13. November 2017

Heuchlerisches Engagement für Afrika Bono in Paradise

Entwicklungshilfe als Teil der Unterhaltungsindustrie

Artikelbild
Bildquelle: Frederic Legrand - COMEO / Shutterstock.com Stilisiert sich zum Sprecher für Afrika: Bono

Mit Bono (der eigentlich Paul Davis Hewson heißt) ist die Entwicklungshilfe ein Teil der Unterhaltungsindustrie geworden („Charitainment“). Sie sichert im Westen Zigtausende Arbeitsplätze, zerstört aber dringend benötigte Jobs in weiten Teilen Afrikas. Da werden junge Leute um die Welt geschickt, um Jobs zu erledigen, für die in den betreffenden Ländern genügend Personal zur Verfügung stünde.

Bono spielt sich als Sprecher für Afrika auf und wird auch häufig von westlichen Regierungschefs eingeladen. Vertreter afrikanischer Nichtregierungsorganisationen sieht man dort nicht. Das hat einen einfachen Grund: Sie werden nicht eingeladen. Schließlich hat Bono sich – und das ganz ohne Mandat – selbst zum Sprecher für Afrika auserkoren. Bono ist ein unglaublicher Heuchler.

Er steigert seinen Marktwert mit seinen Dauerkampagnen zur öffentlichen Armutsbekämpfung. Selber leistet er jedoch keinen Beitrag. Seine eigene Steuerlast minimiert er durch sophistizierte Steuermodelle. Bono sind sogar die schon niedrigen Steuern in Irland zu hoch, weshalb er seine Einnahmen über die Niederlande laufen lässt, die Einnahmen von ausländischen Künstlern praktisch nicht besteuern.

Unter der Überschrift „Accessoires der Promis“ schrieben Dirk Maxeiner und Michael Miersch schon im März 2009 in der „Welt“: „Messbar ist (dagegen) der Nutzen, den Gruppenfotos mit afrikanischen Kindern prominenten Künstlern einbringen. Man bleibt im Gespräch und ziert Titelblätter. Ein Schauspieler erzählte uns von einer prominenten Kollegin, die von ihrer Agentin einen Katalog diverser Hilfsorganisationen vorgelegt bekam. Mit der dringenden Bitte, sich endlich eine passende auszusuchen. Es ginge nicht, in der Öffentlichkeit ohne karitatives Engagement dazustehen. Wohltätigkeit und eine tadellose Gesinnung gehören zum unverzichtbaren Zubehör. Sie haben Pelzmantel, roten Porsche und die Villa in Malibu abgelöst. Ohne ein afrikanisches Waisenkind auf dem Arm ist man heute nicht mehr gesellschaftsfähig.“

Wie nicht anders zu erwarten, hat Bono, der sich als „Stimme der Armen in Afrika“ sieht, sein Geld auch in Offshore-Konstrukte gesteckt. Das bringen die sogenannten „Paradise Papers“ ans Licht. Journalisten haben dafür Dokumente aus verschiedenen Steuerparadiesen ausgewertet. Dass Bono mehr Steuergelder für Afrika verlangt, ist bekannt; nicht bekannt ist, dass er jemals aus seinem eigenen Vermögen etwas gespendet hätte. Bezahlen sollen‘s die anderen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der „Achse des Guten“.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Dossier: Entwicklungshilfe

Mehr von Volker Seitz

Über Volker Seitz

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige