21. November 2017

Veruntreuung beim Roten Kreuz Betrugsfälle während der Ebola-Epidemie

Das Virus ist kontrollierbar

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Bildquelle: shutterstock Verbreitet sich dort, wo Missmanagement herrscht: Ebola-Virus

Die Internationale Föderation des Roten Kreuzes und Roten Halbmondes (IFRK) in Genf hat mitgeteilt, dass bei der Bekämpfung der Ebola-Epidemie in Liberia, Guinea und Sierra Leone (Westafrika) 2014 und 2015 sechs Millionen Franken (circa fünf Millionen Euro) veruntreut wurden, die eigentlich für den Kampf gegen die Seuche eingesetzt werden sollten. Dies brachte eine Buchprüfung zutage, bei der betrügerische Absprachen zwischen ehemaligen Mitarbeitern und Angestellten einer Bank in Sierra Leone festgestellt wurden.

So gingen 2,1 Millionen Franken verloren. In Guinea kam es bei einem Zoll-Dienstleister zu einem Unterschleif von 1,2 Millionen Franken. Auch in Liberia verschwanden durch überhöhte Rechnungen für Hilfsgüter und überhöhte Personalkosten 2,7 Millionen Franken. Transparency International hatte das Rote Kreuz aufgefordert, Prüfungsberichte zur Ebola-Krise öffentlich zu machen. Das IFRK ist laut einer Sprecherin schockiert über die Betrugsfälle, will die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen und künftig verstärkt gegen Korruption vorgehen.

Bei der bisher größten Ebola-Epidemie starben in den drei Staaten mehr als 11.000 Menschen. Hintergrund: Ebola ist eine Infektionskrankheit. Der Name geht auf den Fluss Ebola im Kongo (Kinshasa) zurück, in dessen Nähe 1976 der erste Ausbruch des Fiebers bekannt wurde. Weltweit Aufmerksamkeit wurde Ebola durch den Ausbruch in Guinea, Sierra Leone und Liberia zuteil. Zu Beginn des Ausbruchs im Dezember 2013 wurde die Krankheit in Guinea mangels medizinischer Einrichtungen nicht diagnostiziert und wurde durch lokale Behörden heruntergespielt. Erst im März 2014 hat Guinea den Ebola-Ausbruch gemeldet. Das Virus konnte sich nach Liberia, Sierra Leone und Nigeria ausbreiten.

Am 8. September 2014 – also über acht Monate nachdem alles begonnen hatte – befassten sich die afrikanischen Außenminister in Addis Abeba erstmals mit den Auswirkungen von Ebola, und Ende Oktober hat sich Nkosazana Dlamini-Zuma, damalige Kommissionsvorsitzende der Afrikanischen Union, zu einer Reise in die Region aufgerafft. Mehr als 28.000 Menschen hatten sich infiziert, mehr als 11.000 sind gestorben. Vor allem mit Hilfe von Ärzte ohne Grenzen wurde die Epidemie eingedämmt.

Irrationale Ängste gegen westliche Medizin

Informationen für das medizinische Personal und Strategien zur Bekämpfung von früheren Ebola-Ausbrüchen in Uganda und im Kongo wurden, wie das Fachmagazin „The Lancet“ berichtete, nicht genutzt. Die Geringschätzung der eigenen Gesundheits- und Bildungssysteme in diesen Ländern bremst die wirtschaftliche und soziale Entwicklung und hat zur Katastrophe geführt. Es geht auch anders: Weil die Ugander ihrem Gesundheitssystem vertrauen, ist die Bevölkerung gut informiert und kooperierte bei dem letzten Ausbruch 2012 mit den medizinischen Einrichtungen.

In Westafrika und auch in Zentralafrika (Kongo) konnte sich Ebola verbreiten, weil in diesen Ländern politisches und soziales Missmanagement sowie irrationale Ängste gegen westliche Medizin vorherrschen. Außerdem fehlt eine disziplinierte Seuchenhygiene. Die Bekämpfung der Seuche ist sehr schwierig, weil sich die Menschen nicht an die überall verbreiteten Warnungen halten. Wegen des geringen Vertrauens der Bevölkerung in ihre Machthaber gibt es in den betroffenen Ländern zudem den strengen Geruch der Verschwörung. Sie vermuten, dass die Infektionskrankheit eine Erfindung ihrer Regierung (oder gar westlicher Ärzte) ist. Sie glauben an eine billige Finte ihrer Machthaber, mit deren Hilfe diese an die zuletzt nicht mehr so üppig sprudelnden Hilfsgelder zu kommen hofften.

Neun Helfer und Journalisten wurden in Nzérékoré in Guinea ermordet, weil viele Menschen glauben, dass diese die Krankheit erst verbreiten oder die Organe der Toten stehlen. Das Ebola-Virus steckt vor allem im Fleisch von afrikanischen Wildtieren (Bushmeat). Bushmeat ist Fleisch von Flughunden, Fledermäusen, kleinen Antilopen, Ratten, Affen, Stachelschweinen sowie Reptilien.

Nigeria und der Senegal verhinderten das Schlimmste

Nigeria und der Senegal haben bewiesen, dass das Virus kontrollierbar ist. Der Senegal ist eine der stabilsten Demokratien in Afrika. Mit der Wahl von Macky Sall hat der Senegal wieder einen Präsidenten, der die Probleme im Bereich Bildung und Gesundheit anpackt und ernsthaft lösen will. Auch der Gouverneur von Lagos gilt bei vielen Nigerianern als einer der wenigen Politiker, die sich mehr um das Gemeinwohl als um die eigenen Finanzen sorgen.

Während die Politiker in Guinea, Sierra Leone und vor allem Liberia monatelang noch untätig blieben, lief in Nigeria und dem Senegal eine rasche Aufklärungskampagne in den Medien, vor allem im Rundfunk. Entscheidend für die Kontrolle über den Ausbruch war dort eine direkte Trennung von Verdachtsfällen, von bestätigten Ebola-Patienten und nicht mit Ebola infizierten Personen. Nur so konnte eine weitere Ausbreitung des Virus verhindert werden. Die Eliten in diesen beiden Ländern haben gezeigt, dass man selbst aktiv werden kann und nicht nur auf Hilfe warten sollte.

Ich habe großen Respekt vor der Transparenz des Roten Kreuzes. Da es wahrscheinlich ist, dass auch andere Organisationen Opfer ähnlicher Korruptionsfälle geworden sind, sollten diese ebenfalls ihre Prüfungsberichte veröffentlichen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der „Achse des Guten“.


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