25. Juli 2017

Fake News über Windkraftwerke bei dpa und „Welt“ Wie auch scheinbar wahre Worte in die Irre führen

Äpfel mit Birnen verglichen

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Bildquelle: shutterstock Überteuerter Flatterstrom: Offshore-Windkraft

Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) ist für ihre Klima- und Energiewende-Propaganda weithin bekannt. Häufig werden Nachrichten verfälscht oder aufgeblasen, um die richtige Wirkung zu erzielen. Äpfel werden munter mit Birnen verglichen. Und wegen der Ausdünnung der Redaktionen vieler Medien – oft auch aus innerster Überzeugung der verantwortlichen Journalisten – werden diese Meldungen von dpa (und anderen Agenturen identischen Verhaltens) ungeprüft von den Redaktionen übernommen. So auch in einem Beitrag in der „Welt“ vom 21.07.2017 über die Erfolge der Offshore-Windenergie. In der Überschrift wird behauptet: „Offshore-Energie so stark wie vier Großkraftwerke“. Und im Text lesen wir: „Im ersten Halbjahr kamen weitere 108 Windkraftwerke mit einer Leistung von 626 Megawatt neu ans Stromnetz, teilten mehrere Bran­chenverbände am Donnerstag in Berlin mit. Das entspricht ungefähr der halben Leistung eines großen Kohle- oder Atomkraftwerks.“ Diese Aussagen sind korrekt, der Titel ist es nicht.

Munter vermischt dann der dpa-Redakteur die Begriffe Arbeit (Energie) und Leistung. Dass er von beiden Begriffen vermutlich keine Ahnung hat, kann keine Entschuldigung sein, sie falsch zu verwenden. Denn keineswegs ist die neu installierte „Offshore-Energie so stark wie vier Großkraftwerke“. Was er sagen wollte, ist das, was er gesagt hat. Was er schreiben sollte, ist: Die (neu installierte) Offshore-Leistung ist so groß wie die von vier Großkraftwerken. Schrieb er aber nicht. Er schrieb: „Offshore-Energie so stark wie vier Großkraftwerke“. Und das ist und bleibt falsch.

Die Auflösung liefert er uns dann im Artikel selber, wohl wissend, dass niemand seine Zahlen nachrechnet und noch weniger sie mit denen von „Großkraftwerken“ vergleicht. Tut man das, dann stellt man schnell fest, dass dem Leser wieder eine Luftnummer aufgetischt wurde. Also schiere Propaganda. Man liest dort teilweise korrekt: „Damit liefern nun insgesamt 1.055 Anlagen mit einer Leistung von 4.749 Mega­watt Strom von der Nord- und Ostsee. Das entspricht ungefähr vier konventionellen Großkraftwerken. Sie produzieren allein in den ersten sechs Monaten 8.480 Gigawattstunden Strom – das sind bereits rund 70 Prozent der gesamten Offshore-Produktion des Vorjahres.“

Vier konventionelle Großkraftwerke – so will uns der Autor weismachen – sollen also (nur) 8.480 Gigawattstunden Strom im Halbjahr haben liefern können, was nun die Offshore-Anlagen übernommen haben. Das ist aber wieder grobe Irreführung des Lesers, denn „Großkraftwerke“ hätten in derselben Zeit locker 18.000 Gigawattstunden liefern können, also mehr als das Doppelte der neuen Offshore-Anlagen. Und dazu noch deutlich besser – nämlich nach Bedarf – und sehr, sehr viel billiger.

Denn der Clou kommt zum Schluss. In gespielter Anteilnahme heuchelt der Autor Mitgefühl, wenn er schreibt: „Für die deutschen Verbraucher ist das eine zweischneidige Nachricht. Denn zur Zeit ist der Strom aus Offshore-Windkraftwerken noch sehr teu­er und muss von den Kunden über die Stromrechnung mitfinanziert werden. Offshore-Windparks, die in diesem Jahr ans Netz gehen, erhalten 15,4 Cent (für zwölf Jahre) oder 19,4 Cent (für acht Jahre) Einspeisevergütung je Kilowattstunde – weit mehr als der Marktpreis. Die Verbraucher müssen im Gegenzug mit jeder Kilowattstunde Strom eine Umlage von 6,88 Cent bezahlen.“

Wieder werden Äpfel und Birnen verglichen. Denn außen vor lässt der Autor bei diesem, auch noch schiefen, Vergleich, dass der Preis, den die Großkraftwerke derzeit dank der gesetzlichen Vorrangeinspeisung von Flatterstrom aus diesen Windparks an der Börse erzielen, bei nur drei Cent pro Kilowattstunde liegt. Und damit fünf Mal billiger ist als der Strom aus diesen Windparks – oder gar 6,5 Mal, wenn man die noch großzügigere Acht-Jahres-Vergütung wählt.

Fazit: Fünf bis 6,5 Mal überteuerter qualitativ mieser Flatterstrom wird vom dpa-Autor zum großen Erfolg hochgejubelt. Und dabei schrieb er nur in der Überschrift so richtig falsches. Ein begnadeter Propagandist.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Seite des Europäischen Instituts für Klima und Energie (EIKE).


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