22. Januar 2018

Alternative Presseschau Internationales. Armut. Zeitenwende.

Jüngere Generation in prekären Verhältnissen

von Redaktion Presseschau

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Bildquelle: shutterstock Vom Westen nicht kritisiert: Indische Bombe

Rund um den Globus ist einiges geschehen, und auch die alternativen Medien berichten. Fokus ist unter anderem die Armut. Im Feuilleton diskutiert man über „rechte“ Lektüre. Auch ein Blick in die nächsten Jahrzehnte wird gewagt.

Internationales: Atomwaffen, Akademikerball und Aggressoren

Marco Maier berichtet im „Contra-Magazin“ über Indiens erfolgreichen Test einer Atomrakete. Laut indischem Verteidigungsministerium lief der Test einer „Agni-V-Rakete“ im östlichen Bundesstaat Odisha wie geplant. Die moderne Langstreckenrakete könne auch andere Kontinente erreichen, so das „Contra-Magazin“. Maier betont auch, dass im Gegensatz zu den nordkoreanischen Tests die Regierung keinerlei Sanktionen seitens der internationalen Staatengemeinschaft zu erwarten habe. Die indischen Raketen richten sich im Fall der Fälle gegen Pakistan und China, die vom Westen beide als Bedrohung wahrgenommen werden.

Ganz so stark ist die europäische Linke noch nicht bewaffnet. Dennoch rüsten Linksextremisten aus Österreich und den umliegenden Ländern „für die nächste Gewaltorgie auf“, wie die österreichische Zeitschrift „Zur Zeit“ berichtet. Eine Woche vor Beginn des Wiener Akademikerballs rechnet Polizeipräsident Pürstl mit einer „deutlich höheren Gewaltbereitschaft“. Nach Recherche von „Zur Zeit“ aktiviert die ansässige Linke Verbündete aus Italien, der Slowakei, Tschechien und Deutschland. Insbesondere in der Hamburger Szene hoffe man auf Unterstützung. Die Linksextremisten werden von der Mainstreampresse noch immer als „Autonome“ bezeichnet, wie „Zur Zeit“ betont.

In der linken Zeitschrift „Junge Welt“ schreibt Autor Reinhard Lauterbach über die Entwicklungen auf der Krim. Nach mehrtägiger Debatte sei im Kiewer Parlament ein Gesetz verabschiedet worden, das Russland als „Aggressorstaat“ einordne. Trotz reger Proteste seitens rechter und gemäßigter Kräfte wurde das Gesetz von einer breiten Mehrheit getragen. Unter anderem betrachtet man die Besetzung des Donbass als „Okkupation“ und verlangt von Russland die vollständige Übernahme der Kosten. In den „Volksrepubliken“ wertet man das „deklarative Gesetz“ dahingehend, dass „alle Zeichen auf Krieg“ stünden.

In Tunesien gab es am 14. Januar gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Protestierenden, wie „Jungle World“ berichtet. In der Hauptstadt hatten sich über 1.000 Demonstranten eingefunden, um gegen die Regierung und die damit verbundene Verarmung durch eine Austeritätspolitik zu demonstrieren. Sieben Jahre nach dem Sturz des Machthabers Ben Ali habe sich die Situation nicht gebessert. Zuletzt wurde die Mehrwertsteuer um einen Prozentpunkt erhöht. Die Unruhen breiteten sich in weite Teile des Landes aus. Über 900 Protestierende mussten zeitweilig in Untersuchungshaft. Die islamistische Partei al-Nahda richtete sich gegen jede Form von Anarchie, die Staat und Eigentum angriffen, wie Autor Bernd Baier betont.

Armut: Linke Politik gegen linke Politik?

Auch in Deutschland ist die Linke mit der geplanten Sozialpolitik unzufrieden. Die sozialistische Wochenzeitung „Unsere Zeit“ kritisiert das aktuelle Sondierungspapier zwischen SPD und Union. Das Papier sei „fast durchgängig im Konjunktiv geschrieben“, so Autor Herbert Becker. Einzig und allein bei den Punkten „Sicherheitspolitik“ und „Modernisierung der Streitkräfte“ seien die Absichten bereits ausformuliert. Man plane einen „Pakt für den Rechtsstaat“, der 15.000 neue Stellen schaffen soll. Was mit den anfallenden Überschüssen der nächsten Jahre passieren wird, ist bisher unbekannt. „Unsere Zeit“ schreibt: „Bürgerinnen und Bürger könnten ja auf den Gedanken kommen, mit diesen aus Steuern und Abgaben gewonnenen Milliarden soziale Probleme wie Altersarmut, Kinderelend, asoziale Miet- und Wohnverhältnisse, prekäre und unsichere Arbeitsverhältnisse anzupacken.“ Der Text des Sondierungspapiers sei unter anderem von den Vorgaben großer Industrieverbände abgeschrieben, deren Vorstellung es sei, „qualifizierte internationale Fachkräfte ins Land zu holen“.

