17. Mai 2017

Sea Watch und die libysche Küstenwache Auf ideologischer Mission

Aktivisten und ihre gefährliche Selbstverwirklichung

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Bildquelle: shutterstock Von Schleppern übers Meer gebracht: Flüchtlinge

Politische Aktivisten sind die Schattenregierungen unserer Zeit. Es handelt sich dabei in aller Regel um private Organisationen, die freilich recht üppig mit öffentlichen Geldern unterstützt werden. Manchmal finanzieren sie sich auch ohne die Mithilfe der Steuerzahler, was sie keineswegs davon befreit, dass man ihr Treiben genau verfolgen sollte. Denn nicht immer sind die selbsterklärten Guten auch gut für die Gesellschaft. Zu oft definieren nämlich die Aktivisten ganz allein, was „gut“ ist, und verlieren dabei aus dem Blick, dass ihr enger ideologischer Fokus mehr Schaden als Nutzen stiftet. Dennoch dürfen sie sich auf die Rückendeckung der Bevölkerung verlassen, die weder Motive noch Methoden hinterfragt. Wer im 21. Jahrhundert im Gewand des Guten daherkommt, hat leichtes Spiel bei einer Öffentlichkeit, die sich allzu leicht einlullen lässt von Schlagworten wie „Klimarettung“, „humanitäre Hilfe“ oder „Kampf gegen rechts“. Der Klang dieser Begriffe sorgt bei den meisten Menschen dafür, dass eine der beiden Gehirnhälften ihre Tätigkeit vorübergehend einstellt. So dürfte auch die aktuelle Kontroverse um die Nichtregierungsorganisation Sea Watch beim breiten Publikum eher zum Verteidigungsreflex führen. Da hatte doch tatsächlich ein Schiff der libyschen Küstenwache fast das Fischerboot der Seenotretter gerammt. Wer nicht mehr wissen will, kommt schnell zu dem Schluss, dass ein Bürgerkriegsland, vor dem die Menschen flüchten, nun auch Jagd auf ehrenamtliche Helfer macht, die Flüchtlinge retten.

Im Grunde unterstützt Sea Watch das Geschäft der Schlepper, die mit auswanderungswilligen jungen Nordafrikanern Millionen verdienen

Nun, so einfach ist die Sache nicht. Offen gesagt stellt sie sich bei genauer Betrachtung gänzlich anders dar. Denn in diesem Drama verschwimmen die Rollen der „Guten“ und der „Bösen“ schnell. Was Sea Watch vor der Küste Nordafrikas treibt, ist im Grunde nämlich nichts anderes als die Unterstützung der Schlepper, die mit auswanderungswilligen nordafrikanischen Männern Millionen verdienen. Eben dies ist der Hauptvorwurf, der die Aktivisten von Sea Watch begleitet. Die italienische Staatsanwaltschaft vermutet gar eine aktive Zusammenarbeit mit den Schlepperbanden. In jedem Fall ist das Aufsammeln Zehntausender „Flüchtlinge“ in Afrikas Gewässern mit Verschiffung nach Europa eine zehntausendfache Werbekampagne für das Geschäftsmodell skrupelloser Menschenhändler. Ohnehin darf man den Punkt nicht übersehen, dass sich die allermeisten „Geretteten“ aus wirtschaftlichen Gründen selbst in Seenot gebracht haben. Denn was 2015 noch zaghaft formuliert und mit der „Nazikeule“ erschlagen wurde, ist inzwischen längst Alltagswissen: Unter den Millionen von Migranten, die Europa erreichen, befinden sich nur wenige wirkliche Flüchtlinge. Die überwiegende Zahl der Zuwanderer – das traut sich heute auch die Bundesregierung zu sagen – hat ihre Länder verlassen, um irgendwie an Geld zu kommen, das sie an die zurückgelassenen Familien in der Heimat schicken kann. In Deutschland geht dies aufgrund großzügig gehandhabter Asylgesetze und umfangreich ausgestalteter Sozialsysteme besonders gut.

Junge Männer dem eigenen Land zu erhalten, ist humanitäre Hilfe – nicht die Selbstverwirklichung irgendwelcher Aktivisten

Sea Watch stört das nicht. Getrieben von der Utopie einer grenzenlosen Welt, in der alle alles überall dürfen, halten sie sich nicht mit der Frage auf, wie etwa ein Sozialstaat finanziert werden soll, der die Empfänger seiner Wohltaten nicht mehr selbst bestimmen kann. Verwundern muss das nicht, lässt doch der deutsche Sea-Watch-Sprecher Ruben Neugebauer in Interviews durchblicken, dass er sich keinen Deut darum schert, auf eigenen Füßen zu stehen. Stattdessen hat der Erz-Grüne sich in jungen Jahren entschieden, sein Leben seinen Idealen zu widmen und sein Hobby „Aktivist“ zu seinem Beruf zu machen. Aktuell studiert er ein wenig. Was dann mal wird? Wer in Deutschland lebt, muss sich darum keine Sorgen machen – das Geld fließt immer irgendwoher. Genug fleißige Menschen, von denen man leben kann, gibt es. Und so kann man sich munter der eigenen Ideologie widmen, die von anderen bezahlt wird. Die libysche Küstenwache sammelt die „Flüchtlinge“ übrigens vor der eigenen Küste ein und bringt sie sicher zurück ans Festland. Sie leistet damit einen wichtigen Beitrag dazu, den Schleppern das Geschäft zu zerstören, und sorgt außerdem dafür, dass arbeitsfähige junge Männer dem eigenen Land in einer schwierigen Phase des Neuaufbaus erhalten bleiben, um die Dinge irgendwann zum Besseren zu wenden. Das ist humanitäre Hilfe – nicht die Selbstverwirklichung irgendwelcher Aktivisten, die sich im deutschen Fürsorgestaat gemütlich eingerichtet haben!

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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