29. Dezember 2017

Alternative Presseschau Jesus. Duden. Donald.

Fast ganz im Zeichen von Weihnachten

von Redaktion eigentümlich frei

Artikelbild
Bildquelle: shutterstock Kamen nicht als Flüchtlinge: Maria und Josef

Auch über die Feiertage stand die Welt nicht still. Obwohl viele Redaktionen in die wohlverdiente Jahrespause gingen, schrieb die alternative Presse ganz im Zeichen von Weihnachten. Daneben gab es zahlreiche kleinere Meldungen, unter anderem über die Gender-Kampagne des Duden und Donald Trumps angebliche Fehltritte.

Jesus: Stinkende Köpfe und linke Bibelkenner

Auf „PI-News“ beschwert sich „Selberdenker“ über die Indoktrination der Kirchen zum heiligen Fest: „Im Zentrum des Krippenspiels stand nicht das freudige Ereignis der Geburt Jesu, sondern die Hartherzigkeit der Menschen gegenüber ‚Flüchtlingen‘, womit natürlich alle gemeint waren, die sich gerade aus allen möglichen Ländern und aus allen möglichen Gründen ins deutsche Versorgungsgebiet aufgemacht oder bereits bewegt haben.“ Aus diesem Grund blieben immer mehr Christen zu Hause. Das Problem seien aber nicht nur „einzelne selbstgerechte Laberpfaffen“, sondern die „enge Verquickung aus Kirche, Politik, Medien und Hochschulen“. „Selberdenker“ beschreibt dies mit den Worten: „Der Fisch stinkt vom Kopf her“, erwähnt allerdings mit keinem Wort die Weihnachtsmesse des katholischen Oberhauptes.

Im Gegensatz dazu kritisiert Michael Steiner im „Contra-Magazin“ den alten Mann in Rom und seine diesjährige Weihnachtsmette direkt. Papst Franziskus vergleiche die heutigen Migranten mit Josef und Maria. „Wir sehen die Spuren von Millionen Menschen, die nicht freiwillig gehen, sondern gezwungen sind, sich von ihren Lieben zu trennen, weil sie aus ihrem Land vertrieben werden“, so der Papst bei seiner traditionellen Andacht. Steiner verweist im Gegenzug auf die Christenverfolgung in den Heimatländern der Migranten und warnt vor der Entwicklung des Islam.

Marcus Franz schreibt auf „Philosophia perennis“ über die politische Fehldeutung der Geburt von Jesus Christus. Regelmäßig werde behauptet, dass Josef und seine Familie auf der Flucht gewesen seien. Insbesondere die „linken Kirchenkritiker“ werden gegen Ende des Jahres „plötzlich zu Bibelspezialisten und beherrschen scheinbar die Exegese der Heiligen Schrift“, so Franz in seinem Gastartikel. Das offizielle Weihnachtsevangelium von Lukas beschreibe deutlich die Unterschiede zur heutigen Massenmigration. Maria und Josef befanden sich auf dem Weg zu einer von Kaiser Augustus angeordneten Volkszählung. Auch in der Version des Evangelisten Matthäus finden sich nur wenige Parallelen zur modernen Migration und Flucht. Josef floh zwar nach Ägypten, tat dies allerdings im Zeichen einer konkreten Bedrohung durch den König Herodes. Nach dem Tod des Herodes, betont Marcus Franz, kehrten Maria und Josef in ihre alte Heimat zurück.

Kath.net schreibt hauptsächlich über den religiösen Inhalt der Weihnachtsansprache ihres obersten Hirten. Wichtig sei vor allem, dass Jesus weiterhin im Mittelpunkt des Festes stehe. Ohne den Messias bleibe nur etwas Äußerliches, das mit der Zeit in sich zusammenfalle.

Auch die deutschen Pilger grüßte Franziskus mit den Worten: „Ach könnte nur dein Herz zu einer Krippe werden / Gott würde noch einmal ein Kind auf dieser Erden“, so das katholische Nachrichtenportal weiter.

Doch kommen nicht nur versöhnliche Töne aus dem katholischen Lager. Kath.net berichtet ebenfalls über die Weihnachtsansprache des tschechischen Ministerpräsidenten Miloš Zeman, der sich vorkomme wie „Kassandra, die vor dem trojanischen Pferd warne“. Zeman geht davon aus, dass es sich bei der aktuellen Migrationsbewegung um eine gesteuerte Invasion handele, und sprach sich gegen eine Aufnahme von jungen Männern aus Syrien aus.

