01. Juni 2017

Identitäre und Antifa Finstermänner und fidele Rabauken

Bedrohliches Medientremolo

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Bildquelle: Varieté Identitaire / Youtube Im Varieté Identitaire: Till-Lucas Wessels und Melanie Schmitz

Wir sind gehalten, in Treue fest daran zu glauben, dass die Identitären ganz besonders gefährliche Gesellen sind. „In einem unauffälligen Gebäude des Verfassungsschutzes, in einer stillen Straße Magdeburgs, am Ende eines Gangs, der mit geräuschschluckendem Gummi ausgelegt ist, befindet sich eine Akte über eine junge Frau aus Halle. Name: Melanie Schmitz. Alter: 24 Jahre. Beruf: Studentin der Kommunikationswissenschaften. Verdacht: rechtsextrem“,
präludiert, ja tremoliert der „Spiegel“ sozusagen ad usum Delphini, sein Publikum auf den Auftritt der Orks einstimmend. „Schreckliches wird geschehen“ (Page zu Narraboth, „Salome“).

Die Aktionen der Finstermänner und -maiden sind spektakulär, doch bislang ist nicht eine Gewalttat der Identitären bekannt; was sie tun, war früher links und schick und nannte sich „ziviler Ungehorsam“. Dass sie staatsgefährdend schlimme Dinge fordern, etwa, wie der Name vermuten lässt, das Recht auf Identität und auf, kein Witz!, Heimat – dabei hat doch Merkel gesagt, Heimat ist dort, wo möglichst viele Menschen leben, egal woher sie kommen, wenn nur von weit her, sonst ist diese sogenannte Heimat nämlich nicht mehr ihr Land, und Schäuble sagt, Heimat ist, wo du von Moslems lernen kannst, was Toleranz ist, und wo du dich nicht abschotten darfst, weil du sonst in Inzucht degenerierst, wie Europa es die letzten 2.000 Jahre auf übelste Weise vorgemacht hat, und Maas sagt, Heimat ist dort, wo du bespitzelt wirst, wenn du was dagegen hast, dass dort möglichst viele Menschen leben –, dass sie, diese Identitätskriminellen und Heimatverbrecher also mit „völkischen“, völkervermischungshinderlichen, wenn auch nicht wirklich gundgesetzkonträren Ansichten Sand ins Getriebe der allgemeinen Buntwerdung streuen, lasen wir zuletzt da und dort, wenn nicht überall. In welcher Weise die Identitären aber gegen geltende Gesetze verstoßen, diese Information ist man uns bis heute schuldig geblieben. Mehr als das bedrohliche Tremolo war fürs erste nicht zu haben.

Ganz anders die fidelen Rabauken von der Antifa. Die brechen im Wochentakt Gesetze und verletzen Beamte oder „Rechte“, beschmeißen Polizisten mit Steinen, demolieren die Unterschlupfe und Neidhöhlen von Falschmeinern, eilen der Masi hilfreich zur Seite, wenn AfD-Hetzer das längst anachronistisch gewordene Recht auf Versammlungsfreiheit zu instrumentalisieren wagen. Nie lasen wir oder hörten von Merkel, Maas, Schwesig oder Stegner, diese Lausbuben seien eine Gefahr für die Bunte Republik, diese Frechdachse stünden im Verdacht, schlimme Linksextremisten zu sein, denn was wäre das auch für ein Verdacht, wenn er, zumindest auf der Sympathisantenebene, gegen die halbe Regierung der Hauptstadt oder die Thüringens ebenso erhoben werden könnte? Es handelt sich schließlich um die Kinder des eigenen, des rotgrünen Milieus, da muss man differenzieren, den Spreu vom Weizen trennen, sich Strategien des Miteinander ausdenken, deeskalieren, das Kind nicht mit dem Bade ausschütten, die guten Absichten erkennen, und vor allem: alimentieren.

In der Rigaer Straße in Berlin haben diese Buschmänner jetzt Polizeibeamte mit einem simulierten Brand in einen Hinterhalt gelockt, um sie dort mit Steinen zu bewerfen – im „Taz“-„Spiegel“-„Zeit“-Sprech: „Es flogen“ Steine –, was in der Hauptstadt der DDR 2.0 offenbar möglich ist, ohne im Gegenzug wenigstens ein Gummigeschoss zwischen die Zähne zu bekommen. (Man male sich aus, wie die Sache mit texanischen Cops ablaufen würde.) Nie liest man, dass einer dieser Gratismutigen dafür bestraft worden ist, dass er Staatsbeamte, also Personen, die den Staat unter anderem vor den Identitären schützen sollen, vorsätzlich verletzt und sogar ihren Tod in Kauf genommen hat (das AfD-Pack wird man ja wohl ungestraft attackieren dürfen, das hat der Stegner schließlich gesagt). Und genau so werden auch die jetzt gebrauchten und stracks als unverhältnismäßig kritisierten Kraftworte („Linksfaschisten ausräuchern“) verhallen, denn diese sogenannte Antifa ist staatlich gewollte Drohkulisse im „Kampf gegen rechts“, wird indirekt mit staatlichen Geldern gefördert, unterhält Kontakte und genießt Unterstützung bis weit hinein ins Grüne und Hellrot-Küstenbarbarische beziehungsweise -barbirinische. Aber immer wieder die Frage: Wer wählt so was?

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Acta diurna“.


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