03. Mai 2017

Satire darf eben doch nicht alles Karikaturist Götz Wiedenroth von Ausstellung in Flensburg „befreit“

Ein exemplarischer Fall zum Status der Presse-, Meinungs- und Kunstfreiheit in Deutschland

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Bildquelle: eigentümlich frei Götz Wiedenroth: Selbstportrait

Eine für den 16. Mai 2017 geplante Ausstellungseröffnung in Flensburg, Schleswig-Holstein, wurde von der Europa-Universität Flensburg überraschend abgesagt. Vorausgegangen waren Berichte in der lokalen Presse, die ihre Berichterstattung zum „Protest gegen die umstrittene Ausstellung“ auf einen einzigen anonymen Twitter-Denunzianten mutmaßlich aus der A-Faschisten-Szene stützte. So etwas reicht heute schon aus für eine Stellungnahme einer deutschen Universität wie die folgende der Uni Flensburg vom 2. Mai 2017: „Die für den 16. Mai angekündigte einwöchige Ausstellung des Karikaturisten Götz Wiedenroth im Modul1 der Europa-Universität Flensburg wird nicht stattfinden. An der Europa-Universität, die sich in ihrem Leitbild auf Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit und Vielfalt verpflichtet hat, gibt es keinen Raum für antisemitische, fremden-, frauen- und islamfeindliche Inhalte. Die Karikaturen von Götz Wiedenroth machen sich für Positionen stark, die an der EUF keine Heimat haben; die Universität ist nicht bereit, diese Positionen durch eine Ausstellung zu unterstützen.“

Wiedenroth selbst, der auch schon zahlreiche Karikaturen für eigentümlich frei zeichnete, äußert sich zu dem Vorgang mit einer Stellungnahme gegenüber eigentümlich frei wie folgt: „Die politische Korrektheit in Deutschland lässt auch hier ihre pluralistische Maske fallen und zeigt ihre wahre totalitäre, floskelspeiende Fratze. Im Jahre 2017 wohlgemerkt, nicht 1937. Der Gesinnungsterror der politischen Korrektheit kippt vorliegend ein Ausstellungsprojekt mit kritischer Graphik, die die medialen Herrschaftsinstrumente eben dieser Korrektheit thematisieren will. Die für die Ausstellung vorgesehenen Karikaturen wie auch meine Karikaturen überhaupt sind keineswegs – wie vorstehend insinuiert – antisemitisch, fremden-, frauen- oder islamfeindlich, sondern machen sich über die diesbezüglichen heiligen Kühe der herrschenden politischen Macht lustig – nicht mehr. Das ist das vornehmste Recht und die elementare Aufgabe des Kulturguts politische Karikatur. Wir erkennen heute: Das gesellschaftliche Klima in der BRD lässt eine Ausstellung mit kritischer Graphik nicht mehr ohne weiteres zu, wenn hierdurch die Machtinteressen der Herrschenden und damit die Ruheinteressen ihrer Untergebenen berührt werden könnten. Das Lackmuspapier zur Indikation von Totalitarismus in dieser Gesellschaft beginnt sich bedenklich zu verfärben. Von Gerechtigkeit, Vielfalt und Nachhaltigkeit gegenüber abweichenden Meinungen kann immer weniger die Rede sein.“


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