28. April 2017

Veranstaltung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zur Energiewende „Energiepolitischer Dialog“ wird zum Monolog

Ohne das „zweite Stromsystem“ wäre alles in Ordnung

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Bildquelle: A. Aleksandravicius / Shutterstock.com Überschätzt: Elektroautos

Alljährlich – manchmal auch öfter – veranstaltet der Energiebeauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Thomas Bareiß, einen „Energiepolitischen Dialog“. Der vorerst letzte fand am 24. April 2017 im Fraktionssaal im Deutschen Bundestag statt. Ich durfte mal wieder dabei sein und mir die Reden anhören, aber nichts dazu sagen. Das sei hier nachgeholt.

Insgesamt trugen vier hochkarätige Impulsredner aus der Wirtschaft sowie die Abgeordneten Kauder, Nüßlein und Bareiß sowie Bundeskanzlerin Merkel ihre Ansichten und Ideen zum Thema „Die Energiewende wirtschaftlich gestalten“ vor.

Merkels Credo, das sie bei ihrer Rede äußerte: „Nicht jeder Generation ist es gegeben, solche technischen Umbrüche zu erleben, und dabeizusein ist schön!“

Abgesehen von dieser der Wirklichkeit entrückten, fast schon komischen Einlage der Kanzlerin waren die Fachvorträge durchweg diskussionswürdig, doch eine Diskussion, ein Dialog mit dem Publikum fand nicht statt. Daraufhin sandte ich dem Veranstalter diese Mail:

„Sehr geehrter Herr Bareiß,

der gestrige neunte Energiepolitische Dialog der CDU/CSU-Bundestagsfraktion endete mit einer Enttäuschung. Es war schade um die Zeit.

Vermutlich dank der Terminenge der Bundeskanzlerin kam ein Dialog – wie zuvor sowohl im Titel als auch durch die Moderatorin Frau Plättner versprochen – nicht zustande. Nur zwei kurze Wortmeldungen auf die durchweg interessanten Vorträge der Impulsredner wurden von ihr zugelassen. So wurde es nur ein Monolog – und davon, sehr geehrter Herr Bareiß, haben wir nun wirklich genügend.

Fasst man die Inhalte der Impulsreden zusammen, so drehten sich diese ausnahmslos (und wie auf fast allen früheren Energiepolitischen Dialogen auch) um Probleme (neudeutsch: Herausforderungen), die man ohne die Energiewende nicht hätte. Trotzdem lobten sie diese einhellig und bekannten sich überdies zur Mutter aller Energiewenden (im Klimaschutzplan 2050 „Transformation“ genannt), zur Idee des Klimaschutzes.

Warum das so ist, kann ich nur vermuten, denn die Fakten geben das nicht her. Weder, dass das Klima geschützt werden kann, und schon erst recht nicht von Deutschland (Herr Dr. Nüßlein wies zu Recht darauf hin), noch kann die Energieversorgung eines Industrielandes wie Deutschland durch volatile, naturgesetzlich zwangsläufig teure Energieträger sichergestellt werden. Das wäre nur mit Speichern prinzipiell möglich – wenn auch wegen Überteuerung schon an dieser Stelle unökonomisch –, und mit Speichern, die in den benötigten Größenordnungen nicht mal im Ansatz denkbar sind, völlig unbezahlbar. Jeder ehrliche Ingenieur wird Ihnen das bestätigen.

Gestatten Sie mir noch ein paar Worte zum Klimawandel. Selbst wenn man an die IPCC-Hypothese vom Einfluss des CO2 auf die Temperatur der Atmosphäre glaubt, und das taten ja alle Impulsredner, und wenn wir in Deutschland den Klimaschutzplan 2050 zu 100 Prozent erfüllen würden, dann würde dies nach den IPCC-Rechenregeln irgendwann, sehr viel später, den (hypothetischen) Anstieg der globalen Mitteltemperatur um ganze zwei Tausendstel Grad Celsius mindern. Das ist das klare Ergebnis unter Anwendung der IPCC-Rechenregeln und -Parameter.

