17. Mai 2017

Recht auf Waffenbesitz Scheiß auf Frauenquote – Ich will ne Knarre!

Warum das allgemeine Recht, Schusswaffen zu tragen, der letzte notwendige Schritt auf dem Weg zur Emanzipation der Frau ist

Artikelbild
Bildquelle: shutterstock Vollendung der Emanzipation: Waffenbesitz

Ja, es stimmt: Ich hätte gerne eine Schusswaffe. Mehr noch: Ich hätte gerne das Recht, diese Schusswaffe ständig bei mir zu tragen – auch in der Öffentlichkeit. Natürlich möchte ich dieses Recht nicht nur für mich, sondern auch für jeden anderen volljährigen Bürger. Wer solche Forderungen äußert, der gilt hierzulande als Exot. Wir Deutschen haben eben einfach keine Kultur des Bewaffnetseins entwickelt. Wie auch? Schließlich war uns dieses Recht in der Geschichte niemals ausdrücklich gegeben.

Aber mein Anliegen ist nicht staatsphilosophischer, sondern rein feministischer Natur. Um das zu erklären, erlauben Sie mir zunächst, mich kurz zu beschreiben: Ich bin weiblich, 26 Jahre alt, 165 Zentimeter groß und 55 Kilo schwer. Okay, okay ... 57 Kilo! Warum gebe ich Ihnen diese Daten von mir? Weil ich möchte, dass Sie sich ein Bild von meiner körperlichen Erscheinung machen können. Und ob Sie wollen oder nicht, genau das haben Sie gerade getan. Was Sie sehen, ist ein junges, schlankes, ganz normales Mädchen.

Jetzt kommen wir zu dem Mann an meiner Seite: Er ist Ende 30, 194 Zentimeter groß und wiegt bei hohem Muskelanteil um die 100 Kilogramm. Selbst wenn seine militärische Ausbildung und sein jahrelanges Kampfsporttraining nicht wären, muss man kein Sportkommentator sein, um vorherzusagen, wer von uns beiden eine körperliche Auseinandersetzung gewinnen würde. Seine Maße sind zwar nicht gerade repräsentativ, aber selbst der durchschnittliche deutsche Mann ist zwölf Zentimeter größer und fast 30 Kilo schwerer als ich. Wer sich im Kampfsport auskennt, der weiß, dass das ein kaum zu kompensierender Vorteil ist.

Natürlich gibt es auch große starke Frauen und kleine schwache Männer. Aber das sind Ausnahmen. Wenn ich also ab jetzt von „der Frau“ oder „dem Mann“ spreche, dann meine ich damit den Regelfall. Und im Regelfall ist der weibliche Körper kleiner und schwächer als der männliche. Außerdem ist er nicht für den Kampf geschaffen. So sind die Handgelenke einer Frau schmaler und an den Außenseiten schwächer bemuskelt. Würde ich also einen kräftigen frontalen Faustschlag gegen den Brustkorb (oder realistischer gegen den Bauch) meines Partners ausführen, wäre die Wahrscheinlichkeit, mir die Hand zu verletzen, größer als die, ihm einen spürbaren Schaden zuzufügen. Kurz gesagt: Außerhalb Hollywoods gewinnen Frauen nur sehr selten Faustkämpfe gegen männliche Kontrahenten.

Jetzt könnten Sie sich fragen, warum ich überhaupt ein Problem mit der allgemein bekannten Tatsache habe, dass die durchschnittliche Frau dem durchschnittlichen Mann körperlich unterlegen ist. Immerhin schreiben wir das Jahr 2017 und pflegen unsere Konflikte nicht mehr durch Schlägereien auszutragen. Nun, für den absoluten Großteil unserer Gesellschaft gilt das unbestritten. Der Rest findet sich in der Polizeistatistik unter der Rubrik „Straftaten gegen das Leben und die körperliche Unversehrtheit“ wieder. Die entsprechenden Fallzahlen nehmen derweil keinesfalls ab, sondern steigen im Gegenteil rasant an. Dabei sind die Männer typischerweise auf der Seite der Täter und die Frauen auf der Seite der Opfer.

