01. Dezember 2016

Offener Brief an den Vorstand der Hayek-Gesellschaft Austrittsschreiben von Frau Susanne Kablitz

„Ich schäme mich, nicht schon früher reagiert zu haben“

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Bildquelle: Susanne Kablitz Ausgetreten: Susanne Kablitz

Sofortiger Austritt aus der Hayek-Gesellschaft

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Habermann, sehr geehrter Vorstand,

sehr lange habe ich mit mir gehadert, diesen Schritt zu tun, der bereits mit der Wahl der Herren Dr. Christian Zeitler und insbesondere Frederik C. Roeder deutliche Konturen ange­nommen hatte. Nicht nur, dass es mich enorm stört, dass ein Vorstand fast vollständig aus FDP-Mitgliedern besteht, so ist es doch eher die Einstellung dieser beiden Herren, die mich an einer Arbeit im Sinne Hayeks stark zweifeln lässt.

Das wäre aber noch zu verkraften gewesen.

Was sich der Vorstand jetzt allerdings mit der Nahelegung der Kündigung ihrer Mitgliedschaft durch Frau von Storch erlaubt, ist an Frechheit kaum noch zu überbieten und ganz sicher nicht im Sinne eines Mannes, dessen Name aus meiner Sicht nun ganz ein­deutig missbraucht wird.

Man muss nicht in allen Bereichen Frau von Storchs Meinung sein; das bin ich auch nicht. Genauso wenig wie ich mit anderen Menschen einer Meinung sein muss. Dies ist normal in einer freien Gesellschaft und muss durch Diskussion und Meinungsaustauch ausgehalten und souverän behandelt werden. Ein derartiges Verhalten Ihrerseits gehört ganz sicher nicht dazu, und ich schäme mich, nicht schon früher reagiert zu haben.

Frau von Storch ist eine der wenigen Politiker, die den Schneid haben, die uner­träg­liche politische Korrektheit offen beim Namen zu nennen, die den Menschen in immer luftab­schnürenderer Weise Mühlsteine auf die Schultern legt. Sie spricht in vielen Bereichen das geradewegs aus, was viele denken, die aber zu feige sind, es auszusprechen. Sicherlich hat sie manches Mal mit ihren Worten über das Ziel hinausgeschossen, und dass das vielen FDP-Funktionären und Mitgliedern gegen den Strich geht, die die Wählerinteressen nicht nur wenige Male schamlos verraten haben, ist nachvollziehbar. Nachvollziehbar, aber trotzdem charakterlich erbärmlich.

Dass nun ein ganz niederträchtiger Krieg gegen Frau von Storch ausgetragen wird, ist nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Denn auch ich kann davon ausgehen, dass mit mir genauso verfahren würde, würde ich mich „danebenbenehmen“; was bei meiner Ver­lags­arbeit übrigens nur noch eine Frage der Zeit ist.

Meine Herren, ein derartig abzulehnendes Gesinnungsverhalten hatten wir bereits, und ich habe mich oft gefragt, wie die Vergangenheit möglich werden konnte. Nun wird mir diese Frage leider auch von Vor­standsmitgliedern einer Gesellschaft beantwortet, die angeblich im Namen der Freiheit unterwegs sind. Etwas, das alles noch viel schlimmer macht.

Nachdem Frau Horn den Vorsitz abgegeben hat, konnte man hoffen, dass die Freiheit wieder die Oberhand gewinnen würde. Eine Hoffnung, die durch den neuen Vorstand nunmehr noch schlimmer zerstört wird, als es Frau Horn jemals fertiggebracht hätte. So habe ich mir lange genug angesehen, wie die Hayek-Gesellschaft zu einem Mitläufer des Mainstreams geworden ist. Aber nun ist es genug. Ein letzter Rest Stolz auf eine Zugehörigkeit sollte bleiben. Und ich verkaufe meine Seele nicht. Schon gar nicht im Sinne Hayeks.

Mit höflichen Grüßen

Susanne Kablitz


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