08. September 2017

Sonia Mikich „überführt“ Alice Weidel der Fake News Der Büroschlaf ist doch der gesündere!

Satz und Sieg für die AfD-Frau

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Bildquelle: shutterstock Gesünder als der Spaziergang mit Papa: Büroschlaf

Sonia Mikich glaubte in der Wahlkampfsendung vom 4. September 2017 die Frontfrau der AfD, Alice Weidel, der Fake News bei den Grenzwerten der Stickoxide überführt zu haben: „In Industriearbeitsplätzen! Büroinnenräume, Privaträume haben die gleiche Grenzwertbemessung wie auch die Luft draußen! Falsch!“, triumphierte sie: Doch ist es wirklich so?

Der 4. September wird vielleicht doch noch in die Geschichte eingehen. Es war der Tag, an dem die AfD auf einer als historisch anzusehenden, aber medial fast völlig übergangenen Pressekonferenz den zahlreich versammelten Medienvertretern die entsetzliche Wahrheit mitteilen musste, dass die Klimakaiserin Merkel keine Kleider anhat. Diese nahmen es ungerührt und ziemlich desinteressiert zur Kenntnis. Vergleichbar den Höflingen, die dem nackten armen Kaiser immer wieder versichert hatten, wie gut ihn doch seine nicht vorhandenen Kleider zu Gesicht stünden.

Und es war der Tag, an dem endlich, endlich eine dieser oft veräppelten, weil oft völlig zu Unrecht verdächtigten, als Fake-News-VerbreiterInnen beschimpften MedienvertreterInnen, die vielfache Ex (Ex-Marxistin, Ex-Redakteurin, Ex-Doppelnachnamenträgerin) Sonia Mikich, der aalglatten AfD-Frontfrau Alice Weidel die schöne – oder war es schnöde – Maske vom Gesicht reißen konnte. Denn diese, so verkündete sie triumphierend verbreite Falsches!

Wobei hatte sie denn Frontfrau Weidel erwischt? Es ging mal wieder um den die bodenlose Schlechtigkeit der Autoindustrie belegenden Dieselskandal. Bodenlos schlecht, ja böse, weil, wie WDR-Kollege Jürgen Döschner im Netz behaupten durfte, die ja pro Jahr 10.000 Menschen vergase! Und dann noch nicht einmal die Umrüstung dieser Vergaser-Maschinen (eigentlich kennt ein Diesel doch keinen Vergaser, ha, ha) selber bezahlen wolle. Darum ging es.

Und da behauptet doch diese aalglatte AfD-Frau vor Millionen ahnungslosen Zuschauern, dass in Büroinnenräumen wesentlich höhere Grenzwerte als draußen gelten würden, nämlich 950 Mikrogramm pro Kubikmeter gegenüber den als so gefährlich eingestuften 40 Mikrogramm pro Kubikmeter, die dort ohne Gesundheitsgefahr zugelassen seien. Doch nicht mit Sonia Mikich: „In Industriearbeitsplätzen! Büroinnenräume, Privaträume haben die gleiche Grenzwertbemessung wie auch die Luft draußen! Falsch!“, donnert sie, sichtlich erregt und auch begeistert, diese impertinente Lüge sofort vor der Kamera richtigstellen zu können, Weidel ins erschrockene Gesicht.

Nun, man sollte beiden Damen zugestehen, dass die tägliche Beschäftigung mit Stickoxiden oder auch Feinstaubwerten nicht unbedingt zur Aufgabe ihrer jeweiligen Jobbeschreibung gehört. Doch wenn man jemanden der Unwahrheit, gar der bewussten Lüge, überführen möchte, dann sollte man doch sicher sein, dass die Korrektur nicht einer Korrektur bedarf. Sonst geht der Schuss nach hinten los! Wie auch hier.

Vermutlich hat Mikich beim Umweltbundesamt nachgelesen, dass es schon immer nur das Beste für die Umwelt und ihre (es bezahlenden) menschlichen Bewohner im Sinne hat. Und zur Grenzwertfrage tiefsinnige, man möchte sagen: spitzfindige, Betrachtungen anstellt.

Es betreibt sogar zu dieser, die deutsche Menschheit tief bewegenden, Frage eine eigene Website. Dort finden wir die klare Aussage: „Arbeitsplatzgrenzwerte geltennur für Arbeitende an Industriearbeitsplätzen und im Handwerk, bei denen aufgrund der Verwendung oder Erzeugung bestimmter Arbeitsstoffe eine erhöhte Stickstoffdioxid-Belastung zu erwarten ist.“

Im weiteren Text finden wir auch die Quelle, der man entnehmen könnte, wie das Umweltbundesamt seine Behauptung ableitet. Nämlich die Arbeitsplatzgrenzwerte (AGW) der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV). Doch in dieser Quelle ist immer nur ganz allgemein von „Arbeitsplätzen“ die Rede.

