31. August 2017

Umfragen zu Ängsten der Bevölkerung Die einen sagen so – die anderen so!

Bei freier Antwortmöglichkeit kommt Klimawandel nicht vor

Artikelbild
Bildquelle: shutterstock Angst in der Bevölkerung: Wirklich vor dem Klimawandel?

„Umfragen“ von Emnid und dem Pew Research Center behaupten eine große Klimafurcht der Deutschen festgestellt zu haben – lässt man die Leute frei entscheiden, was sie für wichtig halten, gehört die Klimafurcht nicht dazu.

Zugegeben, den größten Teil dieser schönen Schlagzeile habe ich von Henryk M. Broder auf der „Achse des Guten“ geklaut. Und der entnahm sie vermutlich einem uralten, etwas delikaten Witz. Doch uns beiden fielen wohl gleichzeitig einige Berichte über Umfragen auf, die zum Nachdenken Anlass geben.

Bei Broder liest sich das so: „Eine Emnid-Umfrage im Auftrag der ‚BamS‘ ergab, dass nur 29 Prozent der Bundesbürger das Thema ‚Zuwanderung‘ als ‚äußerst oder sehr wichtig‘ für ihre Wahlentscheidung halten. Eine Woche später ergab eine Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung, dass kein anderes Thema die Deutschen so sehr umtreibt ‚wie die Zuwanderung und Integration von Ausländern‘. Seltsam, nicht wahr? Der Unterschied könnte mit der Methodik der Umfragen zu tun haben. Während Emnid einer wie immer ‚repräsentativen Auswahl‘ von Bürgern die Frage stellte: ‚Wie wichtig sind Ihnen für Ihre Stimmabgabe bei der Bundestagswahl die folgenden Aufgabenbereiche?‘ und die Bereiche auflistete, waren bei der GfK-Umfrage keine Antworten vorgegeben. Die Teilnehmer der Umfrage konnten ‚frei antworten, in Worte fassen, was sie am meisten besorgt‘. – So einfach kann eine Erklärung für das Unerklärliche sein. Und dafür, wie einfach es ist, das Ergebnis einer Umfrage durch die Art der Fragestellung zu manipulieren.“

Bei mir war die Ausgangslage etwas anders. Es ging – natürlich – um die vermeintliche Klimaangst der Deutschen. Da behauptete zum Beispiel die „Berliner Morgenpost“ – eine Zeitung der Funke-Mediengruppe –: „Die Mehrheit der Deutschen denkt laut einer jüngsten Umfrage des Kantar-Emnid-Instituts, dass Klimawandel das dringendste Problem der Gegenwart ist.“ Diese Erkenntnis des Kantar-Emnid-Instituts wurde recht breit auch in anderen Medien und nicht nur von Funke verbreitet.

Im einzelnen findet man im Beitrag der „Morgenpost“: „Danach sagen 71 Prozent der Befragten, die Veränderung des Weltklimas bereite ihnen persönlich besonders große Sorgen. 65 Prozent führen neue Kriege als beherrschende Furcht an. Bei 63 Prozent sind es Terroranschläge, 62 Prozent nennen Kriminalität, und 59 Prozent ängstigen sich vor Altersarmut. Mit einigem Abstand folgt die Zuwanderung von Flüchtlingen (45 Prozent). Arbeitslosigkeit ist mit 33 Prozent die geringste der genannten Sorgen.“

Weil mir diese Reihenfolge angesichts der täglichen Berichte in allen Medien komisch vorkam, nicht nur in bezug auf das Klima, rief ich bei Kantar Emnid an und bat um die Nennung der Fragestellung, die dieser Umfrage zugrundeliege.

Man beschied mich abschlägig, da diese Eigentum der Funke-Mediengruppe sei und man nicht darüber verfügen dürfe. Und auch aus mehreren Artikeln anderer Medien konnte man nirgends entnehmen, wie und was gefragt wurde. Da gab ich auf.

Aber fast zeitgleich wurde eine Studie des Pew Research Center mit 1.000 Befragten in Deutschland veröffentlicht, die transparenter ist und bei der der Klimawandel nur auf Position drei der Besorgnisse landete, aber immerhin noch von 63 Prozent der Befragten angegeben wurde.

Und nun die Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GFK)! Überraschung: Darin taucht die Angst vor Klimawandel überhaupt nicht auf. Stattdessen steht die Furcht vor Zuwanderung/Migration, deren Belastung und Kosten ja gerade erst beginnen, sich in unserem Alltag zu verfestigen, an prominent erster Stelle. Warum? Weil die Befragten – oder soll man besser sagen, die beeinflussten Probanden? – diesmal „frei antworten konnten, in Worte fassen, was sie am meisten besorgt“. Die zu beantwortende Frage lautet: „Was sind Ihrer Meinung nach die dringendsten Aufgaben, die heute in Deutschland zu lösen sind?“ Und da liegt das Thema Zuwanderung/Migration mit circa 63 Prozent, also einem Riesenabstand, weit, weit vorn. Die Angst vor Klimawandel kommt einfach nicht vor.

Die einen sagen eben so, die anderen so. Wobei man zur Annahme kommen könnte, dass die einen die Meinungsmacher – genannt Umfrageinstitute – sind, während die anderen die Leute von der Straße sind, also wir! Und es drängt sich die Frage auf: Ist die Beeinflussung der Befragten nicht auch bei anderen Umfragen gängige Praxis? Seufz! Fragen über Fragen.

Die weise Aussage eines Staatmannes „glaube keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast“ bestätigt sich eben immer wieder.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Seite des Europäischen Instituts für Klima und Energie (EIKE).


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Dossier: Klima

Mehr von Michael Limburg

Über Michael Limburg

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige