25. Juli 2017

Leitmedien stellen neuen Intelligenztest vor Wie man mit „Russland-IQ“ lebende von toten Gehirnen leicht unterscheiden kann

Die Errechnung des Dummdusseligkeitsfaktors

Artikelbild
Bildquelle: Evan El-Amin / Shutterstock.com Donald Trump: Nichts gewusst?

Im Rahmen einer Exzellenz-Initiative der Mainstream-Presse haben deutsche Journalisten eine sensationelle neue Methode entwickelt, um den Intelligenzquotienten von Lesern zu messen. Mit der auf den Namen „Russland-IQ“ getauften Methode lässt sich leicht ermitteln, wieviel unseriöses und unglaubwürdiges Material in Artikeln untergebracht werden kann, ohne dass die Leserschaft kritische Fragen zu stellen beginnt.

Zur Ermittlung des durchschnittlichen IQs von Medienkonsumenten erzählt man ihnen folgende Geschichte, wartet die Reaktion ab und macht bei Ausbleiben massenhaft gezeigter Vögel, Mittelfinger oder gar wütender Aufstände vor den Redaktionsbüros der für die Verbreitung der kruden Story verantwortlichen Zeitungen einfach weiter, Verdummungsschritt für Verdummungsschritt – bis es kein Zurück mehr gibt und der IQ auf Null gesunken ist:

Stellen Sie sich vor, Sie sind einer der erfolgreichsten Unternehmer Amerikas. Über Jahrzehnte haben Sie ein gigantisches Firmenimperium aufgebaut. In dieser Zeit haben Sie sich regelmäßig mit Partnern aus der Wirtschaftswelt sowie der Politik getroffen – egal wo. Ob beim Lunch, beim Dinner, in der Sauna, am Pool, beim Golfen und Tennisspielen, auf Gala-Veranstaltungen und so weiter und so weiter, völlig wurscht. Kurz, Sie verfügen also über exzellente Kontakte sowohl in der Geschäftswelt als auch der politischen Sphäre. Bei solchen Treffen wird gemeinhin auch geredet. Viel. Welcher Geschäftspartner zuverlässig ist, welcher eher nicht, wo man sein Geld am besten anlegen und wovon man lieber die Finger lassen sollte, welchem Politiker man trauen könne (herzliches Gelächter in der Gesprächsrunde), wer welchen Dreck am Stecken hat und, und, und. Sie sind also ziemlich gut informiert, gerade als jemand, der es nicht ganz umsonst bis an die Spitze schaffte.

Aus welchen Gründen im Einzelnen auch immer – dies spielt für die Ermittlung der Testergebnisse hier keine Rolle – entscheiden Sie sich beispielsweise dazu, die Kampagne einer Politikerin namens Hillary Clinton finanziell zu fördern. Und jetzt mal ehrlich: Kämen Sie als einer der erfolgreichsten Geschäftsmänner der USA etwa auf die verrückte Idee, eine genauere Prüfung vorzunehmen, wessen Politkarriere Sie da zu fördern gedenken? Eben: Das ist ja lächerlich. Kurz, Sie wissen nichts, wirklich gar nichts, absolut nichts darüber, was sich im Laufe des Werdegangs der betreffenden Politikerin so alles unter ihren Fingernägeln gesammelt hat.

Eines Tages beschließen Sie, sich für das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten zu bewerben. Im Laufe des Wahlkampfes beschuldigen Sie die von Ihnen ehemals geförderte Politikerin nicht nur zahlreicher Verbrechen und verlangen – wortwörtlich! – ihre Inhaftierung, sondern listen einige ihre Untaten sogar namentlich auf. Der Clou: Die Vorwürfe sind völlig berechtigt. Mit anderen Worten: Sie wissen also, was die Dame sich geleistet hat. Das ist Ihnen durchaus bekannt, schon deshalb, weil Teile davon immer wieder sogar in den US-Mainstreammedien auftauchten und diskutiert wurden. Nochmal umformuliert: Sie können sich also als gut informierter, erfolgreicher Geschäftsmann mit exzellenten Kontakten in einer Welt, in der regelmäßig auch über solche Themen „geschnackt“, „getuschelt“ und sich ausgetauscht wird, definitiv nicht damit herausreden, von alledem nichts gewusst haben zu können. Denn das haben Sie ja schon durch Ihre eigenen Äußerungen im Wahlkampf vollkommen klar gemacht.

Tja. Und jetzt komme ich zum eigentlichen Intelligenztest. Und der hat es in sich. Ja, der tut sogar richtig weh, die Ergebnisse könnten äußerst schmerzhaft ausfallen. Denn all das wirft natürlich folgende Frage auf: Warum sollten Sie dann die Hilfe irgendwelcher Russen benötigen, um kompromittierende Informationen über Clinton zu sammeln? Warum ins Ausland gehen, haben Sie doch daheim mehr als genug Möglichkeiten, entsprechende Quellen anzuzapfen? Autsch.

Ich überlasse es jedem Leser, sich den Dummdusseligkeitsfaktor dieser – lasst uns doch bitte vernünftig miteinander reden, liebe „Alphas“ – schlicht primitiven „Russland-Affäre“, mit der die Intelligenz deutscher Leser und Zuschauer schon seit Monaten aufs Allerschwerste beleidigt wird, selber auszurechnen und welchen Zwecken sie wirklich dienen könnte.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Dossier: Präsident Donald Trump

Mehr von Axel B.C. Krauss

Über Axel B.C. Krauss

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige