02. Februar 2018

„Die Welt“ über ein Lisa-Fitz-Lied „Experten“ entblößen sich wie immer als Witz

Nämlich als von Macht gespielter

von Axel B.C. Krauss

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Bildquelle: 360b / Shutterstock.com Provoziert mit einem harmlosen Lied: Lisa Fitz

Ich habe mich circa fünf Minuten lang gefragt, ob ich diesen Kommentar überhaupt schreiben soll. Denn eigentlich lohnt es sich gar nicht, auf die vermeintlichen Gegenargumente vermeintlicher „Experten für Verschwörungstheorien“ einzugehen, die von einer angeblichen Fachfrau namens Giulia Silberberger in einem Artikel der „Welt“ vom 31. Januar ins Feld geführt wurden, um ein völlig harmloses Lied der Kabarettistin Lisa Fitz mit dem Titel „Ich sehe was, was du nicht siehst“ in gewohnter Manier in die Schmuddelecke zu stellen. Aus Silberberger klabastern die üblichen Leerformeln, Abwehr- und – bezüglich der argumentativen Substanz – zahnlosen Beißreflexe all derjenigen Traumtänzer, Realitätsleugner und strammgezogenen Systemstützstrümpfe, die entweder nicht fähig sind, sich selbständig zu informieren oder dies vielleicht auch gar nicht wollen. Aus welchen Gründen auch immer. Aber das interessiert mich schon lange nicht mehr.

Bei sogenannten erwachsenen Menschen setze ich stillschweigend die Fähigkeit voraus, sich mit vorliegenden Informationen zu einer bestimmten Thematik unvoreingenommen und kritisch zu beschäftigen. Betonung auf „kritisch“. Sie einfach ungeprüft zu glauben und weiterzuverbreiten, was, wie von Silberberger durchaus zu Recht beklagt wird, gerade im Internet leider regelmäßig geschieht (Stichwort „Filterblase“ oder „gruppendynamische Feedbackschleife“), ist ebenso fragwürdig wie die extreme Gegenposition – also dem längst diskreditierten „Mainstream“ blind zu vertrauen, obwohl dieser sich gerade in jüngerer Zeit nur noch als Propagandakanal für machtelitäre Interessen empfiehlt. Ich brauche sicher nicht zu wiederholen, wie falsch, unvollständig, verzerrt, einseitig, manchmal gar schlicht verlogen und schäbig die Berichterstattung zu geopolitischen Großereignissen war, nicht zuletzt zu den Kriegen im Irak, in Afghanistan, in Syrien und Libyen oder zur „Annexion“ der Krim, sei es in Sachen EU- und Euro-Politik oder – brandaktuell – in Sachen Migrationswaffe, also der gezielten Flutung Europas mit – größtenteils – Prekariat aus, na ich sage mal, Hochkulturländern zwecks Destabilisierung. Das ist ja unerhört? Iwo. Kann man bei der UNO selber recherchieren. Dort war bereits von „Population Replacement“ die Rede, also von „Bevölkerungsaustausch“. Das Problem ist nicht, dass man solche Dinge nicht wissen könnte, sie liegen eigentlich längst offen auf dem Tisch – das Problem ist, dass manche so verblüffend weltentrückt sind, sie einfach nicht zur Kenntnis nehmen zu wollen. Auf eigene, allergrößte Gefahr übrigens.

Das einzige, worum ich Lisa Fitz bitten würde, wäre, sich nicht so sehr auf Namen zu versteifen. Die sind bekanntlich Schall und Rauch. Wenn sie also in ihrem Lied von den „Rothschilds, Rockefellers, Soros und Konsorten“ spricht, ist das insofern wenig zielführend, da es hier nicht um Namen gehen sollte, sondern um ein Verständnis der – vereinfacht ausgedrückt – „Machinationen der Macht“, der Taktiken und Manipulationsmethoden von Herrschaft, die sich – unabhängig davon, wer nun gerade an ihren Schalthebeln saß oder heute sitzt – im wesentlichen sehr einfach beschreiben und dadurch zusammenfassen lassen, dass herrschende Eliten naturgemäß noch nie ein Interesse daran hatten, von den „gemeinen Knechten“ in die Karten geschaut zu bekommen.

