08. Januar 2018

Alternative Presseschau Halbneger. Maas. Neubürger.

Was ist denn nun politisch korrekt?

von Redaktion Presseschau

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Bildquelle: shutterstock Ratlosigkeit über korrekte Bezeichnung: „Halbneger“

Vor allem der „Twitterskandal“ zwischen Noah Becker und Jens Maier und die andauernd auftretenden Einzelfälle bewegten die alternativen Medien. Auch einige Stimmen zum „NetzDG“ schallten aus dem alternativen Blätterwald.

Halbneger: Zwischen Meinungsfreiheit, Volksverhetzung und ganz normalen Internetbeleidigungen

In der rechtsintellektuellen Zeitschrift „Sezession“ schreibt Johannes Konstantin Poensgens über die „Causa Jens Maier“ und die linke Diskurshoheit. Noch immer glauben die Rechten, sich den medialen und sprachlichen Tabus der Linken unterordnen zu müssen, konstatiert Poensgens. Es sei allerdings nicht die Aufgabe eines älteren AfD-Abgeordneten, sich in jugendlicher Manier auf Twitter zu duellieren. Trotzdem fehle es der Rechten an Provokation und Jugendsprache. Man solle schon „in der Wortwahl gegen die Moral der Bionade-Eltern verstoßen“.

Auch in der konservativen Zeitschrift „Junge Freiheit“ berichtet Lukas Steinwandter über den „Maier-Tweet“. Mittlerweile seien auch andere Tweets von AfD-Politikern dem neu implementierten „Netzwerkdurchsetzungsgesetz“ zum Opfer gefallen. Steinwandter betont die Kritik von AfD-Führung und Basis am Tweet Jens Maiers, stellt aber auch klar, dass Noah Becker in einem Interview anmerkte, dass „Berlin im Vergleich zu London oder Paris eine weiße Stadt sei“.

Wolfgang Hübner stellt sich auf „PI-News“ gegen die Wortwahl des Abgeordneten Maier. Es sei selbstverständlich für Deutschland, wieviel Empörung eine unqualifizierte Äußerung mit sich bringe. Hübner fordert, dass die Patrioten sich nicht auf rassistisches Glatteis begeben sollen, zumal „es künftig sehr viel mehr Menschen in Deutschland geben wird, die keine rein weiße Hautfarbe mehr haben“. Gestritten werden muss „mit klarer Kante und spitzem Degen“.

Maas: Die Revolution zensiert ihre Väter

Auf „Tichys Einblick“ wird über die Twitter-Eskapaden des Justizministers Heiko Maas berichtet. Nachdem ein ehemaliger Tweet über den „Idioten Sarrazin“ gelöscht wurde, beleuchtet die Redaktion die ehemaligen Statements des saarländischen Kabinettsmitglieds. In den letzten Jahren äußerte sich Maas auf dem Kurznachrichtendienst über Klimawandel und Kachelmann, Pressefreiheit und Vorratsdatenspeicherung – teilweise mit widersprüchlichen Inhalten.

Maas wurde auch vom Portal „Jouwatch“ heftig kritisiert. Thomas Böhm schreibt kritisch: „Seit der ‚Satansbraten‘ Heiko Maas in der Tradition des Dritten Reiches und der Stasi-DDR bei der Meinungsbildung herumpfuscht und die Meinungsfreiheit abgeschafft hat, verkommt die eigentlich tolle Idee zu einem staatlich kontrollierten Stammtisch.“ Insgesamt gibt sich Böhm allerdings positiv. Die Kriminalisierung von Emotionen wie Hass und die Zensur von Sprache seien „die letzten Zuckungen einer untergehenden linken Dynastie, die aber zur Zeit gewaltig reihenweise renitente Schädel zertrümmert“.

Neubürger: Patrioten, Einzelfälle und Statistik

Auch die kürzlich zurückliegenden Messerattacken wehten noch immer nach. Auf „Compact Online“ berichtet Tino Perlick über eine Anzeige eines Bürgers gegenüber Abdul D., der seine Freundin Mia am 27. Dezember tötete. Nicht nur die Altersdebatte von Flüchtlingen wurde neu entfacht, sondern auch die festgelegten Strafmaße. Der Haftrichter erließ Haftbefehl wegen Totschlags. Der unbekannte Anzeigenersteller verwies allerdings auf ein klares Mordmotiv, wie Perlick weiter schreibt.

