19. Juli 2017

„Energiewende“ Zwölf Minuten bleiben bis zum Stromausfall

Gefahr nicht nur für den Geldbeutel, sondern für Leib und Leben

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Bildquelle: shutterstock In Zukunft öfter zu erwarten: Stromausfälle

Ganze zwölf Minuten Vorwarnzeit gibt das Anfang Februar 2017 geänderte Energiewirtschaftsgesetz den lokalen Stromversorgern, um auf Anforderung „von oben“ ganze Stadtteile vom Stromnetz abzuklemmen. Eine Priorisierung darf nicht stattfinden, ebenso wenig ist ein Schadensersatzanspruch der Betroffenen möglich. Grund: Flatterstromeinspeisung kann das Netz zum Tanzen bringen, damit es nicht ganz kollabiert, werden eben Teile geopfert. Schöne neue Energiewendewelt.

Zwölf Minuten bleiben bis zum Stromausfall

„Zwölf Minuten bleiben bis zum Stromausfall“. So titelt die „Wetzlarer Neue Zeitung“ über ein kaum thematisiertes Megaproblem für das ganze Land, das durch die Energiewende erst geschaffen wurde und das zuvor hierzulande fast völlig unbekannt war. Es ist das Problem der unmittelbaren Gefahr des totalen Stromausfalls – neudeutsch „Blackout“ genannt –, der wegen unerwarteten Lieferausfalls oder ebenso unerwarteten Überangebots aus unstabilen, nicht steuerbaren Stromerzeugern aus Wind und Sonne entsteht. Dabei führt diese Überschrift den Leser in die Irre. Denn „Ausfall“ bedeutet etwas Zufälliges, von höheren, nicht beeinflussbaren Ereignissen Bestimmtes. Das ist aber hiermit nicht gemeint. Denn dieser „Ausfall“ ist die zwingende Konsequenz planvollen Handelns. Und es sollte deshalb – wie zu Zeiten der Berliner Blockade, die ich leider als Kind miterleben musste, „zwölf Minuten bleiben bis zur Stromsperre“ heißen.

Denn die notwendige Abschaltung ganzer Bezirke – im Techniksprech „Lastabwurf“ genannt – ist die zwingende Konsequenz, wenn man verhindern will, dass infolge der Energiewende in Minutenbruchteilen das ganze Land nicht nur im Dunkeln liegt, sondern überhaupt keinen Strom mehr hat.

Um das möglichst zu verhindern, hat der Bundestag Anfang Februar 2017 fast unbemerkt und daher ohne jeden Aufruhr seitens der Medien wieder mal das Energiewirtschaftsgesetz novelliert. Es wurde dabei die zuvor vom Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE) vorgeschlagene „Kaskadierung“ in geltendes Recht umgesetzt, was bedeutet, dass, bedingt durch Störungen, die durch die Flatterstromerzeugung entstehen und nicht mehr ausgeregelt werden können, Teile des Stromnetzes zwanghaft und in Kaskaden (also von klein- auf mittel- bis großräumig) vom Netz genommen, also abgeschaltet werden müssen. Die Vorwarnzeit für die lokalen Stromversorger beträgt extrem kurze zwölf Minuten, dann müssen sie handeln und Vollzug melden. Was das bedeutet, beschreibt Autor Steffen Gross von der „Wetzlarer Neuen Zeitung“ so:

„Enwag-Geschäftsführer Detlef Stein hatte im Interesse aller Stadtwerke beim Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE) Einspruch gegen die Zwölf-Minuten­-Regel eingelegt und war ab­geblitzt. Das sei für die kleineren Netzbetreiber, die üb­licherweise nicht über dau­erbesetzte Leitwarten verfügten, nicht einzuhalten, kritisierte er. Die Enwag wird sich nun mit einem Dienstleistervertrag der Ener­gienetz Mitte GmbH und de­ren beiden Umspannwerken Altenberger Straße und Rechtenbach behelfen.

Ebenfalls erfahren wollte Stein, was auf die Enwag im Fall der Fälle zukommt, welche Megawattmengen in kürzester Zeit abgeschaltet werden müssen. Doch auch dazu gab es nichts Konkretes. In zwei Testläufen war es mal um ein, dann um acht Megawatt gegangen – also rund ein Fünftel der Höchst­last von 43 Megawatt im gesamten Enwag-Netz. Der größte Einzelverbraucher in Wetzlar kommt auf ein Megawatt.“

Und weiter lesen wir: „Mit dem Abschalten ein­zelner Großkunden sei es bei acht Megawatt nicht mehr getan, sagte Stein, dann müssten komplette Stadttei­le für mehrere Stunden vom Netz genommen werden. An eine Vorwarnung der betrof­fenen Kunden sei in der Kür­ze der Zeit nicht zu denken. Die Abschaltung komme so einer Netzstörung gleich.

Dem Energiewirtschafts­gesetz zufolge sind alle Kun­den gleich, die Abschaltun­gen müssen ‚diskriminie­rungsfrei‘ erfolgen. Sensible Kunden gibt es nicht, wenn abgeschaltet wird, kann es auch Krankenhäuser, Feuer­wehr oder Polizei treffen. Nicht nur ihnen, auch In­dustrieunternehmen, Arztpraxen, Gewerbe und stark von Strom abhängigen Haushaltskunden empfiehlt der Enwag-Chef, Vorkehrungen für die Bewältigung des Stromausfalls zu treffen. Denn Schadensersatzan­sprüche schließe das Gesetz aus. Alle Kosten, ganz gleich welcher Höhe, bleiben am Verbraucher hängen.“

Fassen wir zusammen: Weil das Eingestehen von Fehlern in der Moral der Politiker nicht vorkommt, man denke nur an die lahme und vor allem für ihn kosten- und völlig folgenlose „Entschuldigung“ des Ersten Hamburger Bürgermeisters Olaf Scholz für den Schaden, den er den Hamburgern wider besseres Wissen angetan hatte, weil also niemand eingesteht, dass die Energiewende ein Riesenfehler war und ist, müssen die Verbraucher wieder mal die Zeche zahlen. Und wie das so ist, wenn man Brände mit Brandbeschleunigern bekämpft, wird der angerichtete Schaden immer größer.

Diesmal nicht nur am Geldbeutel, sondern buchstäblich an Leib und Leben. Denn das ist die unmittelbare Folge des Lastabwurfes – Zigtausende von Menschen, insbesondere die, die unserer Zuwendung besonders bedürftig sind, die Alten, die Schwachen, die Armen, die Kranken, die Babys, die Kinder, werden mit und dank dieser Politik an Leib und Leben bedroht.

Nur die wenigsten wissen, dass Krankenhäuser nur für die Intensivstationen Notstromversorgung vorhalten, und die auch nur für maximal 24 Stunden. Unlängst konnte eine Feuerwehr nicht ausrücken, weil das elektrisch betriebene Tor sich nicht öffnen ließ. Es muss wohl erst eine weitere Grenfell-Tragödie – von denen es hierzulande bereits einige gab – geschehen, bevor den Menschen die Augen aufgehen. Doch dann ist die Wahl vorbei und die Verderber sind wiedergewählt und machen ungerührt weiter.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Seite des Europäischen Instituts für Klima und Energie (EIKE).


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