05. Dezember 2016

Der Fall Maria L. Das Schweigen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks

Kein Lernprozess zu erkennen

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Bildquelle: shutterstock Übt sich in Schweigen: Öffentlich-rechtlicher Rundfunk

Es ist schon beachtlich: Wenn ein mutmaßlicher Dorfneonazi in seiner geistigen Hohlheit in irgendeinem ostdeutschen Kaff ein Hakenkreuz vorzugsweise spiegelverkehrt an die Fassade einer Hausruine schmiert, zeigt sich die Gesinnungsgendarmerie, bestehend aus den etablierten Parteien und dem zwangsfinanziert-massenmedialen Großkomplex wie auf Knopfdruck empört. Neue Kampagnen werden ins Leben gerufen und finanziert, und der Kampf gegen rechts wird intensiviert.

Bei der brutalen Vergewaltigung und Ermordung der 19-jährigen Studentin Maria L., mutmaßlich durch einen 17-jährigen Migranten aus Afghanistan, übt sich die Gesinnungsgendarmerie im Schweigen. Wie schon bei den Ereignissen rund um die Silvesternacht in Köln und anderen deutschen Großstädten. Auf die Frage, weshalb hierüber kaum berichtet wird, antworten die Journalistendarsteller der ARD, dass die Vergewaltigung und der anschließende Mord nur regionale Bedeutung hätten. Ein interessantes Verständnis von Relevanz: So scheinen etwa Steuerhinterziehungen von Uli Hoeneß relevanter gewesen zu sein als ein derart brutales Verbrechen – jedenfalls wurde über den Hoeneß-Prozess wesentlich intensiver berichtet.

Es ist grober Unfug, dem Verbrechen an Maria L. lediglich eine regionale Bedeutung zuzumessen, denn es steht, ebenso wie die von den öffentlich-rechtlichen Medien zunächst totgeschwiegenen, massenhaft an Silvester stattgefundenen sexuellen Übergriffe, in einem unmittelbaren Zusammenhang mit der völlig verantwortungslosen Politik der offenen Grenzen – all das ist auf einer Metaebene zu betrachten.

Dass das Thema mehr als nur regionale Bedeutung hat, zeigt sich allein schon daran, dass die Menschen wollen, dass darüber berichtet wird, und daran, dass es tatsächlich auch getan wird, sogar im Ausland. Nur eben kaum in den öffentlich-rechtlichen Medien hierzulande. Die bittere Wahrheit ist nun mal politisch nicht gewollt, auch nicht vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der jegliche Staatsferne, Unabhängigkeit und journalistische Ausgewogenheit vermissen lässt und schon lange nicht mehr als Korrektiv der drei Gewalten fungiert, sondern stattdessen mehr und mehr zum politischen Sprachrohr, oder in diesem Fall zur politischen Schweigemauer der etablierten Politik verkommt.

Ja, wir haben ein Problem mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk und es ist ein Skandal, dass wir gezwungen sind, jährlich über 200 Euro an die GEZ-Geizkragen für deren Minusleistung abzudrücken, sofern wir nicht hinter schwedischen Gardinen landen wollen, was überzeugten Rundfunkzwangsbeitragsverweigerern durchaus schon passiert ist.

Das hinauszögernde Schweigen der Politiker- und der öffentlich-rechtlichen Journalistendarsteller ist als Eingeständnis, als zu spätes Eingeständnis zu werten. Sofern sie nicht gänzlich den Boden der Realität verlassen haben, werden sie wissen, dass sie falsch lagen und falsch liegen, und sie werden es dennoch, so ist zu befürchten, auch in Zukunft weiterhin tun. Es wird kein Lern-, kein Selbstreflexionsprozess einsetzen. In wenigen Tagen fühlen sich diese Damen und Herren wieder als die moralischen Instanzen dieser Republik.

Maria, ruhe in Frieden!

Dieser Artikel erschien zuerst auf Freitum.


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