25. August 2017

„Frankfurter Rundschau“ über Anschläge Tun deutsche Medien wirklich schon genug, um den Terror zu stoppen?

Die EU ist gefordert

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Bildquelle: shutterstock Antrieb des Terrorismus: Fehlende Mittel für den Wiederaufbau

Die Welt ändert sich, „Irrsinn“, bisher ein Code für Trump, landet in Überschriften zu Terrorartikeln, die ohne das Wort „Islam“ auskommen. Aber es kommt Bewegung in Fronten, die seit Jahren wie festgegossen in der Landschaft lagen. Nach dem Terror in Barcelona geht es ans Eingemachte sogar dort, wo bisher nach jedem Anschlag das Gebet gereicht wurde, niemand könne uns in unserer Lebensweise beirren, Betonpoller und Polizeiposten, Taschenkontrollen und Alkoholverbote gehörten nun einmal dazu, und auch an den Rest würden wir uns noch gewöhnen. Andreas Schwarzkopf, der Chef der Meinungen bei der „Frankfurter Rundschau“, hat nun aber doch genug vom Appeasement. „Wir müssen uns die Frage stellen, ob wir genug tun, um den Terrorismus zu verhindern“, stellt er eine mutige These mitten in die Medienlandschaft. War es wirklich gut, immer von „Einzeltätern“ zu schreiben? Nach mehr Sozialarbeitern zu rufen? Den Zusammenhang zwischen Flüchtlingsstrom und innerer Sicherheit zu leugnen?

„Haben wir bislang die richtigen Lehren gezogen?“, fragt Schwarzkopf und gibt sich entschlossen die Antwort: Ja, wir bei der „FR“ teilen das Entsetzen aller über den Anschlag in Barcelona, über die vielen Toten und Verletzten, das „erst langsam weicht“, nun, wo eine Woche seit dem Tod so vieler Menschen vergangen ist. Man kenne das schon. „Es kommen Emotionen, Gedanken und Fragen, an die man sich nach den Attentaten in Paris, Nizza, London, Berlin und anderen Orten bereits gewöhnt hat.“ Und unwillkürlich fragt sich auch der Profi, der weiß, dass nur Gewöhnung uns erlösen kann: „Wann hört das auf? Wie lässt sich der Irrsinn stoppen? Wer kann das verhindern?“

Der richtige Weg aber ist das nicht. „Man kennt die Debatten, in denen viele die blutigen Anschläge für ihre eigenen Ziele missbrauchen werden.“ Man dürfte, um das zu verhindern, gar nicht drüber reden. Aber leider, leider, zu viele haben mitbekommen, was los ist. „Es hilft nichts!“ So traurig es ist, gerade jetzt, in einem Wahlkampf, der bisher dem Todesröcheln einer von sich selbst angeödeten Demokratie gleicht, „die Terroristen zwingen uns erneut, uns mit inzwischen bekannten Fragen zu beschäftigen“.

Andreas Schwarzkopf schreibt sie trotzdem noch mal auf. „Haben wir wirklich bereits die richtigen Lehren aus den bisherigen Attentaten gezogen?“ Und kommt aufgrund des Umstandes, dass wir gar keine gezogen haben, zum Urteil: „Ganz offensichtlich nicht.“ Noch immer arbeiteten beispielsweise europäische Sicherheitskräfte „nicht ausreichend zusammen, um Attentäter an ihren Taten zu hindern“, glaubt er in wortgleicher Übereinstimmung mit der „Bild“-Zeitung, dem anderen großen Blatt der Arbeiterbewegung.

Die europäischen Leitmedien müssten sich deshalb fragen, „ob sie genügend gegen die hiesigen Ursachen des Terrorismus unternommen haben“. Reiche es wirklich, die innere Sicherheit vor allem durch das Verschweigen von Taten und die Abkürzung von Täternamen zu erhöhen? Ist es sinnvoll, Fahrzeuge und Haushaltsgeräte für den Terror verantwortlich zu machen? Müsse nicht endlich, endlich etwas getan werden, etwas anderes, vielleicht Terrorausstiegsprämien, vielleicht Journalismus, vielleicht Benennung von Verantwortlichen. Oder Forderungen nach einer kampflosen Übergabe des ganzen Landes an den IS oder die Ernennung eines Bundesimams, der von Terrorwilligen verbindlich vorab informiert werden muss, wenn irgendwo ein feiger oder gar hinterhältiger Anschlag geplant ist?

Strategische Überlegungen. Vorerst ist anderes wichtig. „Die westlichen Demokratien müssen beantworten, ob sie genügend gegen die Ursachen des Terrorismus etwa im Irak oder in Syrien unternommen haben“, fordert Schwarzkopf. Diese Antworten könnten dann von Leitmedien wie der „FR“ hinunter an die Basis übermittelt werden.

Diese Ursachen sind natürlich nicht der Islam oder der Koran oder der Anspruch auf Weltherrschaft, den Muslime aus dem Wort Allahs ableiten. Nein, der Einflussgewinn der Anti-IS-Koalition gegen den Islamischen Staat macht klar, dass es an Mitteln für den Wiederaufbau der befreiten Regionen fehlt. Daher der Terror, daher die Verzweiflung vieler mittelloser Häuslebauer, die sich in Kleintransporterzwischenfällen äußert.

Die EU ist gefordert. Aber bei all den Fragen steht nach Andreas Schwarzkopfs Analyse jetzt schon fest: Es wird noch dauern, bis die richtigen Antworten gefunden sind – und vor allem, bis sie wirken.

Dieser Artikel erschien zuerst auf politplatschquatsch.com.


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