20. Mai 2017

Verschwörungstheorien über „Umvolkung“ Mit Eid gegen das Volk

Wer verschwört sich gegen wen?

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Bildquelle: shutterstock Sie sind unter uns: Verschwörer

Das Wort „Verschwörung“ ist eine Übersetzung der zusammengesetzten lateinischen Worte „con“ und „iuratio“, was soviel bedeutet wie „mit Eid“. Es war die Bezeichnung für Verbindungen von Personen durch Schwur zu etwas Üblem (Wikipedia). Definiert wurde dieses Übel in der Regel von der Obrigkeit, was im Umkehrschluss bedeutet, dass Verschwörer stets solche waren, die sich gegen ebendiese Obrigkeit richteten. Und es ist nur logisch, dass Machthaber sich den Begriff zunutzemachten und jene als Verschwörer, heute Verschwörungstheoretiker diffamierten, verfolgten und ruinierten, die ihnen lästig oder gar gefährlich wurden.

Im Zuge der erfolgreichen Trennungsanstrengungen des Staates, der sich in den entstehenden Lücken, Löchern und Gräben (zwischen Mann und Frau, Eltern und Kindern, Arbeitgebern und Arbeitnehmern, Kranken und Gesunden, Alten und Jungen, und so weiter) breit machen kann, hat der Begriff zu neuer Wichtigkeit gefunden und stellt eine Art Demarkationslinie zwischen aus offizieller Sicht krankem und gesundem Gewebe der Gemeinschaft mit Namen „Volk“ dar. Vor Krankheit fürchtet man sich. Vor der Anwendung des V-Begriffs auf die eigene Person ebenso: Sie ist gleichzusetzen mit geistigem Aussatz, Ausgrenzung, Preisgabe an das Nichts oder an den Pöbel.

Das mag hart sein – aber es funktioniert. Wer sich auch nur einmal kurz im selben Raum mit dem Stempel des „Verschwörungstheoretikers“ aufgehalten hat, ist aus dem Himmelreich harmonischer Mehrheitsherden ausgeschlossen. Oft können wirtschaftlicher Erfolg und soziales Leben als erledigt abgehakt werden.

Bei der potentiellen Härte, die solche gemeinschaftlichen Aktionen feigen Muts für eine Person oder eine Familie bedeuten können, ist es umso erstaunlicher, dass die Sache auch dann wie auf Kommando funktioniert, wenn es um nachprüfbare Ideen, Konzepte und Forschungsergebnisse nationaler und supranationaler quasi geheiligter Institutionen geht, die belegen, dass die Verschwörungen per Eid zu Üblem auf einer ganz anderen Ebene stattfinden als in den Niederungen des Wahlviehs. Es sind Verschwörungen einer privilegierten Beamten- und Funktionärskaste zum ausschließlich eigenen Besten.

Als Beispiel soll hier der Migrationsplan der UN aus dem Jahr 2000 (!) dienen. Es fängt schon beim Titel an: „Ersatzmigration“ ist okay, Umvolkung ist Verschwörungstheorie, wahlweise und gern auch Hetze, Hass oder Häresie. Natürlich ist der Begriff bitterst zynisch – aber eben im besten Sinn: bellend, kläffend, beißend und punktgenau dort, wo es wehtut. Zum zweiten: Das Wort „Flüchtlinge“ kommt im ganzen Text nirgends vor. Es ist ausschließlich von „Migranten“ und „Einwanderern“ die Rede und von den gewaltigen Anstrengungen und Herausforderungen, die es bedeutet, die zum Ersatz „notwendigen Ströme in Bewegung zu setzen“. Und last but not least: der Widerspruch zwischen dem Eid, den Inhaber politischer Ämter leisten, demzufolge sie zum Wohle des Volkes zu handeln gedenken, während Konzepte ihnen nahestehender Kreise schlicht und einfach vom Ersatz ebendieser Völker bis 2050 ausgehen (für Deutschland 80 Prozent Migrantenanteil). Wie bitte kann man zum langfristigen Wohl und Erhalt eines Volkes arbeiten, das es in Zukunft gar nicht mehr geben soll? Zumindest nicht in seiner originären Form? Wer genau verschwört sich denn hier gegen wen? Vorschlag? Irgendjemand?

Aber der Reihe nach: Die Basis des Migrationsplans bildet die Tatsache, dass die Bevölkerungen der meisten industrialisierten (und sozialisierten) Länder nicht nur abnehmen, sondern vor allem auch überaltern. Dabei schrumpft der erwerbstätige Teil der Bevölkerung schneller als die Gesamtbevölkerung, was zu einer konstanten Senkung der Unterstützungsquote führt. Wenn 1995 noch zwischen vier und fünf Personen für eine alte Person aufkamen, rechnet die Studie mit einer dramatischen Verschlechterung dieses Verhältnisses, was durchaus realistisch ist. Nicht erwähnt wird in der Studie das groteske Ausmaß der heutigen Sozialleistungsquote der untersuchten Staaten, die sich im Fall Deutschlands beispielsweise auf rund 29,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts oder 921 Milliarden Euro (2015) beläuft und die das „soziale Rundumpaket“ mit Abhängigkeits-Features wie Kindergeld, Erziehungshilfe, sozialpädagogischer Familienhilfe, Eingliederungshilfen und so weiter enthält. Dies im Hinterkopf behaltend müssen die Zahlen, von denen die Migrations-Planer ausgehen, entsprechend angepasst, sprich: erhöht werden.

Bei der Lektüre wird sehr schnell klar: Es geht nicht um die Schrumpfung der Bevölkerung an sich. Es geht ausschließlich um die Schrumpfung der erwerbstätigen Bevölkerung, deren Hauptqualifikation jene ist, dass sie mit Arbeitsleistung und Lebenszeit Geld verdient, von dem sie den größten Teil an den Staat abliefert. Man kann dies gut oder schlecht finden – es ist Tatsache, und nur das ist die primäre Sorge der planenden Oberen. Denn ebenso ist es eine Tatsache, dass, wenn die Erwerbsquote sinkt, vielleicht sogar die Wirtschaft schrumpft, nicht in erster Linie die arbeitende Bevölkerung leidet – im Gegenteil, es könnte mehr und bessere Jobs geben, und die Wirtschaft würde sich genau jene Menschen im In- und Ausland „holen“, die sie braucht und die sich anpassen wie immer, wenn man sie lässt –, sondern der Staat. Der Staat und nichts anderes ist gefährdet, wenn man die Entwicklung der Bevölkerungszahlen nicht steuert. Aller Dekadenz zum Trotz traue ich es unserer Gesellschaft, den Familien, Vereinen, Freundeskreisen und Dörfern auch heute noch zu, für „ihre“ Alten und Behinderten zu sorgen, sollte von einem Tag auf den anderen die entsprechende „Sozial“leistung wegfallen. Die einzigen wirklichen Verlierer wären die Hunderttausenden von privilegierten Beamten und Funktionären, die ausschließlich auf dem Rücken der Erwerbstätigen existieren können. Fallen die Erwerbstätigen weg, fallen sie schlicht und einfach vom Regal. So einfach ist das.

Aber weiter im Text. Der Migrationsplan stellt fest, dass nebst den „erforderlichen Migranten“ auch weitere politische Maßnahmen und Programme notwendig sein werden, um die Kohle von den Erwerbstätigen in Richtung Staat und von dort an dessen Günstlinge zu verteilen. Das Rentenalter muss erhöht werden auf mindestens 75 Jahre, die Renten- und Krankheitsleistungen müssen abgebaut und die Höhe der Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge für die Sozialversicherungen erhöht werden.

Aber vor allem und wie der Titel klarmacht, müssen „Programme betreffend die internationale Wanderung und die Eingliederung großer Zahlen neuer Einwanderer“ lanciert und umgesetzt werden, um „die Lebensfähigkeit der Systeme der sozialen Sicherung“ zu garantieren. Die Einwandernden müssen zudem „jung sein“, da ansonsten „ihr Fortpflanzungswert abnimmt“ und „das Gleichgewicht zwischen der arbeitenden und der abhängigen Bevölkerungsgruppe unter einem Regime nicht bewahrt“ werden kann. Das Arbeitspapier, das sich auf Studien aus verschiedenen Ländern aus den Jahren 1986 (!) bis 1995 stützt, stellt auch klar, dass „mit einer deutlichen Veränderung der Gastländer durch hohe Zuwanderung und durch die große Fruchtbarkeit der Zuwandernden gerechnet werden“ muss. Ohne es zu erwähnen, wird mit diesem letzten Satz auch dem letzten Multikulti-Romantiker klar, aus welchen Teilen der Welt diese Zuwanderung ausschließlich erfolgen wird.

Zu den Zahlen. Das Papier zeichnet sechs Szenarien auf (obwohl in der Einleitung nur von fünf die Rede ist). Die Szenarien eins bis drei kann man getrost beiseitelassen, weil wir sie heute bereits „überholt“ haben. Die Migrationsströme, die gemäß Papier zur Erreichung der obigen Ziele notwendig sind, seien sehr schwer zu realisieren und erforderten eine strenge Kontrolle des Prozesses. Es sind jene Zahlen, mit denen wir aktuell zu tun haben, und sie sind in Szenario fünf und sechs enthalten.

Szenario Nummer fünf für Deutschland geht von einer Unterstützungsquote im Verhältnis drei zu eins bis 2050 aus. Um dies zu erreichen, muss die Gesamtbevölkerung auf rund 113 Millionen steigen bei einem Migrantenanteil von 54,4 Millionen oder 48 Prozent, was einer Mindestzuwanderung von gut zehn Millionen Menschen pro Jahr entspricht.

Szenario Nummer sechs rechnet mit einer Wunsch-Unterstützungsquote im Verhältnis 4,4 zu eins, was die Erhöhung der Gesamtbevölkerung auf 299 Millionen bei einem Migrantenanteil von 80 Prozent bedingt.

Für die EU sieht der Plan eine Verdreifachung der Gesamtbevölkerung bis 2050 bei einem Migrantenanteil von 75 Prozent vor.

So. Und als wär‘s noch nicht schauerlich genug, jongliert die Studie zum Schluss noch etwas mit Zahlen, die dem jetzt nicht mehr zu schockierenden Leser nahelegen, dass die Alten ein gewaltiges Problem darstellen dadurch, dass eine alte Person zweieinhalb Mal mehr kostet als ein Kind und Jugendlicher mitsamt allem pädagogischen Drumherum bis zum 20. Lebensjahr. Vor diesem Hintergrund erschrecken einen dann auch nicht mehr Studien wie etwa jene, die im offiziellen Organ der kanadischen Ärztekammer, dem „Canadian Medical Association Journal“, publiziert wurde und die sich mit der „Kostenanalyse von medizinischer Sterbehilfe“ befasst und aufzeigt, wie günstig sich Töten auf Verlangen und assistierter Suizid auf die Sozialhilfe- und Gesundheitskosten eines Staates auswirken. Dass der Staat via Gewaltmonopol außerdem durchaus in der Lage ist, jeden Einheimischen oder Fremden, der noch Lebenszeichen von sich gibt, in Lohn und Brot zu zwingen, braucht nicht weiter ausgeführt zu werden.

Aber lassen wir das. Das ist Verschwörungstheorie. Wichtig ist den Autoren zum Schluss noch dies, dass die „Migration als Teil des globalen Globalisierungsprozesses“ gesehen werden muss, der stattfindet und der „den wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Charakter der Sender- und Empfängerländer beeinflussen“ wird und muss, was durchaus „zu sozialen Spannungen führen“ kann.

Wer also behauptet, Umvolkung sei eine Idee von Spinnern, Extremen, Größenwahnsinnigen oder sonst irgendwie gebrandrodeten, der hat recht und liegt nur in einem Punkt falsch: Er verortet die Organisatoren des Übels am falschen Ort. Es sind jene, die da sagen: „So etwas wie eine französische Kultur gibt es nicht“ (Macron) – und die gewählt werden. Trotz alledem oder für das kurze Glück rhetorischer Abschiebe-Höhepunkte, die man indes ruhig unter Wahlkampf und Stimmenfang abbuchen kann. Oder einfach unter Betrug.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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