17. April 2017

„Inside Islam“ Der Moscheereport und die Angst vor der Wahrheit

Der Überbringer der schlechten Nachricht wird attackiert

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Bildquelle: Faiz Zaki / Shutterstock.com Gläubige in der Moschee: Islamistische Hetze?

Er gilt als Musterschüler der Islamversteher. Kaum jemand wird so gerne präsentiert, wenn es darum geht, das deutsche Publikum von der Friedfertigkeit und Toleranz einer Religion zu überzeugen, über die so kontrovers diskutiert wird wie über kaum ein anderes Thema. Constantin Schreiber hat alles, was linke Intellektuelle lieben. Eloquent, weltoffen und multikulturell bereist der 37-Jährige seit zehn Jahren den Nahen Osten und Afrika, um über Missstände zu berichten. Vor allem bewegt sich der gebürtige Niedersachse mit schlafwandlerischer Sicherheit im arabischen Raum. Muttersprachler bescheinigen ihm ein astreines Arabisch, das er während einiger Jahre in Syrien erlernt und danach perfektioniert hat. Mit einer eigenen Wissenschaftssendung ist er in einem ägyptischen Privatsender zu sehen. Der smarte Kosmopolit, der sich zunächst in einem Jura-Studium versucht hatte, sich dann aber für den Journalismus entschied, arbeitet für eine Reihe von Fernsehsendern. Früh wurde auch die Politik auf ihn aufmerksam. Das Auswärtige Amt beteiligte sich vom Start weg an den Produktionskosten der ägyptischen Sendung, und auf den Nahostreisen der Merkels und Steinmeiers ist Schreiber ein gern gesehener Begleiter. So verwundert es sicher niemanden, dass der Vorzeigejournalist längst im öffentlich-rechtlichen Rundfunk angekommen ist. In der ARD moderiert er die „Tagesschau“ und das „Nachtmagazin“. Kurzum, Constantin Schreiber ist einer aus der Mitte des medial-politischen Zirkels.

„Inside Islam“ erzählt davon, wie verbreitet islamistische Hetze in der scheinbaren Anonymität islamischer Gotteshäuser ist

Nun droht der Grimme-Preisträger in Ungnade zu fallen. Denn der Liebling der Linken hat den Finger tief in eine Wunde gelegt und damit eine von Politik und Medien zu gerne erstickte Diskussion neu entfacht. Mehr als ein Dutzend Moscheen hat Schreiber mit einem Kamerateam in Deutschland besucht und seine Erlebnisse in einem Buch zusammengetragen. „Inside Islam“ erzählt davon, wie verbreitet islamistische Hetze in der scheinbaren Anonymität islamischer Gotteshäuser ist. Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten: Ein regelrechter Shitstorm ergoss sich in den sozialen Medien über den Autor. Betrachtet man nur die druckreifen Kommentare, so warfen sie Schreiber unwissenschaftliche Arbeit, einseitige Berichterstattung und die Verunglimpfung des Islams vor. Und auch die Kollegen konnten nur schwer ertragen, dass einer der ihren es gewagt hatte, das eigene Weltbild so heftig zu erschüttern. Allesversteher Markus Lanz bestellte Schreiber gar zur Inquisition ein und versuchte ihn in seiner Talkrunde zum Widerruf der Blasphemie zu bewegen. Doch Schreiber dachte gar nicht daran: „Das ist meine Berufsehre. Ich kann es nicht beschönigen“, ließ er Lanz souverän abblitzen. Er habe keine wissenschaftliche Studie erstellt, sondern einen Erlebnisbericht, der immerhin rund 15 Moscheen umfasse, in denen „gegen Juden, Armenier und Jesiden gehetzt“ werde. „Ich habe nicht eine Predigt gehört, die ich okay fand“, so Schreiber, der über jeden Verdacht erhaben ist, gegen den Islam zu hetzen.

Es gilt, den Umgang mit einer Religion zu klären, deren Prediger sich auf eine Schrift berufen, die unendliche Interpretationsspielräume eröffnet

Die Reaktion auf „Inside Islam“ steht sinnbildlich für den wahrheitsverdrängenden Umgang deutscher Medien mit einem Phänomen, das uns seit Jahren in zunehmendem Ausmaß begleitet. Statt dankbar zu sein, dass jemand, der die Sprache perfekt spricht und den Islam von innen kennt, uns Einblick in Vorgänge gewährt, die jeden Staatsanwalt auf den Plan rufen müssten, attackiert man den Überbringer der schlechten Nachricht, weil einfach nicht sein kann, was nicht sein darf. Schon Jugendliche werden in mancher Moschee darauf eingeschworen, dass Christen und Juden nicht besser sind als Affen und Schweine. Sure 5, 60 des Koran lehrt es so. Es gilt grundsätzlich zu klären, wie man mit einer Religion umgehen soll, deren Prediger sich auf eine Schrift aus dem frühen Mittelalter berufen, die in ihrer blumigen Vieldeutigkeit unendliche Interpretationsspielräume eröffnet. Constantin Schreiber hat als glaubwürdiger Kenner der muslimischen Welt hierzu einen weiteren wichtigen Impuls gegeben. Spätere Generationen werden uns wohl kaum verzeihen, dass wir die einsamen Rufer im Wald der Islamkenner beschimpfen, statt ihren Warnungen nachzugehen. Sie heißen Broder, Karim, Abdel-Samad oder eben Schreiber. Hören wir ihnen zu, damit wir die Auswüchse einer von Irren missbrauchten Religion in ihren Anfängen bekämpfen können – nicht erst dann, wenn wieder einmal ein islamistischer Attentäter im Kugelhagel stirbt, nachdem er ein Dutzend Menschen abgeschlachtet hat.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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