28. September 2016

Filmkritik Der Bauer stund auf im Lande

„Die letzte Sau“, ab 29.09.2016 im Kino

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Bildquelle: © drei-freunde Filmverleih 2016 Auf in den Kampf: Huber (Golo Euler) und die letzte Sau

Bauer Huber (Golo Euler) ist verzweifelt: So sehr er sich auch abrackert auf seinem kleinen Hof mit der Schweinezucht, er kommt auf keinen grünen Zweig. Gegen die großen Agrarkonzerne kommt er einfach nicht an. Sein Hof ist pleite, seine Bank gibt ihm keinen Kredit mehr. Dann verlässt auch noch sein Schwarm Birgit (Rosalie Thomass), die Tochter des örtlichen Großbauern, die schwäbische Heimat, und sein Freund, der Metzger Willi (Heinz-Josef Braun) begeht Selbstmord, nachdem er versucht hat, eine Bank zu überfallen. Als Hubers Hof schließlich durch einen Meteoriteneinschlag zerstört wird und nur eine einzige Sau überlebt, wirft er sich die Rieser Tracht seines Vaters über, packt die „letzte Sau“ in den Beiwagen seines Mopeds und begibt sich auf einen Trip Richtung Osten. Dabei trifft er allerhand Gleichgesinnte und löst letztlich eine Art Revolution aus...

Das Roadmovie „Die letzte Sau“ von Aron Lehmann (Regie und Drehbuch), das morgen in den deutschen Kinos startet, erzählt eine Geschichte und macht das nicht einmal schlecht. Der Mut zur Übertreibung und zu skurrilen Charakteren ist anzuerkennen. Allerdings ist das Geschichtenerzählen leider nicht die einzige Absicht von „Die letzte Sau“. Dieser Film hat ein Anliegen, er will wecken und mahnen: „,Die letzte Sau‘ ruft zum Widerstand auf, weil es so nicht weiter geht! Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung sind in unserer Zeit nichts weiter als Illusion.“ Wohl wahr, allerdings macht sich etwas vor, wer glaubt, der Film sei ein Plädoyer für individuelle Freiheit und wolle etwa eine Diskussion anregen über Agrarsubventionen und das Finanzsystem. Nein, hier geht es um den ewigen Kampf Gut gegen Böse, und die „Bösen“, das sind die „Großkonzerne“, die „gierigen Banker“, kurz: die Reichen. Denen darf man dann auch mal auf den Rasen kacken, wenn sie das Kollektiveigentum an einem See nicht anerkennen. Man könnte fast meinen, Regisseur Lehmann habe als Kind zu viel „Rappelkiste“ geguckt, wäre er nicht Jahrgang 1981. Dieser platte Antikapitalismus ist einfach ärgerlich und ließ im Rezensenten den bizarren Wunsch entstehen, sich noch einmal die schlechtesten (und genauso platten) Stellen aus Ayn Rands Romanen reinzuziehen – als Gegengift.

Dabei muss Bauer Huber doch zugeben, dass sein Hof nicht von bösen Kapitalisten zerstört wurde, sondern durch „höhere Gewalt“ – von einem Meteoriten, wie er in Hubers Heimat, dem Nördlinger Ries, alle paar Millionen Jahre mal runtergeht. Ein bizarrer Einfall des im Ries aufgewachsenen Lehmann, von dem man gar nicht so recht weiß, wie man ihn finden soll. Der Rezensent hat beschlossen, ihn gut zu finden, was aber an der Gesamtbilanz von „Die letzte Sau“ leider nichts ändert.

Die letzte Sau, Deutschland 2016; 86 min.; Regie: Aron Lehmann; Hauptdarsteller: Golo Euler, Rosalie Thomass, Thorsten Merten, Christoph Maria Herbst; FSK: 12; Kinostart Deutschland: 29. September 2016.


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Ulrich Wille

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