Seitens des evangelischen Nachrichtenportals „idea“ wird ebenfalls die Politisierung der Christmette aufgegriffen. Dabei zitiert „idea“ den Chefredakteur der „Welt“, Ulf Poschardt, der die weihnachtliche Predigt scharf angriff und fragte: „Wer soll eigentlich noch freiwillig in eine Christmette gehen, wenn er am Ende der Predigt denkt, er hat einen Abend bei den Jusos beziehungsweise der Grünen Jugend verbracht?“ Auch äußerten sich viele evangelische Würdenträger skeptisch über das Niveau des Stundengebetes. Auf Anfrage von „idea“ gab der Theologe Prof. Reinhard Schmidt-Rost an, dass viele Prediger „die Hörer seit langem intellektuell unterfordern“. Auch müssten Predigten „unabhängig von politischen Positionen“ sein.

Seitens der linksalternativen Medien vernimmt man bisher keine Stimmen zum Weihnachtsfest. Ob diese noch ihre verdienten christlichen Feiertage genießen, die sie eigentlich abschaffen wollen, oder noch immer mit der alljährlichen Bibelexegese beschäftigt sind, ist der Redaktion nicht bekannt.

Duden: Einheitliche Schreibweise der uneinheitlichen Geschlechter

Auf harsche Kritik stößt eine Sonderausgabe des Duden über das „richtige Gendern“. Auf „Tichys Einblick“ nimmt Josef Kraus die neue Sprachentwicklung aufs Korn, die sich in den Mantel des Notwendigen kleidet. Kraus fasst zusammen: „Was ist von den 120 Seiten zu halten? Ganz einfach: Dieser ‚Duden‘ ist so überflüssig, wie es die Rechtschreibreform war.“

Auch auf dem Berliner Querfront-Magazin „Compact Online“ schießt man gegen die Genderausgabe des Duden. Der Autor V. Berger schreibt: „Geht es Ihnen nicht auch furchtbar auf den Keks, dass jeder gendert, wie es ihm beliebt: Binnen-I, Sternchen, Que(e)rstrich oder -x, und so weiter. Damit ist jetzt Schluss! Nein, nicht mit dem Genderschwachsinn, sondern mit den verschiedenen Schreibweisen.“

Donald: Trumps Weihnachtsgeschenke an den Mainstream

Der US-amerikanische Präsident Donald Trump sorgte auch über die Weihnachtstage für Schlagzeilen. Erneut wurde der Einreisestopp der US-Regierung von einem Bundesgericht kassiert. „Russia Today“ berichtet über die Aufhebung des Dekrets durch einen Bundesrichter aus Seattle und bleibt ungewohnt sachlich.

Trump äußerte sich zudem auf dem Kurznachrichtendienst Twitter: „Die Leute sind wieder stolz darauf, Frohe Weihnachten zu sagen“ und stieß prompt auf Kritik, wie Marilla Slominski auf „Jouwatch“ berichtet. Die amerikanische Linke und insbesondere die Multikulti-Anhänger griffen den 45. Präsidenten der USA scharf an. Gerade aus dem Lager der amerikanischen Intellektuellen glaubte man Trump durchschaut zu haben. Dieser wolle Weihnachten für seine politischen Zwecke instrumentalisieren und klarmachen, dass die USA eigentlich weißen Christen gehörten, so diverse Professoren und Trump-Experten. Auch ein Hitler-Vergleich blieb nicht aus, wie Slominski herausstellt.

Das letzte Wort

Auch „nush la cheffe“ kritisiert in den Kommentarspalten von „Jouwatch“ die selbsternannten Experten in den Staaten, gibt ihnen aber zugleich einen Tipp mit auf den Weg: „Hätte man lieber auf die Erwähnung von ‚weiße Weihnacht‘ gewartet; da wäre Rassismus und Klima dabei gewesen! Aber ja, nächstes Mal vielleicht. Spinner.“

„PI-News“: „Maria, Josef und – die Flüchtlinge“

„Contra-Magazin“: „Papst vergleicht Josef und Maria mit Migranten von heute“

„Philosophia perennis“: „Missbrauch des Christentums: Jesus war kein Flüchtlingskind“

„Kath.net“: „Die Bedeutung von Weihnachten und die Gefahr der Entstellung“

„Kath.net“: „Keine spontane Fluchtbewegung, sondern eine gezielte Invasion“

„idea“: „Weihnachtspredigten gleichen Debatten der Grünen“

„Tichys Einblick“: „Neues Duden-Machwerk: ‚Richtig gendern‘“

„Compact“: „‚Richtig gendern‘ mit neuem Duden“

„Russia Today Deutschland“: „US-Gericht erklärt Donald Trumps Einreisebeschränkungen für teils unzulässig“

„Jouwatch“: „Trumps Weihnachtsbotschaft für die Vorherrschaft des weißen Mannes?“

Zusammenstellung: Florian Müller


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Dossier: Alternative Presseschau

Mehr von Redaktion eigentümlich frei

Über Redaktion eigentümlich frei

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige