09. April 2017

Satire Falschgeld im Umlauf!

Die Dratzieher sitzen im Ausland

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Bildquelle: shutterstock Euro: Vorsicht, Falschgeld!

Immer mehr scheint sich ein Skandal ungeahnten Ausmaßes abzuzeichnen. „Über viele Jahre bin ich von hinten bis vorne betrogen worden“, meint Herbert Becker aus Grevenbroich. Mit zitternder Hand wirft er seine Geldbörse auf den Gartentisch. „Sehen Sie hier!“ Die Scheine, die der 56-Jährige auf dem Tisch verteilt, tragen Aufschriften wie „20 Euro“ oder „100 Euro“. „Und womöglich habe ich mich sogar selbst strafbar gemacht“, ruft er uns zu, während er weitere Scheine aus dem Schlafzimmer holt. „Aber ich ahnte ja nichts. Sehen Sie, ein 100-Euro-Schein. Der müsste um die 2,7 Gramm Gold wert sein. Und was erfahre ich letzte Woche?“ Vor acht Tagen kamen dem Grevenbroicher Busfahrer Zweifel, als er sich seine Geldscheine genauer ansah. „Ich hatte gerade Pizza geholt und mit einem 50-Euro-Schein bezahlt. Das Wechselgeld lag auf dem Tisch. So richtig hatte ich mir die Scheine nie angesehen.“ Es ließ ihm keine Ruhe, und bereits zwei Tage später ging er zu einem Gutachter. Der bestätigte: Alle Scheine bestehen lediglich aus Baumwollfasern und haben nur einen Wert von ungefähr vier Milligramm Gold. „In richtigem Geld sind das ungefähr 16 Schweizer Rappen, schätze ich mal. Für mich ist eine Welt zusammengebrochen“, so Becker. Daraufhin ging er zu seiner Bank, die ihm die Scheine ausgegeben hatte. „Ich nahm zwei Geldscheine aus meiner Brieftasche, zeigte sie dem Bankangestellten und meinte, dass die Dinger kaum einen Wert hätten.“ Zu seiner Überraschung wusste der Bankmitarbeiter Bescheid: „Der meinte allen Ernstes, dass er das ja wisse, aber schuld sei ein gewisser Mario Drago ... oder so ähnlich und dessen Inflation. Offenbar stammen von ihm auch die Scheine. Seitens der Bank könne man da nichts machen.“

Herbert Becker vermutet, der italienischen Mafia auf den Leim gegangen zu sein. „Klar, womöglich war ich auch ein wenig naiv und leichtsinnig. Aber diesen Gaunern muss doch jemand das Handwerk legen“, fordert der 56-Jährige. Seiner Frau möchte er noch nichts davon sagen: „All die Jahre völlig für nichts und wieder nichts gebuckelt. Laut dem Bankangestellten werden die Dinger sogar täglich weniger wert. Das kann ich meiner Frau ja nicht zwischen Toast und Morgenkaffee sagen.“ Herbert Becker hat mittlerweile die Polizei eingeschaltet, glaubt aber nicht so recht, dass man die Drahtzieher wirklich zu fassen bekommt: „Diese Typen sitzen doch meist im Ausland und steuern ihre krummen Geschäfte aus der Ferne.“ Als kleiner Mann komme man an die doch nicht ran, fügt er hinzu und verabschiedet sich sichtlich mitgenommen.


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