Ebenfalls auf „Jouwatch“ kritisiert Wolfgang Hübner den „Import der falschen Söhne“, die die „verhinderten und abgetöteten Söhne Deutschlands“ nicht ersetzen können. „Die Beziehung dieser jungen Männer zu Deutschland hat also von Anfang an einen schweren Makel für beide Seiten“, schreibt Hübner. Das Staatsversagen könne man mit guten Gründen mittlerweile als Staatsverbrechen werten. Auch die Debatte um die medizinische Feststellung der Alters lenke nur von der Klärung der politischen Verantwortung ab.

Auf dem Blog „Achse des Guten“ schreibt Ulli Kulke über die Statistik des niedersächsischen Kriminologen Christian Pfeiffer. Dieser hatte zuvor statistisch nachgewiesen, dass durch die Flüchtlinge die Kriminalitätsrate deutlich steige. Während die Kriminalitätsrate der Einheimischen leicht zurückgegangen sei, sei der Gesamtanstieg nur auf zugewanderte Menschen zurückzuführen. Kulke betont die Diskrepanz zwischen gesellschaftlicher Wahrnehmung und medialer Wahrheit der letzten Jahre: „Seit Beginn der Flüchtlingskrise galt es als heilige Weisheit, dass Flüchtlinge in keinem Fall überproportional an der Gewaltkriminalität im Land beteiligt sind. Niemals.“ Für Kulke ist die Sache für die Mainstreammedien „an Peinlichkeit kaum zu überbieten“. Es wirkt so, als würden die Fakten dem „gesunden Volksempfinden“ nachlaufen. Die Medien, insbesondere mit den aktuellen relativierenden Behauptungen, lernten daraus allerdings noch nichts.

Relativierende Behauptungen konnte man seitens der linksalternativen Medien jedoch noch nicht finden. Stattdessen suhlt sich die „Junge Welt“ im Safte verspäteter „Kominterns“. Die staatlich subventionierte 23. Rosa-Luxemburg-Konferenz steht „ganz im Zeichen der internationalen Solidarität“, so die genossenschaftliche Zeitung aus Berlin. Ein passendes Bild zum Artikel fand die Redaktion leider nicht. Aus dem Foto (2015) des Berichts schreien einem ausschließlich schneeweiße Europäer entgegen, die bis auf lange Haare und Antifa-Kleidung auch vom Jahresparteitag der NPD stammen könnten. Nur Noah Becker weiß, woher die Hauptstadt so viele Weiße herbekommen hat.

Das letzte Wort

In den Kommentarspalten verbindet „Cendrillon“ auf „PI-News“ die heutigen Themen Zensur, Medienkrieg und Zuwanderung mit einer gehörigen Portion Ratlosigkeit: „Auch das Wort ‚Farbiger‘ gilt mittlerweile als politisch inkorrekt. Noch vor wenigen Jahrzehnten war ‚Farbiger‘ die Standardformulierung in den deutschen Medien zum Beispiel wenn es um hust ‚Rassenunruhen‘ hust hust in den USA ging. Was darf man denn jetzt noch sagen als Bezeichner für einen bestimmten Genotyp oder Phänotyp? ‚Mulatte‘ geht nicht, ‚Mischling‘ geht überhaupt nicht. Wenigstens darf man noch ‚Eurasier‘ oder ‚Eurasierin‘ sagen.“

„Sezession“: „Jens Meier und Noah Becker“

„Junge Freiheit“: „‚Halbneger‘-Aussage sorgt für Streit in AfD“

„PI-News“: „‚Halbneger‘ ist kein Wort für Patrioten“

„Tichys Einblick“: „Heiko Maas und die Meinungsfreiheit, anno domini“

„Jouwatch“: „Zeigt den ‚asozialen Netzwerken‘ endlich den Stinkefinger!“

„Compact Online“: „Kandel: Bürger erstattet Anzeige wegen Mordes gegen Abdul D.“

„Jouwatch“: „Lebensgefährliches Staatsversagen: Der Import der falschen Söhne“

„Achse des Guten“: „Volksempfinden wird Statistik – und die Medien gehen baden“

„Junge Welt“: „Wer, wenn nicht wir?“

Zusammenstellung: Florian Müller


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