14. Februar 2018

Alternative Presseschau Rücktritte. Karneval. Olympia.

Vor 200 Jahren war das tolle Treiben alles andere als friedlich

von Redaktion Presseschau

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Bildquelle: Heide Pinkall / Shutterstock.com Karneval in Deutschland: Nachäffung anderer Kulturen?

In Deutschland und der Welt machen Politiker das, was sie am besten können: Macht gewinnen und verlieren. Daneben findet der Karneval Anklänge in den alternativen Medien.

Rücktritte: Halbherziger Lauschangriff, scheidende Präsidenten und „Bätschi“ ade

Laut dem „Contra-Magazin“ hat der niederländische Außenminister Halbe Zijlstra bewusst über die Machtphantasien Wladimir Putins gelogen und dies jetzt zugegeben. Während des niederländischen Wahlkampfes hatte Zijlstra angegeben, „er habe sich in der Datscha von Wladimir Putin versteckt und Putin belauscht, als dieser sagte, er wolle Weißrussland, die Ukraine, die baltischen Staaten und Kasachstan übernehmen, um ein Großrussland zu schaffen“. Mittlerweile räumt er ein, dass es eine „dumme“ Sache war, beharrt jedoch darauf, dass „es denkbar wahr sei“. Kabinettschef Rutte kritisierte seinen Außenminister, betont das „Contra-Magazin“, glaube aber weiterhin, Zijlstra bleibe „glaubwürdig“.

Kurz darauf berichtet die „Epoch Times“ über den Rücktritt Zijlstras. Während einer Parlamentssitzung in Den Haag gab der Außenminister seine Entscheidung bekannt. Laut „Epoch Times“ hat sich Zijlstra nach eigenen Angaben die Geschichte von jemandem geborgt, der tatsächlich Putins Aussagen gehört hatte. Am Dienstag war ein Treffen mit dem russischen Amtskollegen Lawrow geplant, ergänzt die „Epoch Times“.

In der „Jungen Welt“ berichtet Christian Selz über die Streitigkeiten in Südafrika. Das nationale Exekutivkomitee der Regierungspartei hat Staatschef Jacob Zuma abberufen. Zuma mache derzeit aber keinerlei Anstalten, sein Amt abzugeben. Dies sei rechtens, betont Selz, da es sich bei der Entscheidung des Komitees lediglich um eine Richtlinie handele. Bei einem möglichen Misstrauensvotum des Parlaments sei allerdings davon auszugehen, dass er seinen Posten abgegeben müsse, so Selz aus Kapstadt. Ace Magashule, ein Vertrauter Zumas, sprach von Kooperation zwischen allen Lagern. Im Falle eines Sturzes Zumas könnten etliche Politiker auffliegen, die in diverse Korruptionsskandale verwickelt sind.

Nachdem Martin Schulz als SPD-Chef zurückgetreten ist und Andrea Nahles als Nachfolgerin vorgeschlagen hatte, regt sich Widerstand in den roten Reihen. Die „Junge Freiheit“ berichtet über die internen Machtkämpfe. Manche Landesverbände hatten an der Entwicklung in Berlin starke Kritik geäußert. Die Aussprache sei allerdings „kein Votum gegen Nahles“, wie der Berliner Landesverband angab, allerdings wolle man „keine Amtsübernahme im Hauruckverfahren“. Derweil soll der designierte Finanzminister Olaf Scholz die Geschicke der Partei kommissarisch leiten. Nach Angaben der „Jungen Freiheit“ wolle die Flensburger Oberbürgermeisterin Simone Lange beim nächsten Parteitag gegen Nahles antreten. Sie wolle „den Mitgliedern wieder eine Stimme geben“. Nach den jüngsten Entwicklungen der SPD stellen sich allerdings die Fragen, welche Mitglieder das sein sollen und ob man überhaupt noch eine Stimme brauchen wird.

Karneval: Politische Instrumentalisierung oder gewohnte Narrenfreiheit?