Das war schon immer so – und daran hat sich bis heute nichts geändert. Pharaonen hatten ihre Priesterkasten, Herrschercliquen von heute haben ihre nicht umsonst hochbezahlten Kapaune und Hofsänger im ebenfalls nicht umsonst von Mitgliedern der etablierten Parteienmafia kontrollierten, zwangsfinanzierten VEB-Buntfernsehen. Oder ihre Nachrichten- und Geheimdienst-Claqueure in diversen Zeitungen. Oder ihre Mitglieder der zahlreichen „Denkfabriken“. Same shit, different times and names. Fitz weist auf diese Machtstrukturen selber auch hin, wenn sie im Liedtext treffend analysiert, dass diese „feinen Herren“ weitab von den realen Problemen realer Menschen residieren, die sie als menschliche Manövriermasse einspannen. Warum sie das tun? Weil sie‘s nun mal können. Weil sie die Möglichkeiten und Chancen, die sich ihnen bieten, am Schopfe packen, statt sie vor Flachbildschirmen elendig verenden zu lassen.

Kleine Hausaufgabe in Sachen Recherche für Giulia Silberberger: Von wem stammt folgendes diesbezüglich sehr erhellendes Zitat (ich wünsche Ihnen viel Erfolg)? „Es gibt gewaltige Kräfte in den großen Kavernen des Bösen unter der Gesellschaft; in den abscheulichen Niederungen, in der Verderbtheit, der Niedertracht und Armut, dem Laster und den Verbrechen, die stinken und sieden in der Dunkelheit dieser Bevölkerung unter dem Volk, in großen Städten. Dort verschwindet die Selbstlosigkeit, jeder johlt, sucht, grapscht und kaut für sich selbst. Ideen werden ignoriert, und an Fortschritt wird dort kein Gedanke verschwendet. Diese Bevölkerung hat zwei Mütter, beide Stiefmütter – Ignoranz und Elend.“ – „Aber selbst sie lassen sich gebrauchen. Der niedere Sand, auf dem wir trampeln, kann, einmal in den Ofen geworfen, geschmolzen und gereinigt durch Feuer, ein schimmender Kristall werden. Sie verfügen über die brutale Kraft des Hammers, aber ihre Schläge werden der großen Sache nützlich sein, wenn sie in den Linien ausgeführt werden, die von den Regeln der Weisheit und Diskretion gezogen wurden. Doch ist es gerade diese Kraft der Leute, diese titanische Macht von Giganten, die die Befestigungen von Tyrannen errichtet und sich in ihren Armeen verleiblicht. Daher auch die Möglichkeit solcher Tyranneien wie derjenigen, von der gesagt wurde, dass ‚Rom unter Vitellius schlimmer stinkt als unter Sulla. Unter Claudius und unter Domitian gibt es eine Fehlbildung an Niedertracht, die mit der Hässlichkeit der Tyrannei korrespondiert. Die Verderbtheit der Sklaven ist direktes Resultat der grässlichen Geringwertigkeit des Despoten. Ein Gifthauch entströmt diesem geduckten Bewusstsein, das den Herrscher widerspiegelt; die öffentlichen Autoritäten sind unrein, Herzen kollabiert, das Bewusstsein geschrumpft, die Seelen verkümmert. Das ist so unter Caracalla, es ist so unter Commodus, es ist so unter Heliogabalus, während vom römischen Senat unter Cäsar nur der üble Gestank kommt, der dem Adlernest eigentümlich ist.‘ Es ist die Kraft der Leute, die all diese Despotien aufrechterhält, die niederträchtigsten wie die besten. Diese Kraft drückt sich durch Armeen aus; und diese versklaven öfter, als sie befreien.“ – „Macht, verkörpert durch eine von Tyrannei befehligte Armee, ist die enorme Gesamtsumme äußerster Schwäche; und so führt die Menschheit Krieg gegen die Menschheit, der Menschheit zum Trotz. So unterwirft sich ein Volk bereitwillig dem Despotismus, und seine Arbeiter lassen es über sich ergehen, verachtet zu werden, und seine Soldaten, ausgepeitscht zu werden; deshalb ist es so, dass Schlachten, die von einer Nation verloren werden, oftmals erlangtem Fortschritt entsprechen. Weniger Ruhm bedeutet mehr Freiheit. Wenn die Trommel schweigt, spricht manchmal die Vernunft.“

Okay, ich gebe einen kleinen Tipp: Wer spielte die Rolle der Miranda Frost im James-Bond-Film „Stirb an einem anderen Tag“? Nehmen Sie den Nachnamen. Und von Einstein den Vornamen. Googeln Sie nach seinem wichtigsten, bekanntesten Buch. Lesen Sie es. Bitte. Und zwar höchst aufmerksam (Übersetzung des obigen im Original englischen Zitats ins Deutsche durch mich).

