11. Oktober 2017

Verspätete Einsichten über das Scheitern von Multikulti Linke Blitzgneißer

Verantwortung wollen die bekehrten Gutmenschen aber nicht übernehmen

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Bildquelle: shutterstock Von Gutmenschen lange übersehen: Koptuchmädchen

„Die Zeit des Wegschauens ist vorbei“, schreibt Hans Rauscher in seiner „Standard“-Kolumne. Die journalistische Edelfeder ist angesichts der „zahlreicher werdenden kleinen Mädchen mit Kopftuch“ aus ihren süßlichen Multikulti-Träumereien gerissen worden. Ja, wo kommen die bloß her, die vielen Kopftuchmädchen, und wer ist dafür verantwortlich, dass sie „nun mal da sind“? Rauscher hat angesichts der vielen kleinen Mädchen mit Kopftuch sein ganz persönliches Damaskus-Erlebnis: „Kein Zweifel, die (muslimische) Zuwanderung wird uns nicht nur im Wahlkampf weiter beschäftigen, sondern auch in den kommenden Jahren und wahrscheinlich Jahrzehnten.“ „Blitzgneißer“ nennt man in Wien solche Leute. Noch im Herbst 2015, als Bundeskanzler Werner Faymann die Grenzen öffnete und Viktor Orbán in die Nähe von Adolf Hitler rückte, weil der dies nicht tat, als ÖBB-Chef Christian Kern die Hunderttausenden illegalen Einwanderer auf Kosten der heimischen Steuerzahler durch Österreich kutschierte, schrieb Rauscher, auf der Welcome-„Refugee“-Welle reitend, von „Schutzerflehenden“ (darunter ging es damals nicht). Auch eine Völkerwanderung konnte er nicht erkennen.

Die Zeiten haben sich geändert. Auch für linke Journalisten. Besonders hart geht Rauscher mit sich aber nicht ins Gericht. Keine Spur von Selbstkritik, kein Schuldbewusstsein und auch keine Entschuldigung in seiner Kolumne, obwohl er selbst an vorderster publizistischer Front jene Zustände massiv be- und gefördert hat, über die er nun jammert. Jetzt, wo die multikulturelle – sprich islamische – Realität selbst in jene Sphären und Bereiche vorgedrungen ist, in denen sich Privilegierte wie eben Rauscher bewegen, jetzt, wo selbst die bis vor kurzem noch Heile-Welt-Gegenden – weil überwiegend von gutsituierten Einheimischen und integrierten Zuwanderern bewohnt – ihr Gesicht verändert haben, erkennen mehr und mehr von diesen Menschen, wovor kritischere und wachere Geister seit vielen Jahren eindringlich warnen. Und nein, das waren und sind in der Regel keine dumpfen Ausländerhasser und keine rechten Hetzer, dieses Etikett wurde ihnen lediglich von der linken politmedialen Kaste verpasst, weil sich diese nicht mit den von ihr selbst verursachten Fehlentwicklungen auseinandersetzen wollte. Multikulti war schließlich nach dem Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus in Osteuropa eine neue Spielart des Sozialismus, ein weiterer Versuch, dieser stets zum Scheitern verurteilten Ideologie neues Leben einzuhauchen. All das, was unter dem Label „Multikulti“ in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten angerichtet und verbrochen worden ist, war daher für die Linke nicht hinterfrag- und diskutierbar. Der Muslim musste als Ersatzproletarier, als vom Kapitalismus Ausgebeuteter, als Opfer des amerikanischen „Imperialismus“ herhalten, weil der Linken die Arbeiterklasse abhandengekommen war.

Jetzt, wo die Kollateralschäden dieser Politik verheerende Ausmaße angenommen haben, jetzt, wo auch dieses sozialistische Kartenhaus in sich zusammenfällt, werden die ersten Meinungsführer in den linken Gazetten munter und tun so, als hätten sie mit all dem nichts zu tun. Man ändert noch schnell seine Meinung, adaptiert sein Weltbild und hofft, damit durchzukommen. Wird schon keiner merken. Zu dieser Spezies gehört auch der „revolutionäre Marxist“ Peter Pilz, der vom internationalen Sozialisten immer mehr zum nationalen äh … Linken wird. Aber das kennt man ja. Am Ende will es wieder einmal keiner gewesen sein.

Dabei reichte es im Fall von Rauscher schon aus, dass er Kopftuchmädchen auf der Straße erspähte, andere, etwa Krankenhauspersonal, Lehrer, Polizisten oder Schüler, erleben Tag für Tag und das seit Jahren wesentlich verstörendere und intensivere Multikulti-Eindrücke. Aber deren Meinungen, Erfahrungen und Ängste wurden von Medien und von Politikern, die von diesen Medien hofiert werden, ignoriert, verzerrt und unterdrückt. Sie wissen schon: subjektive Eindrücke, irrationale Ängste, gefühlte Unsicherheit, dumpfe Vorurteile, latenter Rassismus, und so weiter. Man ließ sich einiges einfallen, um diese Menschen und ihre Ansichten zu diskreditieren. Man wollte sich sein simples linkes Weltbild nicht durch die unschöne Realität kaputtmachen lassen.

