01. Februar 2018

Alternative Presseschau Familiennachzug. Österreich. Social Justice.

Die politische Korrektheit treibt Blüten

von Redaktion eigentümlich frei

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Bildquelle: Tim Evanson (CC BY-SA 2.0)/flickr Politisch unkorrekt: „Chief Wahoo“, das Logo der Cleveland Indians

Die Weichenstellungen in der künftigen Flüchtlingspolitik bewegen die alternativen Redaktionsstuben. Die Meinungen reichen von der Abschaffung Deutschlands bis zur Grundrechtsverletzung des Familienlebens. In Österreich und der Welt kämpft man mit politischer Korrektheit.

Familiennachzug: Zusammenführung und Härtefälle

Das „Contra-Magazin“ wendet sich gegen jegliches Verhandlungsergebnis der beiden Restvolksparteien. Für Autor Michael Steiner ist das Endergebnis unbedeutend: „Alles nur Theater. Deutschland wird von der etablierten Politik so oder so abgeschafft.“ Die härtere Linie von CDU und SPD sei nichts anderes als eine „perfide Politik der kleinen Schritte“. SPD, Grüne und Linke würden den Frosch hingegen direkt ins kochende Wasser schmeißen wollen. Steiner betont ebenfalls die Binnenmigration innerhalb der Europäischen Union. Während man über Obergrenzen diskutiere, bleibe die Zuwanderung aus osteuropäischen Staaten weiterhin hoch. Allein 2015 kamen 400.000 neue Nettozuwanderer.

Auf „Compact Online“ kritisiert Tino Perlick die „Härtefallregelung“ der Altparteien. Die Formulierung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) enthält keinerlei genaue Definition des Sachverhalts. Perlick verweist allerdings auf den Fall eines Syrers im Kreis Pinneberg, der mit vier Kindern und seiner Frau nach Deutschland kam. Via Familiennachzug durfte der Vater vier weitere Kinder nach Deutschland holen. Union und SPD entschieden, dass die Zweitfrau des Syrers und Mutter der anderen Kinder sowie ihre eigene Mutter als Härtefall ebenfalls einreisen durften, so „Compact Online“.

Ganz anders wird das Verhandlungsergebnis von der linken Presse betrachtet. In der „Jungen Welt“ interpretiert Jana Frielinghaus die Einigung als „wegdiskutiertes Grundrecht“. Frielinghaus betont die Einstellung der Linke-Fraktion, dass es sich hierbei um eine „Umwandlung des Menschenrechts auf Familienleben in ein kontingentiertes Gnadenrecht“ handele. Die Unionsparteien betonten am Dienstag, es würde ab 1. August für sogenannte „subsidiär Schutzbedürftige“ kein Recht auf Familiennachzug mehr geben.

Österreich: Sägen und Singen

Auf „Ortner Online“ blickt der österreichische Journalist über die Grenze in die bunte Republik. Ortner zitiert lediglich Gabor Steingart, den Herausgeber des „Handelsblatts“. Dieser habe die Verhandlungen über die Obergrenze zwischen den Altparteien wie folgt interpretiert: „Das Volk hat Angst vor zu vielen Flüchtlingen, so wie CDU/CSU und SPD Angst haben vor zuviel Volk. So gesehen funktioniert das Bündnis der Volksparteien auch als Obergrenze für die Demokratie.“

Die österreichische Zeitschrift „Zur Zeit“ berichtet über die Aussage des ehemaligen SPÖ-Innenministers Schlögl. Dieser hatte bekanntgegeben: „Für mich gibt es auch andere Persönlichkeiten, die die Partei wieder einen könnten – wir brauchen jetzt eine glaubhafte Person an der Spitze.“ „Zur Zeit“ betrachtet die Aussagen Schlögls als „Sägen am Sessel von SPÖ-Chef Kern“. Trotz Zugewinnen hatte die SPÖ bei den Landtagswahlen in Niederösterreich das zweitschlechteste Ergebnis aller Zeiten erzielt. Schlögl fordere unter anderem einen „Mitte-links-Kurs“ der Sozialdemokraten, wie „Zur Zeit“ betont.

