ohnehin gelaufen. Der ungarische Ministerpräsident verwies am Wochenende auf die „Versäumnisse“ des Westens im Zuge der Asylkatastrophe. Das Kieler Nachrichtenmagazin „Zuerst!“ zitiert Orbán: „Dunkle Wolken liegen wegen der Einwanderung über Europa. Nationen werden aufhören zu existieren, der Westen wird fallen, während Europa nicht einmal bemerken wird, dass es überrannt wurde.“ Die Schuld sieht Orbán bei den führenden Politikern in Berlin und Brüssel. Diese hätten „den Weg für den Niedergang des Christentums und die Ausbreitung des Islams bereitet“.

Türkei: Erdoğans Großmachtphantasien

In der aktuellen Ausgabe der genossenschaftlichen „Jungen Welt“ berichtet Peter Schaber über den angeblichen Einsatz von Giftgas durch die türkischen Streitkräfte. In Afrin sollen Erdoğans Truppen Chlorgas eingesetzt haben, so die „Junge Welt“ unter Berufung auf den Sprecher der kurdischen Partei der Demokratischen Union (PYD), Salih Muslim. Die Kurden hatten im Verlauf des andauernden Konflikts mehrfach die Regierung in Ankara beschuldigt, völkerrechtlich verbotenes Giftgas einzusetzen. Die Kurden wünschen sich den Einsatz syrischer Truppen zur Verteidigung gegen die Türken, beharren aber gleichzeitig auf ihrer Forderung nach autonomer Selbstverwaltung.

Politiker der CHP, der größten Oppositionspartei der Türkei, sprachen davon, im Falle eines Wahlsieges die griechischen Inseln der Ägäis zu okkupieren. „Jouwatch“ verweist auf die ehemalige Innenministerin Meral Akşener, die einen Krieg mit Griechenland nicht ausschloss. „Diejenigen, die denken, dass wir die Länder, aus denen wir vor hundert Jahren vertrieben wurden, aus unseren Herzen ausgelöscht haben, liegen falsch“, so nimmt Präsident Erdoğan Stellung. Dass man mit dieser Legitimation auch in östlicher Stoßrichtung argumentieren kann, ist den Türken offensichtlich nicht bewusst. Weiterhin gibt sich Erdoğan kämpferisch: „Wir kämpfen darum, dass nirgendwo eine fremde Flagge weht, wo der islamische Gebetsruf von der Moschee ertönt. Den Dingen, die wir bisher gemacht haben, werden größere Versuche und Angriffe folgen, Inschallah!“ „Jouwatch“ kritisiert, dass „diese offene Drohung bisher nirgendwo Gehör fand“.

Christen: Interner Richtungsstreit

Während die Türkei mit dem Scimitar rasselt, üben sich die Kirchen in Grundsatzdiskussionen. Das evangelische Portal „idea“ berichtet über die Debatte bezüglich des Werbeverbots für Abtreibung. Der Dachverband Evangelische Frauen in Deutschland positioniert sich gegen ein Werbeverbot. Das Gesetz verbiete nicht nur Werbung, sondern auch die „schlichte Information“. Der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche, Bedford-Strohm, sowie die katholische Kirche hatten sich in der Vergangenheit für ein Beibehalten des Werbeverbotes ausgesprochen.

In den Niederlanden gibt es zum neuen Organspendegesetz unterschiedliche Ansichten. In einem Interview mit kath.net äußert Susanne Wenzel, Pressesprecherin der Christdemokraten für das Leben (CDL), ihren Unmut über die neue „Widerspruchsregelung“. Bisher war man nur Organspender, wenn man sich, ähnlich wie in Deutschland, aktiv dafür entschied. Ab dem Jahr 2020 ist jeder Niederländer automatisch Organspender, sollte er nicht Widerspruch einlegen. Für die CDL ist dieser Paradigmenwechsel eine „unzulässige Bevormundung des Bürgers“. „Eine Organspende, die doch freiwillig sein soll, wie das Wort ‚Spende‘ ja suggeriert, wird durch die Vorwegnahme einer Entscheidung durch Dritte, hier durch den Staat, tatsächlich zum ‚Zwang‘“, so Wenzel gegenüber kath.net.

Gastautor und Weihbischof Marian Eleganti kritisiert die immer stärkere Aufweichung der „gültigen, unauflöslichen, sakramentalen Ehe“. Mit der Richtungsänderung der katholischen Kirche, Eleganti beschreibt sie als „Trend, der in die seelsorglich begleitete Wiederverheiratung mit Kommunionempfang“ geht, widerspreche man mit der katholischen Praxis der Lehre. Die Forderung des liberalen Flügels nach einer transparenten Methode, um nach Einzelfallbeurteilung Wiederverheiratete zur Kommunion zuzulassen, hält Eleganti für eine „‚realitätsferne Traumwerkstatt‘“.

„Zur Zeit“: „Salvini – Innenminister in Rom?“

„Zur Zeit“: „Spaltung der französischen Rechten“

„Junge Freiheit“: „AfD liegt in Umfrage erstmals vor SPD“

„Zuerst!“: „Viktor Orbán: ‚Nationen werden aufhören zu existieren, der Westen wird fallen‘“

„Junge Welt“: „Giftgas auf Afrin“

„Jouwatch“: „Türken träumen wieder vom Osmanischen Reich unter islamischer Flagge und der Eroberung Europas!“

„idea“: „Werbeverbot für Abtreibung: Kontroverse Positionen in den Kirchen“

Kath.net: „Organspende: Paradigmenwechsel in den Niederlanden“

Kath.net: „‚Die Zulassung zur Kommunion wird zur Regel werden‘“

Zusammenstellung: Florian Müller


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