26. Juli 2017

Christian Ude und Boris Palmer über die Flüchtlingskrise Willkommen im braunen Sumpf

Es besteht noch Hoffnung

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Bildquelle: shutterstock Zwei Drittel der Deutschen: Im braunen Sumpf

Der frühere Münchner Oberbürgermeister Christian Ude, SPD, habe sich mit seinem neuen Buch „Macht endlich Politik“ in eine „ganz andere politische Ecke“ als jene bewegt, in der die Sozialdemokratie biwakiert, nämlich die rechte, tümelt der „Süddeutsche Beobachter“ in verlässlicher Tumbheit. „Mehr als zwei Jahrzehnte kannten die Münchner ihren Oberbürgermeister als Verkörperung liberaler Gedanken, als weltoffenen Großstädter, als Mann der Menschlichkeit und Kultur“, schreibt ein redaktioneller Platitüdenautomat, aber nun höre man von Ude „Sätze, bei denen nicht nur manchem SPD-Mitglied der Atem stocken wird, wegen des Inhalts und wegen der Diktion“. Etwa diesen: „Niemand erwartet, dass alle Merkelianer in CDU, SPD und FDP sowie bei den Grünen und Linken sich bei Viktor Orbán (‚dem rechtspopulistischen ungarischen Ministerpräsidenten‘ fügt die Redaktion hier kenntnisreich und aufklärerisch ein) bedanken. Aber sie könnten doch wenigstens so ehrlich sein, insgeheim zu bedenken, dass sie da Schwein gehabt haben und dass ohne die von ihnen verachteten und gebrandmarkten Maßnahmen die eigene Hütte längst brennen würde.“ Ude rechne ab mit den „einschlägigen Parolen gutmeinender Repräsentanten der Willkommenskultur“ und „den trauten Runden moralischer Überlegenheit“. Schwere Irritationen in der heimlichen Hauptstadt der Willkommensbewegung sind die natürliche Folge.

Na ja, mag der eine oder andere einwenden, der ist eben nicht mehr im Amt, und jetzt auf einmal wagt er sich in jene Ecke, wo Wirtschaftsmathematik, Anthropologie und Statistik gelehrt werden. Aber dort heißt ihn der immerhin noch amtierende grüne Oberbürgermeister von Tübingen, Boris Palmer, willkommen, der sich mit seinem Buch „Wir können nicht allen helfen“ freilich bereits im „braunen Sumpf“ eingefunden hat, wie der „Monitor“-Agitator Georg Restle originell fomulierte, der Palmer aber zugleich zum „Kronzeugen der Hetze“ erhob, was nicht ganz stringent ist, denn entweder der Grüne steckt im braunen Sumpf oder aber er gehört zu den Hetzern um Restle, da sollte sich das TV-Männle schon entscheiden. In puncto Hetze verhält sich „Monitor“ schließlich zum rot-grün angereicherten „braunen Sumpf“ wie der FC Bayern zu Union Berlin.

Der Ex der beiden Oberbürgermeister meinte lakonisch, wenn Leute wie er und Palmer jetzt rechtsradikal seien, dann seien zwei Drittel der Deutschen rechtsradikal. Geben wir die Hoffnung nicht auf.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Acta diurna“.


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