Linke Meinungsmacher und -bildner haben Menschen, die die Multikultipolitik öffentlich kritisiert haben, als Rechte, als Hetzer, als Phobiker (Geisteskranke), dumpfe Ausländerfeinde gebrandmarkt und vorgeführt, sie am medialen Scheiterhaufen hingerichtet. Ihr einziges Vergehen: Sie waren weitsichtiger, kritischer, mutiger, klüger und weniger ideologisch verblendet als jene, die ihre neosozialistischen Irrlehren via Medien, Universitäten, Schulen, Theater voller Überzeugung verbreitet haben. Jene, die sie dafür kritisiert und dabei gestört haben, haben ein unverzeihliches Verbrechen begangen, sie hatten recht. Von Anfang an. Das können jene, die stets die Wahrheit und die moralische Überlegenheit für sich beansprucht haben, nur schwer verkraften. Ihre „rechten“ Feinde lagen richtig, sie hingegen ihr bisheriges Leben lang falsch. Jetzt, wo die meisten Probleme und Fehlentwicklungen dank der völlig verfehlten linken Politik und der linken medialen Dauerpropaganda immer offensichtlicher und unerträglicher geworden sind und sich nicht mehr unter den Teppich kehren lassen, haben auch diese Ignoranten ihre Erleuchtung oder besser ihre Spätzündung. Zu einem Zeitpunkt, da viele gesellschaftliche Prozesse längst unumkehrbar, die Schäden für unsere Demokratie irreversibel sind und das Fundament unserer westlichen Gesellschaft unterspült ist, beginnen sich linke Opinion Leader wie Rauscher widerwillig aus ihren Meinungskorsetts zu befreien. Langsam und vorsichtig.

Ihre Kollaboration und ihre Mitschuld an all diesen katastrophalen Entwicklungen übergehen sie dabei großzügig. Dieses Verhalten ist in hohem Maße unverantwortlich und hat weitreichende Konsequenzen. Während die Last-Minute-Dissidenten erst seit wenigen Tagen und Wochen langsam begreifen, welche epochalen Umwälzungen sich in Europa gerade ereignen und was das für unsere Zukunft bedeutet, haben sich andere Menschen mit diesem Themenkomplex seit vielen Jahren intensiv beschäftigt. Während Rauscher noch frischfröhlich Welcome-„Refugee“-Partystimmung verbreitete, warnten Leute wie etwa Andreas Unterberger oder Andreas Tögel, um nur zwei zu nennen, bereits vor all den Gefahren und Entwicklungen, denen wir nun ausgesetzt sind. Der Unterschied: Linke Journalisten konnten ihre Meinungen über alle großen medialen Kanäle verbreiten, ihre Kritiker in der Regel nur über kleine selbstfinanzierte Internetseiten.

Weil aber die nun bekehrten Gutmenschen sich aus der Verantwortung stehlen wollen, ignorieren sie diese Menschen, die sie ausgegrenzt und diffamiert haben, auch weiterhin und verzichten so auf ihr wertvolles Know-how. Dabei hätten diese mutigen und kritischen Zeitgenossen sehr viel beizutragen, wenn es um die Entwicklung von brauchbaren Strategien und Lösungen geht. Doch ihre Einbindung und Rehabilitierung käme einem Schuldeingeständnis der linken Meinungsmacher gleich.

Dadurch verliert man viel wertvolle Zeit und verschlimmert die Situation weiter. Aufwachen! Es gibt viele kluge Köpfe, auf die man nun zurückgreifen könnte. Die frisch Bekehrten sehen nur die Spitze des Eisberges und sind weit davon entfernt, die Problematik in ihrer Gesamtheit zu erfassen. Denn die muslimischen Zuwanderer, die kleinen Kopftuchmädchen von Rauscher, sind nicht das Problem, die Ursachen für die aktuellen Fehlentwicklungen reichen tief in unsere Gesellschaft, wurzeln tief in unserem politischen System. Das zu erkennen, wird für die Linken schmerzhaft und vor allem langwierig. Aber diese Zeit hat Europa nicht mehr. Es ist zehn nach zwölf. Die Situation ist längst am Kippen. Linke Journalisten und Politiker brauchen noch weitere Realitätsschocks, um zu erkennen, wie weit Europa auf dem Weg zum Gottesstaat schon gegangen ist. Wer glaubt, es reiche aus, jetzt ein paar halbherzige Maßnahmen zu treffen, die noch dazu niemandem wehtun dürfen, hat die Dramatik der Situation nicht einmal ansatzweise erkannt.

Es würde fürs erste schon helfen, wenn sich (ehemalige) linke Multikulti-Propagandisten ganz nüchtern die demographischen Zahlen und Trends ansehen, und zwar die Detailzahlen, also jene, die für die mittelfristige Entwicklung relevant sind. Ein ideologisch ungetrübter Blick über den europäischen Tellerrand in den Libanon, nach Nigeria oder nach Indien wäre ebenfalls hilfreich, vor allem vor dem Hintergrund, dass in diesen Regionen der Widerstand gegen solche Entwicklungen wesentlich stärker ausgeprägt und robuster ist als in unseren Breiten. In Europa gibt es, eben weil jede Kritik an diesen Entwicklungen bisher unterdrückt worden ist, keinen ernsthaften Widerstand, keine relevanten Gegenbewegungen. Selbst harmlose und dezente Kritik wird sanktioniert. Wie es Michel Houellebecq beschrieben hat, wird sich Europa aller Voraussicht nach einfach unterwerfen, sich seinem „Schicksal“ ergeben. Bleibt zu hoffen, dass sich zumindest die Österreicher am 15. Oktober für einen politischen Paradigmenwechsel entscheiden. Zumindest tun Rote und Grüne derzeit alles, um den Wählern diese für unsere Zukunft so wichtige Richtungsentscheidung zu erleichtern.


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