31. Januar 2018

Alternative Presseschau Familie. Frauen. Grünes.

Die „Neue Linke“ steht vor den gleichen Problemen wie früher die Rechte

von Redaktion Presseschau

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Bildquelle: shutterstock Ziel unfairer Angriffe: Bauern

Die Große Koalition hat sich über den Streitpunkt „Familiennachzug“ geeinigt. Vor allem die Demonstration in Kandel bewegte die alternativen Medien. Auch die Berichterstattung über die Grünen liegt noch in schmerzhaften Nachwehen.

Familie: Aussitzpolitik und Zahlenspielereien um die Zukunft

Die angehende Große Koalition hat sich bezüglich des Familiennachzugs geeinigt. „Epoch Times“ berichtet über die geplante Regelung, bis Juli 2018 den Familiennachzug weiter auszusetzen. Danach soll der Zuzug auf 1.000 Menschen pro Monat begrenzt werden. Nach Angaben der „Bild am Sonntag“ ist die Einigung bei einem Treffen zwischen Alexander Dobrindt, Andrea Nahles und Volker Kauder erzielt worden, so die „Epoch Times“.

Auch die „Junge Freiheit“ schreibt über die Einigung der Verhandlungsparteien. Ergänzt werden soll das Kontingent, so die Berliner Zeitschrift, um „die bereits bestehende Härtefallregelung“. Trotz Bestrebens der SPD, die geplanten Härtefälle auszuweiten, verblieben die Vertreter der Großen Koalition bei der alten Regelung, wie die „Junge Freiheit“ bemerkt.

„Jouwatch“ betont die Aufweichung der ursprünglichen Forderungen von CDU/CSU und SPD. „Kein Wort des Protests kommt von den Genossen und Genossinnen aus der SPD gegenüber den Verrenkungen ihres eigenen Martin Schulz. Und aus den Reihen der CDU vernimmt man ebenfalls kein Anzeichen von Rebellion gegen die Politik der Kanzlerin“, betont „Ignatius“. Nach der Wahl können sich die Altparteien wieder einmal nicht an ihre Wahlversprechen erinnern. Der Autor fragt: „Was für ein Land hinterlassen wir eigentlich unseren Kindern, wenn diese Politik nicht wie von Merkel und Co behauptet eine goldene Ära für Deutschland bringt?“

Dass der Nachwuchs nicht mehr den Weg in die großen Volksparteien findet, ist seit längerem auch statistisch belegt. Auf „Philosophia Perennis“ berichtet man über die schwindenden Mitgliederzahlen in SPD und CDU. Innerhalb der letzten 25 Jahre habe sich deren Anzahl fast halbiert. Seit 2006 würden sich die Parteien kaum noch unterscheiden, beschwert sich der Autor. Die richtige Frage, die man stellen müsse, sei: „Wie viele Mitglieder muss eine Partei haben, um noch Volkspartei zu sein?“

Frauen: Demonstration in Kandel

„Sicherheit für uns und unsere Kinder“, forderten Demonstranten in Kandel. Das ansässige „Frauenbündnis“ wollte ein Zeichen für die 15-jährige Mia setzen, die von einem angeblich minderjährigen Flüchtling erstochen wurde. „Compact Online“ berichtet von knapp 2.000 Demonstranten und betont die konservative Schätzung der etablierten Medien, die nur von „Hunderten“ sprachen. Vor den Anwesenden hielt Imad Karim eine Rede. Auf der Gegenseite waren etwa 120 Teilnehmer des Bündnisses „Aufstehen gegen Rassismus“, das auch von Bürgermeister Günther Tielebörger unterstützt wurde, so Autor Tino Perlick auf „Compact Online“.

Auch Vera Lengsfeld schreibt auf ihrem Blog über die Proteste in Kandel. Die Anwesenden „lassen sich auch nicht mehr davon abschrecken, dass sie als ‚Rechte‘ diskriminiert werden“, so Lengsfeld. Trotzdem gaben sich die Behörden sichtliche Mühe, indem sie den Organisatoren Strom und Toiletten verweigerten. Auch AfD-Landesvorsitzender Junge wurde scheinbar unter Druck gesetzt, sodass er AfD-Mitgliedern davon abriet, an der Demo teilzunehmen. Die Nähe zur NPD könne dem Ruf der Partei schaden. Die Anzahl der Gegendemonstranten schätzt Lengsfeld auf lediglich 60.

Grünes: Protestantische Grasbeißer

Abseits der Parteipolitik endete am Wochenende die weltweit wichtigste Ernährungsmesse. Die Grüne Woche in Berlin zog Vertreter aus aller Herren Länder an, die sich Absatzmärkte in Deutschland versprechen. Deutsche Landwirte hatten im Vorfeld die Messe mit gemischten Gefühlen betrachtet. „Sie befürchten Anfeindungen gegen den Berufsstand wegen angeblich nicht artgerechter Tierhaltung oder gar eine generelle Stimmungsmache gegen die Haltung von Tieren in der Landwirtschaft“, so berichtet die „Preußische Allgemeine“. Bereits vergangenes Jahr beschwerte sich der Brandenburgische Bauernbund über die unfairen Angriffe auf die Landwirte. Stattdessen müsse sich aber erst in der Gesellschaft etwas ändern, konterte Vorstand Marco Hintze. Der Fleischkonsum in Deutschland hingegen ist seit Jahren konstant, so betont die „PAZ“. Dass die Besucher eher in einer vegetarischen Parallelwelt leben, konnte man der „Berliner Morgenpost“ entnehmen. Die Renner in diesem Jahr waren „Blumenhalle, Tierhalle und Erlebnisbauernhof“.

Von linksalternativen Medien hört man derzeit relativ wenig zur neuen Führungsspitze der Grünen. In der „taz“ schreibt Gereon Asmuth in einem Kommentar über die neue Situation für die Linken in der grünen Partei. Ähnlich wie Sahra Wagenknecht sieht Asmuth die „Doppelrealospitze“ als „ein Bioprodukt für den gehobenen Mittelstand“. Progressive Linke haben es bei den Grünen noch immer schwer. „Wozu soll man dann noch raten – Sozialdemokraten? Nur, wo bleibt die Perspektive für Linke mit Gestaltungswillen? Es ist zum Ins-Gras-Beißen“, so Asmuth desillusioniert. So scheint es, dass die „Neue Linke“ mittlerweile vor dem gleichen Problem steht wie die Rechte vor Gründung der AfD.

Das neue „Dreamteam“ der Grünen ist langsam in den meisten alternativen Medien angekommen. Das protestantische Portal „idea“ frohlockt über die Konfession der neuen Bundesspitze Annalena Baerbock. Diese sei evangelisch-lutherisch. Weiter berichtet „idea“ über Einstellung und Vorstellungen der beiden „Realos“. Habeck wolle vor allem den Ausbau der E-Mobilität steigern und an „1.900 Kirchen und 1.000 Gemeindehäusern Ladestationen für elektrisch betriebene Fahrzeuge einrichten“.

Das letzte Wort

„Herrkenntmich“, Leser von „idea“, besitzt eine gewisse Skepsis gegenüber den neuen Grünen und beschwert sich über die Berichterstattung in der evangelischen Zeitschrift: „Die Überschrift, dass es sich um eine Protestantin handelt, könnte zu einer deutlichen Begriffsentleerung verleiten. Oder sind heute alle Protestanten so? Kleine Weltverbesserer mit maschinentauglicher Ethik und völliger Verbindungslosigkeit zu ihrem Schöpfer und Retter?“

„Epoch Times“: „Union und SPD einig beim Familiennachzug – Kontingent von 1.000 Menschen ab August“

„Junge Freiheit“: „Union und SPD einigen sich beim Familiennachzug“

„Jouwatch“: „Unsere Kinder und Enkelkinder werden uns unser Versagen nicht danken“

„Philosophia Perennis“: „Das Ende der Volksparteien: CDU und SPD laufen die Mitglieder davon“

„Compact Online“: „Frauen-Demo in Kandel Riesenerfolg – ein Weckruf für den Westen?“

Vera Lengsfeld: „Erfolgreicher Protest in Kandel – Das ist erst der Anfang!“

„Preußische Allgemeine Zeitung“: „‚Die denken, sie sind im Zoo‘“

„Berliner Morgenpost“: „Grüne-Woche-Bilanz: 400.000 Menschen besuchen die Messe“

„idea“: „Die neue Vorsitzende Baerbock ist Protestantin“

„taz“: „Es ist zum Ins-Gras-Beißen“

Zusammenstellung: Florian Müller


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