In der Realität, und trotz der gleichzeitigen Akzeptanz der Wirkung von CO2 als Klimagas, ist es noch aber sehr viel weniger. Denn diese zwei Tausendstel Grad beruhen auf einer sogenannten Equilibrium Climate Sensitivity (ECS, das ist die vermutete Temperaturerhöhung bei Verdopplung der Treibhausgas- (CO2‑) Konzentration – also zum Beispiel von 400 ppm auf 800 ppm) von drei Grad Celsius.

Von diesem hohen Wert hat das IPCC (allerdings nur in einer Fußnote im fünften Bericht) seit vier Jahren Abstand genommen. Aktuelle begutachtete Studien schätzen diesen ECS-Wert auf nur noch 0,6 bis ein Grad Celsius.

Damit wären dann erstens der deutsche Beitrag von zwei Tausendsteln Grad nochmals um den Faktor drei bis fünf kleiner und zweitens die gesamten Klimaschutzaktivitäten weltweit völlig unnötig, weil 0,6 bis ein Grad Erhöhung (irgendwann in den kommenden 100 oder mehr Jahren) keinerlei Gefahr darstellt.

Man könnte diese Fakten auch mit Hans Christian Andersen so darstellen: „Der Kaiser hat doch gar keine Kleider an.“

Das beginnen immer mehr Länder einzusehen. China und Indien haben sich ohnehin keiner Reduzierung ihrer CO2-Emissionen unterworfen. Die USA und Russland steigen aus, und Großbritannien beginnt ebenfalls damit. Das sind aus meiner Sicht – auch für Deutschland – ermutigende Nachrichten. Bleibt zu hoffen, dass auch in der CDU/CSU in dieser Frage eines Tages die Vernunft wieder Einzug hält.

Zum Rest der Veranstaltung:

Die von den Rednern zu Recht vorgetragenen Schwierigkeiten existieren also daher nur, weil wir aufgrund amtlich angefachter Panik (siehe oben) ein existierendes, hervorragend funktionierendes Stromversorgungssystem mit einem schlechten, zunehmende Instabilität und extrem hohe Kosten verursachenden zweiten Stromsystem koppeln.

Nähme man dieses zweite weg (und deswegen braucht auch niemand auf der Welt den daraus erhofften Technologieschub), dann wäre alles wieder in Ordnung. Andere Länder folgen deswegen auch dem deutschen Sonderweg nicht. Die deutschen Verbraucher würden um Hunderte von Milliarden entlastet, und wir könnten uns den wirklichen Problemen der Welt zuwenden, bevor irreparabler Schaden entstanden ist.

Ich füge noch eine kurze Präsentation bei, die die wahnsinnigen Kosten des EEG sowie die geforderten CO2-Emissionsbemühungen und deren ‚Erfolg‘ belegt.

Eine Kopie dieser Mail geht an einige der Redner und an eine Reihe von Experten.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Michael Limburg
Vizepräsident EIKE (Europäisches Institut für Klima und Energie)“

Lesen Sie hier, was ein weiterer Teilnehmer der Veranstaltung, der Elektroingenieur Prof. Dr. Helmut Alt – der als einer von zweien kurz zu Wort kam – daraufhin der Bundeskanzlerin schrieb:

„Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

sehr geehrte Damen und Herren des neunten Energiepolitischen Dialogs der CDU/CSU im Reichstagsgebäude in Berlin am 24.04.2017, anknüpfend an die von mir vorgetragene Empfehlung zur Energiewende, mehr Realismus bei den Zielsetzungen zu wagen, möchte ich Ihnen mit den hier beigefügten Anlagen auf der Erfahrungspraxis einer 34-jährigen beruflichen Tätigkeit mit konkreter Handlungsverantwortung im Bereich der seit über 100 Jahren im weltweiten Vergleich sichersten und relativ kostengünstigen Stromversorgung für unser Land einiges weiterführende zur Begründung meines gestrigen Diskussionsbeitrages zur Kenntnis geben:

Es ist in einer Wettbewerbsindustrie und insbesondere in der Energiewirtschaft – die das Blut unserer Wirtschaft bereitstellen muss – notwendig, bei der Festlegung der Kraftwerksmixstruktur und der Digitalisierungstiefe auch die Kosten nicht aus den Augen zu verlieren.