Auf „PI-News“ schreibt Michael Stürzenberger über eine Büttenrede bei der Mainzer Fastnacht. Dort hatte ein Redner „mit einer ganz üblen Verhetzung gegen die AfD gewettert“. Mehrfach wurde die AfD mit den Nationalsozialisten verglichen und die Politiker der Oppositionspartei als „geistige Einzeller“ beschimpft. Stürzenberger fasst zusammen: „All das ist weder lustig noch geistreich oder gar frech gegen die herrschende Politik. Ganz im Gegenteil. Es ist billigste Verleumdungs-Propaganda im Sinne der Mächtigen.“

Auch auf „Young German“ kritisiert man die politische Entwicklung des Karnevals. Der Blog greift ein Interview der „Zeit“ mit einer „kritischen Stadtforscherin of Color“ auf. Noa K. Ha kritisiert das deutsche Karnevalsverhalten und wirft der Tradition Rassismus vor: „Weiße sollten sich lieber mal als ‚Kartoffel‘ verkleiden, statt andere Kulturen nachzuäffen“, so Ha im Interview. „Young German“ fragt, „ob dann die Afrikaner auch keinen maßgeschneiderten italienischen Anzug mehr tragen, keine Musik auf ihrem I-Pod hören und kein Auto fahren dürfen?“ Dies seien schließlich Produkte der westlichen Kultur.

Im Saarland ist der Karneval ein ernstes Thema. In der Gemeinde Sulzbach sei ein Wagen mit der Aufschrift „Die Wanne ist voll“ aufgefallen, wie die Kieler Zeitschrift „Zuerst!“ berichtet. In der Wanne befanden sich bärtige Puppen mit Turban. Der „politisch inkorrekte“ Wagen führte zu einer Ermittlung des Staatsschutzes, so „Zuerst!“. Ein Polizeisprecher äußerte sich dahingehend, dass man die „Sache sehr ernst nehme“.

Einen schönen und vor allem unpolitischen Abschluss findet man auf Vera Lengsfelds Blog. Gastautor Hans-Jürgen Wünschel begibt sich auf einen Ausflug in die Geschichte der karnevalistischen Kultur, über die Goethe mit allen Details aus dem Jahr 1786 berichtete. Vor über 200 Jahren war der Karneval alles andere als friedlich: „Bald hier, bald da ein Zweikampf, ein Scharmützel oder eine Schlacht. Fußgänger, Kutschenfahrer, Zuschauer aus Fenstern, greifen einander an und verteidigen.“ Goethe beschreibt die Kultur des „Sich-Bewerfens“ mit Dragees und Gipskügelchen. Auch seien „ernsthafte Händel“ ausgetragen worden. Vom Karnevalskorso wurde Konfekt – heute Konfetti – auf die Feiernden geworfen. Allzu sehr hat sich der Karneval also doch nicht verändert.

Olympia: Freies Doping?

„Novo“ bringt einen kontroversen Artikel über „Doping in der liberalen Gesellschaft“. Nach Ansichten des Autors verstoßen die aktuellen Regularien in vielerlei Hinsicht gegen freiheitliche Grundsätze, auch gegen das Grundgesetz, das mit Artikel 2 die freie Entfaltung der Persönlichkeit sichere. Doping gehöre zu dieser Freiheit, so Autor Stefan Chatrath. Es solle jedem Sportler selbst überlassen sein, welche Mittel er seinem Körper verabreiche. Auch Dopingsperren könne man im Sinne einer „Berufsausübungssperre“ (Artikel 12) interpretieren. Zudem kritisiert Chatrath die fehlende Privatsphäre und das Überwachungsregime im Hochleistungssport. Sportler müssten 365 Tage im Jahr für Kontrollen zur Verfügung stehen. Das widerspreche dem „Recht auf Privatheit“. Die Debatte zum Thema Doping war durch die kürzlich nachgewiesenen Fälle während der Olympischen Winterspiele ins Rollen gekommen.

„Contra-Magazin“: „Niederländischer Außenminister gibt zu, dass er über Putins ‚Großrussland‘-Verschwörung gelogen hat“

„Epoch Times“: „Gelogen: Niederländischer Außenminister tritt wegen Putin-Lüge zurück“

„Junge Welt“: „ANC entmachtet Zuma“

„Junge Freiheit“: „Schulz als SPD-Chef zurückgetreten“

„PI-News“: „Mainzer Karneval mit üblem Nazi-Bashing gegen AfD“

„The Young German“: „Kulturwissenschaftlerin Dr. Noa und die ewige Kolonialschuld der Deutschen – und warum Karneval rassistisch ist“

„Die Zeit“: „‚Kostüme sind nicht unschuldig‘“

„Zuerst!“: „Karneval im Saarland: Staatsschutz ermittelt wegen politisch inkorrektem Motivwagen“

Vera Lengsfeld: „Goethe, der Karneval und die Konfettiparade“

„Novo“: „Gebt das Doping frei!“

Zusammenstellung: Florian Müller


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