03. Januar 2017

Medien zum Jahreswechsel Gespielte Reue

Gute Vorsätze als Fortsetzung des Selbstbetrugs

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Bildquelle: shutterstock Nicht ernst gemeint: Die Reue deutscher Journalisten

Der Jahreswechsel markiert den Zeitpunkt für gute Vorsätze. Gepackt vom reuevollen Rückblick auf das abgelaufene Jahr, verspricht so mancher, es in Zukunft ein bisschen besser zu machen – um ein Jahr später feststellen zu müssen, dass es wieder nichts geworden ist mit der Besserung. Denn gute Vorsätze dienen natürlich in erster Linie dazu, wenigstens einmal im Jahr ehrlich zu sich selbst zu sein. Da bilden auch Journalisten keine Ausnahme. Und so konnte man in den letzten Tagen des Jahres 2016 Artikel lesen, in denen einige Berufsschreiber plötzlich ganz neue Töne anschlagen. Wie ein Entschuldigungsschreiben an die verbliebene Leserschaft liest sich so mancher Text in den Leitmedien. Ob es tatsächlich Reue ist, oder einfach nur Kalkül angesichts der zunehmenden Bedeutungslosigkeit der Redaktionen und ihrer Postillen, sei dahingestellt. So macht sich die „Welt“ zum Anwalt der Bürger, die das Gefühl hätten, der Staat messe nicht mehr mit gleichem Maß: „Kleinigkeiten werden geahndet, aber bei Euro-Krise oder Einwanderung werden gefährliche Grauzonen geduldet.“ Entstanden seien „Tabuzonen und Dunkelräume des Rechtsstaates und unserer gesellschaftlichen Praxis, die von den Regierenden stillschweigend geduldet oder gar befördert werden“. Ihre zutreffende Analyse nutzt die „Welt“ allerdings nicht zur Selbstkritik, die man anderswo mit etwas Phantasie erahnen kann.

Immerhin aber ein Statement, das man in dieser Deutlichkeit selten irgendwo hatte lesen oder hören können bei den medialen Groupies einer Politik, die nichts mehr unter Kontrolle zu haben scheint. Vor allem nicht ihr Volk, das sie mit den Methoden der Regime des 20. Jahrhunderts zur Räson zu bringen hofft. Nun trauen sich also einige wenige Journalisten, das niederzuschreiben, was viele aufmerksame Beobachter ein Jahr lang versucht hatten, auf die politische Agenda zu setzen. Hatte nicht auch so mancher Vertreter des angeblichen Packs aus Dunkeldeutschland genau diese offenkundige Schieflage immer wieder kritisiert und dafür übelste Beschimpfungen kassiert? Die respektlosen Tiraden von Medien und Politik gegen die Bürger gipfelten gar im Wort des Jahres – was für ein Armutszeugnis für die herrschenden Meinungsmacher. Die verzweifelt gegen ihren Niedergang kämpfenden Leitmedien suchen auf einmal den Schulterschluss mit dem Volk. Nutzen wird es ihnen nichts mehr. Der „Cicero“ und die „Neue Zürcher Zeitung“ gehören zu den wenigen Blättern, denen man dies abnimmt. Sie haben den Finger stets in die Wunde gelegt, die ihre Kollegen geflissentlich übersehen hatten. Sie scheuten sich auch nicht, die Verantwortlichen zu benennen und Lösungen aufzuzeigen, die von der „Einheitselite“ allerdings nur allzu gerne als „Parolen plumper Populisten“ beiseite gewischt werden.

Nicht ohne Grund wurden „Cicero“ und „NZZ“ dafür von manchem Leser als „Westfernsehen“ geadelt, um deutlich zu machen, dass man sich nur noch hier umfassend und wahrheitsgetreu informieren kann. Wer es ausgewogen mag, wird sie auch künftig den regierungstreuen Organen von „Welt“, „Spiegel“ und Co vorziehen. Und auch der „FAZ“, die es nicht lassen konnte, am Silvestertag noch einmal nachzutreten: „Die größeren Defizite liegen auf Seiten der Bürger – nicht der Politiker“, verteilte sie die Schuld für das zum „Hassjahr“ ausgerufene 2016. Ins gleiche Horn stieß die Kanzlerin in ihrer Neujahrsansprache. Mit dem Frontalangriff auf ihre Kritiker, die lediglich „Zerrbilder“ verbreiteten, stellte sie einmal mehr unter Beweis, dass sie nichts verstanden hat. Man mag ihr angesichts der Blauäugigkeit in der sich immer weiter zuspitzenden Terrorkrise nicht abnehmen, dass ihre Regierung die notwendigen Maßnahmen für mehr Sicherheit „schnellstens in die Wege leiten und umsetzen“ wird, wie sie uns verspricht. Und wann immer Merkels Irrweg endet – aus dem Jahr 2016 nehmen wir eine ganz besonders bittere Erkenntnis mit: Wir werden von einer Frau regiert, die sich Kompetenzen anmaßt, die ihrem Amt nicht zustehen. Dennoch – oder gerade deswegen – scheint sie nicht mehr in der Lage, ihren Amtseid zu erfüllen. Die guten Vorsätze der Kanzlerin taugen daher zu nicht mehr als zu einer Fortsetzung des Selbstbetrugs.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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