18. Januar 2017

„Ethnic Profiling“ Warum es vernünftig ist, zu diskriminieren

Es müssen immer erst Menschen sterben

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Bildquelle: shutterstock „Ethnic Profiling“: Nicht jeder wird kontrolliert

Wer unmittelbar nach dem Terroranschlag auf den Brüsseler Flughafen Zaventem im März 2016 von dort abflog, hatte für ein paar Monate erstklassige Chancen, seinen Flug zu verpassen. Denn die Polizei durchsuchte bereits vor dem Betreten des Terminals die Passagiere penibel, und zwar alle Passagiere. Das führte zu extremen Wartezeiten, nicht selten war darob der Flieger weg. Deshalb wird mittlerweile nur noch nach dem reinen Zufallsprinzip kontrolliert, was das Problem lindert, aber auch weniger Sicherheit bietet.

So ähnlich geht das fast überall in Europa, egal ob auf dem Airport, beim Oktoberfest oder bei der innerstädtischen Silvestersause. Nun gilt es zwar als politisch korrekt, polizeiliche Kontrollen unabhängig von Alter, Geschlecht oder ethnischer Herkunft durchzuführen – es ist nur ziemlich verblödet, weil ineffizient und letztlich unsicher. Wenn zuletzt ausschließlich jüngere Männer mit Migrationshintergrund aus der arabisch-islamischen Welt Terroranschläge begehen, dann hat es null Sinn, nach dem Zufallsprinzip auch ältere Damen, skandinavische Teenagermädchen oder japanische Touristenpärchen zu durchsuchen, nur um nicht den Eindruck zu erwecken, jemanden zu diskriminieren.

Auf diese Weise werden bloß Zeit, Energie und Aufmerksamkeit des Sicherheitsapparats verschwendet, die viel besser in die Kontrolle der Gruppe potentieller Täter investiert werden könnten.

Deshalb war es auch gröbster Unfug, dass die Kölner Polizei jüngst dafür kritisiert wurde, in der Silvesternacht ganz gezielt – im Fachjargon „Ethnic Profiling“ genannt – junge nordafrikanische Männer kontrolliert zu haben. So vorzugehen ist nicht menschenverachtend, wie die noch verbliebenen Vertreter der Welcome-Fraktion aufgejault haben, dergleichen ist einfach vernünftige Polizeiarbeit und sollte in ganz Europa Standard werden.

In Israel ist dieses Ethnic Profiling längst Teil des Alltags geworden. Vor dem Kino, dem Einkaufszentrum oder dem Restaurant werden nur jene wirklich penibel kontrolliert, die visuell dem Typus des jüngeren, männlichen, arabischen Selbstmordterroristen ähneln – weil sonst in aller Regel niemand Sprengstoffgürtel umschnallt. Ohne dieses Ethnic Profiling wäre das öffentliche Leben in Israel vermutlich längst zusammengebrochen.

In Europa galt dergleichen noch vor wenigen Jahren als menschenverachtend, heute als unschön, aber doch fast schon akzeptabel. Spätestens nach ein paar weiteren blutigen Anschlägen, also ungefähr Mitte 2017, wird das wohl auch in Europa Standard sein. Da stellt sich aber schon die kleine Frage: Warum eigentlich nicht gleich? Warum müssen weitere Hunderte von Menschen sterben, bevor die Regierungen in Berlin, Wien oder sonstwo jene Wirklichkeit zur Kenntnis nehmen, die von der Völkerwanderung geschaffen wurde, und daraus die notwendigen Konsequenzen ziehen?

Bis vor kurzem wurde uns beispielsweise erklärt, die Abschiebung illegaler und/oder Krimineller aus Nordafrika sei leider, leider nicht möglich, weil diese Staaten ihre Bürger nicht zurücknehmen würden. Pech gehabt, sozusagen.

Seit freilich ein tunesischer Schutzsuchender in Berlin ein Weihnachtsmarktmassaker angerichtet hat, macht die deutsche Regierung plötzlich mächtig Druck. In ein paar Monaten werden wohl Abschiebungen aus Berlin oder Wien nach Nordafrika möglich sein.

Egal, ob es um Abschiebungen, Ethnic Profiling, den Schutz der EU-Außengrenzen, Kontrollen an den Binnengrenzen oder viele andere dringlich notwendige Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung in Zeiten der Völkerwanderung geht – es zeigt sich immer das gleiche Muster. Zuerst geht etwas gar nicht und ist völlig inhuman, drei Anschläge später wird es vorsichtig erwogen. Dann kracht es noch einmal – und plötzlich überbieten sich die Politiker und Medien, das zu fordern, extrascharf, wenn‘s geht. Kostet halt immer Menschenleben, geopfert auf dem Altar einer vermeintlich moralisch überlegenen wohlmeinenden Gesinnung.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Ortner Online“.


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Christian Ortner

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