Dazu noch ein zweites Zitat. Es stammt von Edward Bernays, der in seinem Buch „Propaganda“ schrieb: „Die bewusste und intelligente Manipulation der organisierten Gewohnheiten und Meinungen der Massen ist ein wichtiges Element in einer demokratischen Gesellschaft. Diejenigen, die diese unsichtbaren Mechanismen der Gesellschaft beeinflussen, bilden eine unsichtbare Regierung, die die wahre Regierungsmacht unseres Landes darstellt. Wir werden beherrscht, unsere Denkweisen werden geschmiedet, unsere Geschmäcker geformt und unsere Ideen werden uns größtenteils suggeriert von Menschen, von denen wir noch nie gehört haben. Dies ist die logische Folge der Art und Weise, wie unsere demokratische Gesellschaft aufgebaut ist. Große Mengen an Menschen müssen in dieser Weise kooperieren, wollen sie in einer reibungslos funktionierenden Gesellschaft leben. Unsere unsichtbaren Führer sind sich in vielen Fällen der Identität ihrer Kollegen im inneren Kabinett nicht bewusst. Sie steuern uns durch ihre natürlichen Führungsqualitäten, ihre Fähigkeit, notwendige Ideen zu liefern, sowie durch ihre Schlüsselposition in der Sozialstruktur. Welche Meinung zu diesem Umstand man auch immer haben will, so bleibt es eine Tatsache, dass wir in fast jeder Handlung unseres täglichen Lebens, sei es in der Sphäre von Politik und Geschäft, in unserem Sozialverhalten oder ethischen Denken, von einer vergleichsweise kleinen Zahl von Personen dominiert werden – einer winzigen Gruppe innerhalb unserer Bevölkerung von circa 120 Millionen –, die die geistigen Prozesse und sozialen Muster der Massen verstehen. Sie sind es, die die Fäden zur Kontrolle der öffentlichen Meinung ziehen, die sich alte soziale Kräfte nutzbar machen und neue Wege erdenken, die Welt zu binden und zu führen.“

Wenn ich also schreibe: „weil sie‘s ganz einfach können“, meine ich damit, dass man sie nicht deshalb Eliten nennt, weil sie ihre kostbare Lebenszeit und wertvolle geistige Energie mit primitivem Dreck, mit ekelerregendem Abfall und Müll, mit – Verzeihung, es ist und bleibt meine Meinung – Schweinefraß und würdelosem massenmedialem Junk Food zur Unter- beziehungsweise Unten- und Kleinhaltung der Steuersklaven wie „Adam sucht Eva“, „Dschungelcamp“ oder „Bauer sucht Frau“ sinnlos vergeuden oder sich bei „DSDS“ mittels „Publikumsabstimmung“ über höchst real-„demokratische“ Wahldefizite hinwegtrösten, sondern aufgrund ihrer Befähigung ganz einfach selber wählen. Ich meine, wirklich wählen – aktiv wählen –, wie sie die Welt gestalten wollen, oder wie Bernays es formulierte: „die sich alte soziale Kräfte nutzbar machen und neue Wege erdenken, die Welt zu binden und zu führen.“ Nicht durch Einwurf eines wertlosen Papierzettels in eine Urne mit einer in den großen, wichtigen Fragen des politischen Tagesgeschehens ohnehin geradezu lächerlich irrelevanten „Stimme“. Denn die „großen Fragen“ werden ganz woanders verhandelt, nicht im Bundestag. Mit solchen schlechten Witzchen möge mir bitte niemand mehr kommen. Siehe Horst Seehofer: „Diejenigen, die gewählt wurden, haben nichts zu entscheiden, und die, die entscheiden, wurden nicht gewählt.“ (Zitat aus der Sendung „Pelzig unterhält sich“).