Dass eine dezidiert linke Politik trotzdem nicht die Lösung der Probleme sein kann, zeigt der „Fall Bremen“. Bastian Behrens berichtet in der „Jungen Freiheit“ über den Niedergang der Weserstadt. Seit dem Kriegsende haben Sozialdemokraten die Hafenstadt regiert. Mit einer „verheerenden Bilanz“. Mittlerweile schlage die Wirtschaft Alarm, da nicht genügend Arbeitnehmer in die Stadt kämen. Vor allem junge Familien blieben fern. Mittlerweile werbe das führende Raumfahrtunternehmen ohne Standortangabe des Arbeitsplatzes, so die „Junge Freiheit“. Nach der stolzen Vergangenheit als freie Hansestadt „ist Bremen nun ein totaler Sanierungsfall: pleite, ungebildet, kriminell und ohne Wohnbauflächen für junge Familien“.

Zeitenwende: Rechts, konservativ, progressiv

Das Gegenteil eines Linken ist Simon Strauß. Zumindest wenn es nach den sozialistischen Feuilletons geht. Diese hatten den Sohn des Dichters Botho Strauß als „Wegbereiter der Rechten“ eingeordnet. Ellen Kositza greift die Vorwürfe in der „Sezession“ auf und verweist auf ihre Rezension des Romans „Sieben Nächte“. Strauß‘ Prosa sei „ein vital-poetisches Manifest, selbst wenn hier nichts manifestiert wird, sondern mit Wucht eine Lücke kenntlich wird: Die einzige Sehnsucht, die trägt, ist die nach dem schlagenden Herzen.“

In der Onlinezeitung „Blaue Narzisse“ schreibt der Amerikaner Paul Gottfried über Rolf Peter Sieferles „Epochenwechsel“. Sieferle setze zwar die synthetischen Denkmuster Hegels ein, verfalle aber bereits in seinem 1994 veröffentlichten Werk in einen „tiefen Pessimismus“. Gottfried betont, dass sich Sieferle gegen die festgefahrenen und entfremdeten Begrifflichkeiten wie „konservativ“ oder „liberal“ stellt, und betont, dass erst der Untergang des Konservatismus den individuumsfeindlichen Kräften, dem Sozialismus und dem Nationalismus, den Aufstieg ermöglichte.

Auf den „Nachdenkseiten“ schreibt Jens Berger über die schleichenden Entwicklungen in Deutschland und vergleicht die 80er mit der aktuellen Situation. Früher konnte man selbst als Arbeiterkind in bescheidenem Wohlstand leben, während heute selbst Akademiker nicht immer über die Grundsicherung kämen. Gerade die jüngere Generation hangele sich von einem befristeten Job zum nächsten, habe kaum Zeit, eine Familie oder etwas Eigenes aufzubauen, und müsse sich in jungen Jahren schon mit der Alterssicherung auseinandersetzen. Für Berger ist diese Entwicklung kein „Ergebnis der Globalisierung oder der Digitalisierung“, sondern politisch gewollt.

„Contra-Magazin“: „Indien testet erfolgreich Atomrakete“

„Zur Zeit“: „Linksextreme rüsten zur Gewaltorgie gegen den Akademikerball“

„Junge Welt“: „Schuss gegen Donbass“

„Jungle World“: „Die Rückkehr der Flammen“

„Unsere Zeit“: „Sozialpolitik im Konjunktiv“

„Junge Freiheit“: „Bremer Politik schreckt Arbeitnehmer mit Kindern ab“

„Sezession“: „Wie rechts ist Simon Strauß?“

„Blaue Narzisse“: „Sieferle: Epochenwechsel (I)“

„Nachdenkseiten“: „‚Uns geht es doch gut‘ – Zeit für eine subjektivere Sicht“

Zusammenstellung: Florian Müller


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