16. August 2016

RezensionPeter Gerdsen: Das moralische Kostüm geistiger Herrschaft

Wie unter dem Deckmantel der Moral Macht ausgeübt wird

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Staatliche Herrschaft gründet – von einer Mehrzahl der Bürger nicht wahrgenommen – auf der Androhung oder Anwendung physischer Gewalt. Vorangegangene Aggressionshandlungen eines Individuums sind dafür nicht erforderlich. Es reicht, sich nicht widerspruchslos vom Fiskus enteignen zu lassen – schon bekommt man die eiserne Faust des Leviathan zu spüren. Im vorliegenden Buch geht es indessen um eine subtilere Methode der Ausübung von Macht. Es handelt von Herrschaft „durch Beeinflussung und Enteignung des Denkens der Menschen mit der Folge, dass sie das wollen, was dem Willen der Herrschenden entspricht.“ Der Autor beschreibt die zur Erringung geistiger Herrschaft eingesetzte Strategie, als eines derer wichtigsten Werkzeuge er die Massenmedien benennt. Diese entschieden über den Inhalt von Begriffen, deren schleichender Bedeutungswandel die Umsetzung bestimmter Politikziele (etwa das der „sozialen Gerechtigkeit“) erleichtere. Die Kritik des Autors an den in der Massendemokratie herrschenden Dynamiken fällt zum Teil recht harsch aus, so „ermöglicht das quantitative Prinzip, das der Konstruktion der Demokratie zugrundeliegt, beliebige Entartungen.“ Heutzutage gilt: „Alle sachlichen Probleme, die mit sachlicher Urteilskraft zu lösen sind, werden in moralische Probleme transformiert.“ Den Grund dafür sieht der Verfasser im „Verlust der Religion“, der Empörung, Aggressivität, insbesondere aber (Werte-) Relativismus bedinge. Political Correctness und Gender Mainstreaming seien wesentliche Elemente im Kampf für eine totale Einebnung aller individuellen Unterschiede – der unentwegte Kampf gegen die zur Wurzel allen Übels stilisierte „Diskriminierung“ ein weiteres Mittel zu diesem Zweck. Allfällige Gegner und Hindernisse würden mittels der jederzeit griffbereiten Moralkeule niedergemacht, wobei es nicht darauf ankomme, tatsächlich einer „gerechten Sache“ zu dienen, sondern lediglich darauf, dass dies der Öffentlichkeit glaubhaft vermittelt werden könne.


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