Oder in den Worten Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergis: „Die Verfassungsform, die Feudalismus und Absolutismus ablöste, war demokratisch; die Herrschaftsform plutokratisch. Heute ist Demokratie Fassade der Plutokratie: weil die Völker nackte Plutokratie nicht dulden würden, wird ihnen die nominelle Macht überlassen, während die faktische Macht in den Händen der Plutokraten ruht.“ – „Die Plutokratie von heute ist mächtiger als die Aristokratie von gestern: denn niemand steht über ihr als der Staat, der ihr Werkzeug und Helfershelfer ist.“ („Praktischer Idealismus“, 1925.) Auch diese treffsichere Analyse hat bis heute nichts von ihrer Gültigkeit verloren.

Jetzt habe ich keine Lust mehr. Keine Lust, zum hundertmillionsten Mal Zusammenhänge zu erklären, die eigentlich schon seit langem Allgemeinbildung sein sollten, aber aus den Lehrplänen der kollektivistischen Kinderzwinger namens „Schule“ natürlich fein säuberlich herausgehalten werden, schließlich sollen Krethi und Plethi später artig strammstehen, um ihre – der Ekel überwältigt mich – „staatsbürgerlichen Pflichten“ zu erfüllen, sich belügen, manipulieren, abzocken, ausrauben und -lutschen, vorführen und gängeln zu lassen; keine Lust, schon wieder bergeweise Beweismaterial zur Untermauerung von Fitz‘ vermeintlichen „Verschwörungstheorien“ wiederzukäuen, wo es in Wahrheit schlicht um uralten Machtpragmatismus und darum geht, sicher gutmeinende Menschen wie Silberberger als „nützliche Idioten“ einzuspannen, eine Funktion, die sie tragischerweise auch noch freiwillig und gerne, ja womöglich sogar aus „Überzeugung“ erfüllt, dieses Herzchen, übrigens zur großen Belustigung derjenigen, deren äußerst zielstrebiges Vorgehen sie als „Theorie“ leugnet; keine Lust mehr, nicht die geringste, mich mit Leuten herumplagen zu müssen, die mir krudes Gedankengut unterstellen oder mich belächeln (nur zu!), weil ich wahrheitsgemäß darauf hinweise, es sei kein Zufall, dass Heerscharen an Politologen und Soziologen nach ihrer Universitäts-Ausbildung beziehungsweise -Aufzucht in „merkwürdig“ großer Zahl stets im Interesse ihrer Züchter argumentieren, na das kommt ja überraschend; keine Lust mehr, der unberechtigten Hoffnung hinterherzuhecheln, man könne in einem dermaßen gehirngewaschenen und erfolgreich konditionierten Land noch rechtzeitig eine „kritische Masse“ an Menschen „aufwecken“. Ich glaube nicht mehr daran.

Das einzige, woran ich in dieser Hinsicht noch glaube, ist die Entschlusskraft des Einzelnen, des Individuums, neugierig zu sein, wissen zu wollen, was in der Welt vorgeht, in der er lebt, lernen und sich weiterbilden zu wollen, um der Gefahr der Übervorteilung und des Regiertwerdens durch die, die ihn von diesem Wissen möglichst fernhalten wollen, zu entgehen. Schließlich gibt es – eine banale Erkenntnis – keine Garantie, dass herrschende Kräfte immer nur das Beste für den „einfachen Mann“ im Sinn haben. Was, wenn Psychopathen an die Macht gelangen? Gerade der Deckmantel der Verschwiegenheit verströmt schier unwiderstehliche Lockstoffe für Irre aller Art, sich ihn zunutze zu machen, um ungestört durchregieren zu können... im Geheimen, wir müssen es im Geheimen tun... Europa sollte in eine föderale Union überführt werden, jeweils unter einem wirtschaftlichen Vorwand, ohne dass die Bevölkerung versteht, was geschieht, sie darf es bloß nicht verstehen... Wir stellen etwas in den Raum und warten ab, ob die Dussel was merken... Merken sie‘s nicht und regt sich kein Widerstand, weil die meisten gar nicht begreifen, was wir beschlossen haben, machen wir einfach weiter, ätsch, Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt...

Wer das nicht klar erkennen und wahrhaben will, wer lieber alles leugnet, nur weil es den eigenen Horizont übersteigt oder auf den ersten, blinzelnden Blick (danke, Friedrich!) der konventionellen Schulweisheit unglaubwürdig erscheint, der lernt eben nichts dazu, sondern wird weiterhin gelehrt. Womöglich Mores.

„Die Welt“: „‚Der ganze Liedtext ist voll von Codes‘“


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