Ebenfalls berichtet das Blatt aus Wien über ein rassistisches Lied, das vom ORF vertrieben wird. „Zur Zeit“ versucht den Spieß umzudrehen und verweist auf ein Chanson über „den kannibalischen Kongoneger“, der auf der CD „Wiener Edition“ im ORF-Shop erhältlich sei. Nach seinen eigenen moralischen Standards müsse Armin Wolf, Fernsehmoderator beim ORF, eigentlich seinen Arbeitgeber anzeigen.

Social Justice: Böse Menschen haben Lieder und Logos

Auch die Alpenrepublik leidet unter der „politischen Korrektheit“, bekommt aber nicht direkt Schnappatmung. Der niederösterreichische FPÖ-Politiker Udo Landbauer war wegen eines „Burschenschaft-Liederbuches“ in die Kritik geraten. Bundespräsident Van der Bellen forderte seinen Rücktritt. Das Magazin „Zuerst!“ berichtet über den Rückhalt in der eigenen Partei. Nach der Landtagswahl in Niederösterreich erklärte FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky: „Wir werden niemanden austauschen.“

In den vergangenen Tagen war ein neuer Werbefilm der Firma Katjes aufgetaucht, in dem eine Muslima als naschendes Model fungierte. In einem Gastbeitrag auf „Philosophia Perennis“ kritisiert der Autor die Werbung und die Darstellung einer kopftuchtragenden Frau für Marketingzwecke. Die Werbeagentur gab zu, bewusst die muslimische Kundschaft anzusprechen, da diese „ein starkes Wachstum verspräche“, so der Autor. Jetzt habe sich allerdings herausgestellt, dass es sich beim „muslimischen“ Model um die Deutsch-Serbin Vicenca Petrovic handele. Vielleicht greife man bewusst auf christliche „Fake-Muslime“ zurück: „Die letzten muslimischen Werbestars sorgten unmittelbar nach Veröffentlichung ihrer Werbekampagnen mit dem Bekanntwerden antisemitischer Nachrichten für Aufsehen.“

Die „Junge Freiheit“ berichtet über das Einknicken der Cleveland Indians, einer amerikanischen Spitzenbaseballmannschaft. Seit 1947 zeigt das Logo den sogenannten „Chief Wahoo“, einen zähnebleckenden Häuptling mit roter Hautfarbe. In den vergangenen Jahren waren das Markenzeichen und auch der Name der Mannschaft von Menschenrechtsaktivisten immer häufiger in die Kritik geraten. Im kommenden Jahr werden die Cleveland Indians ihr Logo ändern. Mittlerweile fordert ein Indianerverband auch die komplette Umbenennung des Teams.

Auch vor der virtuellen Welt machen die „Social Justice Warriors“, die Kämpfer für soziale Gerechtigkeit, nicht halt. Johannes Poensgen beschwert sich in der „Blauen Narzisse“ über den geänderten Kurs diverser Videospielproduzenten unter dem Druck der Genderlobby. Mittlerweile schlichen sich nicht nur Frauen in die eigentlich männlichen Spielewelten – zugleich würden Darstellungen immer lächerlicher und anachronistischer. Das gehe so weit, dass der Spieler im nächsten Teil der „Dishonored-Reihe“ eine „behinderte schwarze Lesbe“ spielen muss. Im vorherigen Teil begegnete man hosenanzugtragenden Frauen im viktorianischen England.

„Contra-Magazin“: „Familiennachzug: Zoff zwischen Union und SPD“

„Compact Online“: „‚Wir erwarten, dass die Flüchtlinge in ihre Heimat zurückkehren‘“

„Junge Welt“: „Grundrecht wegverhandelt“

„Ortner Online“: „Die Demokratie-Obergrenze“

„Zur Zeit“: „Jetzt beginnt das Sägen am Sessel von SPÖ-Chef Kern“

„Zur Zeit“: „Wie rassistisch ist der ORF?“

„Zuerst!“: „Österreichische Liederbuch-Affäre um FPÖ-Spitzenmann. ‚Wir werden niemanden austauschen‘“

„Philosophia Perennis“: „Fake-Muslima bei Katjes“

„Junge Freiheit“: „Nach Rassismusvorwürfen: Cleveland Indians entfernen Logo“

„Blaue Narzisse“: „Die Enteignung auf dem Bildschirm“

Zusammenstellung: Florian Müller


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