Beim Weitersuchen findet man dann beim Umweltbundesamt auch noch die Information: „Für Büroarbeitsplätze sowie Privaträume finden MAK-Werte keine Anwendung. Hier gelten vielmehr die Richtwerte des Ausschusses für Innenraumrichtwerte (AIR), vormals Ad-hoc-Arbeitsgruppe der Innenraumlufthygienekommission (IRK) und der Arbeitsgemeinschaft der Obersten Landesgesundheitsbehörden (AOLG). Die Innenraumlufthygienekommission leitete in den 1990er Jahren einen sogenannten ‚Richtwert II‘ für Stickstoffdioxid in der Innenraumluft von 60 Mikrogramm pro Kubikmeter (Wochenmittelwert) ab. Der Richtwert II (RW II) ist ein wirkungsbezogener Wert, bei dessen Erreichen beziehungsweise Überschreiten unverzüglich zu handeln ist.“

Aha! Wenn 60 Mikrogramm pro Kubikmeter, als Wochenmittelwert wohlgemerkt, nicht 40 Mikrogramm pro Kubikmeter an maximal zehn Tagen im Jahr, überschritten werden, müsse unverzüglich gehandelt werden. Und dieser Wert sei in den Richtwerten I und II der Innenraumlufthygienekommission (welch schöner deutscher Name) festgelegt. Dumm nur, dass in den dort genannten aktuellen Tabellen für beide Richtwerte die bösen Stickoxide überhaupt nicht vorkommen. Nirgends!

Also kann es sich wohl nur um Wunschdenken, man kann auch vermuten „Gefälligkeitsdenken“ des Umweltbundesamts handeln. Denn es sorgt sich besonders um empfindliche Personen. Das Amt stellt nämlich fest: „Ein Arbeitsplatzgrenzwert ist ein Wert für die zeitlich begrenzte Belastung gesunder Arbeitender, während durch NO2 in der Außenluft auch empfindliche Personen rund um die Uhr betroffen sein können.“

Empfindliche Personen wie der siebenjährige Sohn des Mitdiskutanten, des Spitzenkandidaten der Grünen, Cem Özdemir, der trotz seiner sieben Jahre gerade mal Auspuffhöhe erreicht. Wenn der mit seinem Papa spazierengeht, falls der so oft zu Hause ist, und öfter als zehnmal im Jahr von der Wucht des 40-Mikrogramm-pro-Kubikmeter-Grenzwertes befallen wird, dann müssen wir, schon aus Mitleid mit dem zwergwüchsigen kleinen Kerl, die Grenzwerte EU-weit einhalten. Das gebietet schon das Herz. Der kann ja nichts dafür, dass er so klein ist. Das ist gelebte Solidarität!

Doch zurück zur herzlosen Streitfrage; wir halten abschließend fest: Mikich behauptet im Einklang mit dem Umweltbundesamt, bekannt unter anderem dafür, Klimaskeptikern den Mund zu verbieten, dass der MAK- oder inzwischen Arbeitsplatzgrenzwert nicht für Büroräume gelte. Falsch! Die angeführten Belege des Umweltbundesamts führen ins Leere. Mikich behauptet: „Büroinnenräume, Privaträume haben die gleiche Grenzwertbemessung wie auch die Luft draußen!“ Falsch, denn der vom Umweltbundesamt behauptete Grenzwert wird mit 60 Mikrogramm pro Kubikmeter angegeben, nicht mit 40 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Das Umweltbundesamt behauptet: „Für Büroarbeitsplätze sowie Privaträume finden MAK-Werte keine Anwendung. Hier gelten vielmehr die Richtwerte des Ausschusses für Innenraumrichtwerte (AIR), vormals Ad-hoc-Arbeitsgruppe der Innenraumlufthygienekommission (IRK) und der Arbeitsgemeinschaft der Obersten Landesgesundheitsbehörden (AOLG).“ Falsch, denn in den angeführten Definitionen der MAK-Werte (hier der Einfachheit halber weiter so genannt) wird diese Einschränkung nicht gemacht. Dort ist unisono nur von Arbeitsplätzen die Rede. Das Umweltbundesamt behauptet, dass dieser geringere Stickoxid-Grenzwert in den Tabellen der Richtwerte I und II der Innenraumlufthygienekommission festgelegt sei. Falsch! In den aktuellen Tabellen kommen Stickoxide überhaupt nicht vor.

Dumm gelaufen, Sonia Mikich, und Satz und Sieg für Alice Weidel. Wie sagt der Volksmund so treffend: „Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen!“ Besonders nicht im Google-Zeitalter, möchte man hinzufügen!

Aber eine Erkenntnis stimmt wohl doch: Wenn wirklich geringere Grenzwerte in Büro-Innenräumen gelten als an rauhen Industriearbeitsplätzen, dann ist der Büroschlaf doch gesünder als ein Nickerchen auf Schicht in hohen Grenzwertbereichen draußen. Selber schuld, kann man da den Industriearbeitern nur zurufen. Falls ihr mal zu den „empfindlichen“ Personen gehören solltet, empfiehlt sich schnell ein Wechsel ins Büro!

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Seite des Europäischen Instituts für Klima und Energie (EIKE).


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