08. Mai 2017

eigentümlich frei heimlich bei Google News ausgelistet? Schritt für Schritt

Der leise beschrittene Weg zur medialen Gleichschaltung

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Bildquelle: shutterstock Helfen Sie uns bei der Werbung: Interessierte Damen (na gut, auch Herren), bitte melden!

Manchmal erscheint einem das Leben wie ein Film, in dem die einzelnen Kapitel des Drehbuchs aufeinander aufbauen. Mitte April gab ich der neuen österreichischen Zeitschrift „Frank & Frei“ ein Interview, in dem ich gefragt wurde: „Ein gewisser Gerald Hensel, ein mittlerweile ehemaliger Mitarbeiter der Agentur Scholz & Friends, zu deren Kunden deutsche Ministerien und die EU-Kommission zählen, hat unlängst versucht, werbetreibende Unternehmen moralisch zu erpressen, nicht bei Medien zu werben, die aus Hensels Sicht rechts sind. Waren Sie von diesem Boykottaufruf betroffen?“ Ich antwortete, kurz gesagt: „Ja.“ Das Magazin fragte nach: „Mit welchen Schwierigkeiten und Widerständen hat man als Herausgeber einer Zeitschrift zu kämpfen, die sich nicht immer im vorgegebenen politisch korrekten Meinungskorridor bewegt?“ Ich antwortete eher allgemein: „Mit der systematischen Denunziation und Zerstörungswut der Gegner.“

Ein paar Tage später, in der letzten April-Woche, wurde es mal wieder konkret. Nachdem wir uns selbst für eine geplante kleine ef-Werbekampagne nach den Konditionen beim Internet-Banner-Vermarkter und -Vermittler Ligatus – einem Konkurrenten der Google-Banner – erkundigten, teilte man uns zuerst mit, dass keine Werbung mit unseren Botschaften angenommen werde, ein paar Stunden später wurde die seit knapp zehn Jahren (und zunehmend besser) laufende Ligatus-Plazierung auf der ef-Homepage gekündigt – man gab uns zwei Tage Zeit, die eigene Seite umzuprogrammieren.

Anfang Mai nun wurde eine böse Vermutung zur annähernden Gewissheit (wer einmal versucht hat, von einem der Internet-Riesen als Kunde eine konkrete Auskunft zu bekommen, der weiß, welche Zweifel ich in dieser kafkaesken Situation der offenbar beabsichtigten Ungewissheit meine): Beim größten deutschen Nachrichtenaggregator Google News wurde eigentümlich frei – auch geschätzt nach vielleicht zehn Jahren – still und heimlich ausgelistet. Niemand wurde informiert, weshalb es auch zunächst keinem auffiel. Doch die Auslistung (sofern es nicht doch ein technischer Fehler ist) muss Mitte April erfolgt sein – zu der Zeit, als ich auf eine konkrete Frage noch eher allgemein antwortete. Manchmal hält das Leben auch gute Pointen bereit.

Wir haben dann mal nachgeforscht – und siehe da, es traf nicht ef alleine, man ging offenbar gezielt nach einer Liste vor. Wie sich herausstellte, wurde Mitte April nicht nur eigentümlich frei bei Google News ausgelistet, sondern auch die Zeitschriften „Blaue Narzisse“ und „Sezession“ (sowie womöglich auch andere Seiten). Von diesen drei Anbietern verbreitete Nachrichten, die ein breites, teilweise auch widersprüchliches Meinungsspektrum von libertär bis identitär abdecken, sind für Google News nun nicht mehr existent. Sie als Leser werden vergeblich danach suchen.

Die Luft wird dünner in Deutschland. Jeden Tag. Die Internet-Giganten Google, Amazon, Facebook oder Wikipedia werden eine nach der anderen „gesäubert“. Die Firmen lernen, nach den politischen Wünschen und Vorgaben der Apparate flexibel dienstbar zu sein – in China verschwinden andere unbequeme Stimmen als in Deutschland –, aber der Mechanismus ist immer derselbe. Der Eintrag über ef auf Wikipedia wurde bekanntlich bereits vor einigen Jahren systematisch frisiert. Sperren bei Facebook sind längst alltäglich. Bücher der Kollegen aus Schnellroda, die jetzt von der Google-News-Sperre mit „Sezession“ auch betroffen sind, werden auf Amazon nicht angeboten. Was mit dem unbequemen Autor Akif Pirinçci passierte, ist bekannt. 

Es gibt bereits politisch nicht korrekte Internetangebote, die auf Google überhaupt nicht zu finden sind. Das wäre irgendwann der nächste Schritt, der auch eigentümlich frei treffen kann. All diese „Maßnahmen“ (oder sollten wir sagen: „Maasnahmen“) werden uns nicht verstummen lassen, sie machen mich nur wütend. Am Ende werden wir eigene alternative Strukturen in allen genannten Bereichen aufbauen müssen, soviel Marktwirtschaftler (und Marktoptimisten) wollen wir gerne sein. Aber das kostet Aufwand, Zeit und nicht zuletzt viel Geld. Wir werden das nur gemeinsam stemmen können, wenn Sie, verehrte Leser, uns dabei unterstützen. Indem Sie für uns werben statt Ligatus, Google und Konsorten. Oder auch indem Sie direkt mit einer Spende helfen.

Die nun fehlende, von Ligatus vermittelte, Werbung auf unserer Internetseite brachte monatlich 150 bis 400 Euro ein. Wie sehr uns die Google-News-Abschaltung schadet, kann ich noch nicht beziffern. Und mit weiteren Schikanen ist wie gesagt zu rechnen, da sollten wir vorbereitet sein. Ich bin dennoch optimistisch. Denn offenbar werden auch und gerade unsere an der Wurzel der Probleme nagenden libertären Ideen von der politmedialen Herrscherkaste für besonders gefährlich erachtet. Zeigen wir ihnen, dass sie das zu Recht vermuten, dass sie unsere Informationen, Hintergründe und Meinungen aus guten Gründen fürchten. Helfen Sie uns, bitte! Jetzt erst recht!

Ach ja, die letzte Frage des Magazins „Frank & Frei“ an mich lautete: „In Deutschland bastelt man an einer Art Orwellschem Wahrheitsministerium – was kommt da auf uns zu?“ Ich gab die Antwort: „Es ist ein Wettlauf mit der Zeit. Die Opposition gegen den um sich greifenden Wahnsinn wächst, aber das macht sie nur noch wütender und gefährlicher. Es wird knapp, und wenn die andere Seite sich durchsetzt, dann gnade uns Gott!“


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