Das ist schlicht eine Sache der Logik: Das Interesse daran, einen Konflikt auf körperlicher Ebene auszutragen, hat stets nur der Stärkere, statistisch gesehen also der Mann. Während der schwächere Part, also die durchschnittliche Frau, gerade im privaten Umfeld keine Möglichkeit hat, sich einer körperlichen Auseinandersetzung zu entziehen, wenn sie ihr aufgedrängt wird. Damit keine Missverständnisse aufkommen, möchte ich betonen, dass ich Männer nicht für gewalttätig halte. Schließlich entscheidet sich nur eine sehr kleine Minderheit unter ihnen dafür, die körperliche Überlegenheit je gegen eine Frau einzusetzen.

Aber genau das ist der springende Punkt: Es liegt in der Entscheidung der Männer. Wann immer ein Mann in meiner Nähe ist, bin ich darauf angewiesen, dass er seine körperliche Stärke nicht ausnutzt. Wenn man sich diese Tatsache einmal vor Augen geführt hat, kann sie einem ein gewisses Unwohlsein bereiten. Und zwar gerade dann, wenn man weiß, dass einen der Kollege in der Cafeteria natürlich nicht aus der Schlange schubsen und der Chef einem im Fahrstuhl keinen Geschlechtsverkehr aufzwingen wird. Man könnte sich dann aber bei dem Gedanken erwischen, den Herren der Schöpfung für die großzügige Nichtausnutzung der weiblichen Schwäche irgendwie dankbar sein zu müssen. Die Friedfertigkeit gegenüber einem Schwächeren hat doch immer etwas Gönnerhaftes. Unter solchen Voraussetzungen kann man sich nicht auf Augenhöhe begegnen.

Wie genau kann bei diesem mentalen Dilemma jetzt aber das Recht auf Waffenbesitz helfen? Eine Schusswaffe nimmt dem Starken seinen Vorteil und dem Schwachen seinen Nachteil. Damit ist sie der ultimative gesellschaftliche Equalizer, ein „Gleichmacher“. Der Effekt wirkt auf jedes zwischenmenschliche Machtgefälle ausgleichend – nicht nur auf das zwischen Mann und Frau. Angesichts der tödlichen Gefährlichkeit einer Kugel ist körperliche Kraft bedeutungslos. Und dabei geht es keinesfalls darum, die Waffe tatsächlich zu benutzen. Sondern es geht um die veränderte Haltung der Menschen in einer Gesellschaft, in der theoretisch jeder bewaffnet sein kann. Es ist vielleicht etwas ungewohnt, darin ein Mehr an Gerechtigkeit zu sehen, aber wagen wir das Gedankenexperiment: Wieviel riskanter wäre es für eine Gruppe Neonazis, ein Schwulenpaar anzugreifen? Oder für einen Straßenräuber, eine alte Dame zu überfallen? Oder für einen Triebtäter, eine Passantin zu attackieren? Oder für den Ehemann, seine Frau zu verprügeln?

Wer von uns müsste denn seine Art, durchs Leben zu gehen, überdenken? Doch nicht der Alte, nicht der Friedliche, nicht der Schwache, nicht der Behinderte, nicht der Obdachlose … und natürlich nicht die Frau. Denn von denen hat ja schon heute keiner ein Interesse an körperlichen Auseinandersetzungen. Für mich als Frau würde es bedeuten, dass ein Mann nur noch über sein eigenes Schicksal und nicht länger über meines entscheidet, wenn er sich entschließen würde, mir Gewalt anzutun. Für die Männer würde es bedeuten, dass sie auf Eskalation und Gewaltanwendung verzichten müssen. Nicht verzichten können, sondern müssen. Um sich selbst zu schützen. Ihre Friedfertigkeit wird die Friedfertigkeit von Starken gegenüber Gleichstarken sein und jede Gönnerhaftigkeit verlieren. Und für den Geschlechterkampf bedeutet es, dass Mann und Frau endlich nicht mehr nur gleich an Rechten, sondern auch gleich an Möglichkeiten sind. Und diesen Zustand nennt man dann Emanzipation.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog der Autorin.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Dossier: Waffen

Mehr von Franziska Schreiber

Über Franziska Schreiber

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige