12. August 2016

RezensionFrank Karsten/Karel Beckman: Wenn die Demokratie zusammenbricht

Warum uns das demokratische Prinzip in eine Sackgasse führt

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Wie funktioniert Demokratie? Keinem Geringeren als Giorgos Papandreou, dem ehemaligen Ministerpräsidenten Griechenlands in dritter Generation, gelang das Kunststück, die Essenz des volksherrschaftlichen Ideals in nur zwei Worten zu verdichten: „Lefta yparchoun“. „Es gibt Geld“ – mit diesem auf unnötigen ideologischen Ballast verzichtenden Slogan gelang es dem Vorsitzenden der Sozialistischen Internationalen die Parlamentswahlen im Oktober 2009 für griechische Verhältnisse haushoch zu gewinnen. Den unwiderstehlichen Zauber jener in Aussicht gestellten Existenzdruckbefreiung unterziehen die beiden niederländischen Autoren im zweiten Band der im Finanzbuchverlag jüngst aufgelegten Edition Lichtschlag einer Fundamentalkritik. Hierzu widmen sie sich im ersten Teil zunächst den dreizehn hartnäckigsten und langlebigsten Legenden der Demokratie auf Basis von Mehrheitsentscheiden; sorgsam kultivierten Dogmen über Repräsentativität, Neutralität, Richtigkeit, Wohlstand, Harmonie, Alternativlosigkeit, Frieden und natürlich Freiheit. In den 150 Jahren ihrer neuzeitlichen Hege zementierten sie schließlich den Status als „Ersatz der Mythe des göttlichen Rechts der Könige durch das Recht des Königs Demos“ (Gerard Radnitzky). Diesem im Scheitern befindlichen Modell der Projektion persönlicher Präferenzen – direkt durch Enteignung, Verschuldung und Subventionierung beziehungsweise indirekt durch Regulierung, Bürokratisierung und Sanktionierung – stellen Karsten und Beckman im zweiten Teil des Buches die freiheitliche Perspektive eines „weniger Demokratie wagen“ gegenüber. Denn letztendlich verhalten sich Politiker wie Wähler jenseits von Gut und Böse meist nur so, wie es ihnen die institutionellen Anreize vorgeben. So darf sich schließlich auch Giorgos Papandreou ob seines grundehrlichen Wahlmottos gebauchpinselt fühlen. Genau ein Jahr nach seinem Wahlsieg wurde er am Tag der deutschen Einheit mit dem Quadriga-Preis für seine „Kraft der Wahrhaftigkeit“ geehrt.

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