Dass wir bei einem Kilowatt Leistungsbereitstellung pro Haushalt (mit der Brille aus dem Übertragungsnetz gesehen), obschon jeder Haushalt die Freiheit hat, bis zu 30 Kilowatt dem Netz zu entnehmen, durch digitalen Zugriff auf die Waschmaschinen in den 40 Millionen Haushalten diesen Wert, der sich durch die günstige Gleichzeitigkeit bei der großen Kundenzahl von selbst ergibt, noch verringern können, scheint mir ausgeschlossen. Es könnte wohl eher viel teurer werden, aber wir haben schon die teuersten Strompreise in Europa.

(40 Millionen Haushalte mal ein Kilowatt pro Haushalt macht 40 Gigawatt, die weiteren 40 Gigawatt sind für die Industrie, macht zusammen rund 80 Gigawatt Jahreshöchstleistung im deutschen Netz!)

In der Stromversorgung besteht wegen der großen Zahl unmittelbar Betroffener die Gefahr, dass man durch steuerungstechnische Eingriffe mitunter die günstige Wahrscheinlichkeitsverteilung bei der großen Zahl der Akteure auch kaputtmachen kann, mit dem Ergebnis: ‚gut gemeint, aber schlecht gemacht‘.

Was nicht da ist, geht auch nicht kaputt und muss auch nicht bezahlt werden! Die herstellende Industrie mag das als zweiseitig Betroffene punktuell auch anders sehen.

Ebenso ist jede Vision zur Heranziehung möglicher E-Mobilität als sinnvoller Beitrag zur Lösung des Stromspeicherproblems, der man bei aktiver Netzkupplung der E-Autos an der Ladesäule bestenfalls 20 Kilowattstunden entnehmen könnte, einfach absurd! Denn das ist bereits der maximale Speicherinhalt der meisten E-Auto-Batterien, der Fahrer muss dann abends zu Fuß nach Hause gehen. Zur Überbrückung eines wind- und sonnenarmen Tages werden rund 1,6 Terawattstunden = 1.600 Gigawattstunden = 1.600.000 Megawattstunden = 1.600 Millionen Kilowattstunden benötigt. Entsprechend müssten 80 Millionen E-Autos an ebenso vielen Ladesäulen stehen! Selbst die eine Million E-Autos sind trotzSubvention bis 2020 nicht erreichbar, dass 80 Millionen davon an Ladesäulen stehen, doch wohl erst recht nicht, oder?

Über die Verfügbarkeit von bezahlbaren Stromspeichern Batterieforschungsinstitute zu befragen, birgt die menschlich verständliche Gefahr der zu hohen optimistischen Prognose der eigenen Forschungsobjekte bezüglich Marktfähigkeit in sich. Beispiele sind die Brennstoffzellentechnologie, das papierlose Büro, die hundertprozentige Eigenversorgung mit Strom, das heißt Verzicht auf den Netzanschluss, das autonome Autofahren und vieles andere mehr.

Es wäre schön, wenn Sie von der Fraktion aus diese Mail unserer verehrten Bundeskanzlerin Frau Dr. Merkel, die ja bei meiner Frage, dem glücklichen Zufall geschuldet, den Versammlungsraum betrat und in ihrer Rede ihr besonderes Interesse an diesen Fragen bekundete, zur Kenntnis geben könnten. Frau Dr. Merkel hat mir persönlich bereits am 4. Mai 2004, als ich mit ihr zusammen bei einer energietechnischen Tagung der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin sein durfte, für die übergebenen ‚anschaulichen Unterlagen zur Energiepolitik‘ gedankt.

In diesem Zusammenhang möchte ich Ihnen auch den Gastkommentar von Herrn Dr. Löpfe, CVP-Nationalrat und Landammann von Appenzell, in der ‚NZZ‘ vom 5. April 2017 gerne ans Herz legen, damit uns in Deutschland ebenfalls wieder Mut zu einer vernünftigen Energiepolitik in der großen Politik angedeihen möge.

Ihr Helmut Alt“

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Seite des Europäischen Instituts für Klima und Energie (EIKE).


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