15. November 2017

„Der Klimareport“ im Ersten Täuschen, tricksen, Bauernfänger

Das Lückenmedium ARD und seine willigen Vollstrecker

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Bildquelle: shutterstock Umgang mit unerwünschten Meinungen: Herausgeschnitten

Das Erste will einen Film zur UN-Klimakonferenz in Bonn machen, der auch die Klimarealisten ausführlicher zu Wort kommen lässt. Zu diesem Zweck wird ein knapp zweistündiges Interview mit dem Autor geführt. Zu sehen und zu hören ist im fertigen Film davon fast nichts, stattdessen zeigt die Redakteurin Katja Sodomann unverblümte Propaganda.

Am 17. August 2017 besuchte mich die feste freie Redakteurin des hr-Fernsehens Katja Sodomann mit einem Kameramann, um ein vorher vereinbartes Interview mit einem ausgewiesenen Klimarealisten wie mir zu führen. Das Interview wurde in meinem Büro geführt und dauerte mit all den Aufnahmen knapp zwei Stunden. Es wurde in vertrauensvoller und freundlicher Atmosphäre geführt. Fragen, Antworten und viele Argumente wurde ausgiebig begründet, diskutiert, Pro und Kontra ordentlich und gründlich gegeneinander abgewogen. Und alles aufgezeichnet.

Das Interview selber war auf Bitte von Sodomann zustandegekommen, die – wie sie mir anfangs erklärte – ein 45-Minuten-Feature plante, mit vier Gesprächspartnern zum Thema Klimawandel, von denen jeder circa zehn Minuten zur Verfügung haben sollte. Das Feature sollte kurz vor der Bonner Klimakonferenz im ARD-Fernsehen ausgestrahlt werden.

Das Video ist jetzt auch bei Youtube online erschienen. Unten der Link. Mit Dank an Freak AKid. Hinweis: Es lohnt nicht, es anzuschauen.

Die Redaktion sei mit dem Konzept einverstanden, beschied Sodomann mich noch kurz vor dem Interviewtermin. Ich hatte ihr gegenüber nämlich zuvor meine Zweifel geäußert, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Deutschland einen ausgewiesenen Klimarealisten wie mich so ausführlich zu Wort kommen lassen würde, aber sie verstand es, meine diesbezüglichen Zweifel zu zerstreuen. Nach dem Interview schieden wir im besten Einvernehmen. Soweit, so normal, dachte ich und ging wieder meinen üblichen Aufgaben nach.

Es wurde Zeit, nachzufragen

Die Zeit ging dahin, und langsam begann die offizielle Propagandamaschinerie zur Vorbereitung der Bonner Klimakonferenz Fahrt aufzunehmen. Nun hörten und sahen wir täglich Katastrophenparolen zum Klima. Das erinnerte mich an den Film, das Interview und den noch offenen Sendetermin. Also fragte ich Frau Sodomann per Mail an, wann der Film denn auf Sendung gehe. Der 6. November 2017 sei geplant, antwortete sie mir.

Zeitgleich hatte das hr-Fernsehen eine Vorabankündigung des Streifens ins Netz gestellt, dessen Inhalt nichts Gutes ahnen ließ. Auf meine Rückfragen bei Frau Sodomann kam allerlei Beschwichtigendes und mehrmals der Hinweis auf eine noch nicht erfolgte „Endabnahme“. Und, ja, hieß es, die Passagen mit mir seien nach wie vor Teil des Films und nicht herausgeschnitten worden.

Und dann kam der endgültige Film. Zunächst als Online-Version, dann als TV-Story im Ersten am Abend des 6. November 2017.

Der fertige Film ist nur ein übler Propagandastreifen

Und es verschlug mir die Sprache. Was dort zu sehen ist, hätte Karl-Eduard von Schnitzler selig, der begnadete Propagandist und Märchenerzähler vom weiland DDR-Fernsehen, nicht besser hinbekommen. Alles in allem zeigt uns das Erste – mal wieder, darf man hinzufügen – einen üblen Propagandastreifen pro Klimaschutz und pro Energiewende.

Und natürlich kommen die üblichen Verdächtigen ausführlichst zu Wort. Die Latifs, die Kemferts, die Edenhofers, sogar noch mit jeweiligen Sonderinterviews im Internetauftritt zum Film. Gleich zu Anfang durfte Professor Mojib Latif – allen bekannt als einer der lautstärksten Klimaalarmisten des Landes –, wenn wohl auch eher unfreiwillig, das Motto des Films verkünden: „Argumente für Dumme!“. Genauer hätte es aber heißen müssen: „Argumente zum Dummbleiben!“ Denn genau das war die Absicht des Streifens.

Und dazu durfte auch eine klimaschützende Gutmenschenfamilie namens Steingässer – besorgte Familie macht sich immer gut, es geht ja schließlich immer um die Zukunft der Kinder – mit Wollmützen auf dem Kopf im kalten freiwillig unterbeheizten Haus – denn Verzicht hilft ja immer dem Klima – ihre große Besorgnis ausdrücken. Die Familie ist aber trotzdem so clever, wie so manche es sind, sich ihre ausgedehnten Klimaschutz-Weltreisen mitsamt allen vier Kindern gerne von der Firma Jack Wolfskin bezahlen zu lassen. Auch die Steingässers kamen zigfach und immer anklagend zu Wort.

Darauf von mir angesprochen, dass Jack Wolfskin der sechsköpfigen Familie Steingässer schon öfter mal die Großreisen bezahlt, meinte Frau Sodomann nur, das sei ihr bekannt, aber das ändere ja nichts an deren Zielen. O-Ton Sodomann: „Ja, mir ist bekannt, wie die Reise der Familie finanziert wurde. Die Art der Finanzierung steht aber in keinem Zusammenhang mit dem Ziel der Reise und dem Klimawandel.“

Den Gutmenschen ficht nichts an

Man stelle sich mal vor, einer wie ich hätte sich eine „Forschungsreise“ von Big Oil oder der Braunkohle-Lobby bezahlen lassen! Keiner der Medienschaffenden würde auch nur ein Stück Brot von mir nehmen. Aber das ist ein anderes Thema.

Zurück zum Propagandastreifen und meiner Rolle darin. Das ganze fast zweistündige Interview war nämlich weggefallen, futsch, raus, bis auf wenige Sekunden, in denen ich zu hören und zu sehen bin, gekürzt.

Meine ausführlich begründete Analyse und Darstellung unserer Position wurde krass unterdrückt. Einfach herausgeschnitten. Weg. Was nicht gesagt wird, kann nicht gehört werden. So macht man das, wenn man keine Gegenargumente hat.

Das nenne ich nun eine üble und vorsätzliche Täuschung, unabhängig davon, ob diese Schnitte auf das Konto der Filmverantwortlichen Sodomann gehen oder ihr von irgendwelchen Blockwarten der Redaktion, vielleicht auch von den Kollegen des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung oder sonstwem, aufgezwungen worden waren.

Aber wenn es so gewesen sein sollte, geböte es der normale Anstand, jedenfalls so, wie meine Mutter – eine Kriegerwitwe mit drei Kindern – mich erzogen hat, dass sie sich von diesem üblen Machwerk öffentlich distanziert. Auch wenn dadurch ihr Job vielleicht ernsthaft bedroht wäre. Sie ist ja nur feste freie Redakteurin. Gern würde ich ihr bei einer neuen Aktion #Aufschrei behilflich sein. Doch dazu wird‘s wohl nicht kommen.

Frau Sodomann stahl mir meine Zeit

Da mir Frau Sodomann absprachewidrig meine Zeit gestohlen hatte, sandte ich ihr eine Honorarrechnung über zwei Stunden. Meine Zeit ist nämlich zu wertvoll, um sie mit irgendwelchen Tricksern, und nennen sie sich auch Journalisten, zu verplempern. Wenn schon, dann gegen Honorar.

Zum Film selber ist wenig zu sagen. Es ist der übliche Propagandastreifen der üblichen Verdächtigen, die ihre Sprüche umfassend aufsagen dürfen. Sie werden dadurch nicht wahrer. Aber durch vielfache Wiederholung langsam zur Wahrheit umdefiniert. Der olle Goebbels kannte diesen Trick auch schon.

Und noch eine andere perfide Masche wurde kurz angerissen. Dissidenten werden ja schon mal gerne zu Verrückten, zu psychisch Kranken erklärt. Dann kann man sie vielleicht irgendwann mal wegsperren. Den ersten Ansatz dazu lieferte im Film eine Psychoanalytikerin, Dr. Delaram Habibi-Kohlen, Autorin des ach so wichtigen Aufsatzes: „‚Klimawandel‘ und wieso man sich als Psychoanalytiker damit beschäftigen kann“. Haben diese Leute nichts besseres zu tun? Wer sich da wohl mit wem gesucht und gefunden hat?

Ansonsten gab es nur das übliche Geschwafel vom deutschen Vorreiter, der der Welt mal wieder zeigen müsse, wo es langgeht. Die Naturgesetze werden sie damit nicht ändern, aber um unser Land noch tiefer in das Chaos von Klimaschutz und Energiewende zu steuern, dafür ist dieser Propagandastreifen allemal nützlich.

Warum erinnert mich dieser Film irgendwie an gesunde, bäuerlich lebende und immer fröhliche Menschen, die im vorigen Jahrhundert, glücklich aussehend, lachend und singend ihren gesamten Lebensstil einer wunderbaren Idee unterordneten? Wurden nicht auch darüber ganz tolle Filme gemacht? Wann war das bloß?

Übrigens scheint diese selbst erlebte Heimtücke in Journalistenkreisen durchaus nicht so unüblich zu sein. Erlebte doch mein Kollege Professor Lüdecke mit einer Reporterin der „Süddeutschen“, Dr. Jeanne Rubner, vor einigen Jahren fast dasselbe. Ein Déjà-vu!

Youtube: „Die Story im Ersten – Der Klimareport“

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Seite des Europäischen Instituts für Klima und Energie (EIKE).


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