08. August 2016

RezensionGerald Hörhan: Gegengift

Wie euch die Zukunft gestohlen wird. Was ihr dagegen tun könnt.

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Der österreichische Investmentbanker (Selbstcharakterisierung: Investmentpunker) Gerald Hörhan hat einen Weckruf verfasst, einen „Rant“, wie es neudeutsch heißt. Er will „die Jugend“ wachrütteln, sich nicht länger von „den Alten“ ausnutzen zu lassen. Der einzige Vorwurf, der ihm gemacht werden kann, ist der, dass er die Problematik Sozialstaat zu sehr zu einem Generationenproblem zuspitzt. Hörhans Welt ist arg schwarzweiß, aber das muss in einem solchen 187-Seiten-Pamphlet wohl so sein. Das Buch beginnt mit dem aussagekräftigen Satz: „Ihr seid den Politikern scheißegal.“ Diese würden die Jungen abzocken, indem sie Rettungsschirme für korrupte Betrügerstaaten wie Griechenland auflegen. Solche Länder hätte die EU einfach in Konkurs gehen lassen sollen. Hat sie aber nicht. Stattdessen treiben die Politiker aller Couleur die Staatsverschuldung in die Höhe auf Kosten der Jungen. Diese sind selbst schuld, weil sie nicht rebellieren, keinen Einfluss geltend machen und noch nicht einmal verstehen, wie der moderne Sozialstaat ihre Zukunft ruiniert. Als Beispiel nennt er junge Franzosen, die gegen die Anhebung des Rentenalters demonstrieren: „Sie haben nicht einmal kapiert, dass sie es sind, die dafür bezahlen müssen.“ Er macht mehrere politische Schlenker. Auch den Rechtsparteien wirft er vor, zum Altparteienkartell zu gehören, das auch nur dem Machterhalt diene. Für ihre Ignoranz, ja Dummheit, wird die junge „Generation Zero“ (zero Job, zero Perspektive) teuer bezahlen müssen. Hörhan rät den Lesern, das Schicksal in die eigene Hand zu nehmen, statt auf den Nanny-State zu warten. Auswandern sei eine Option, weil sich die Verhältnisse so schnell nicht ändern werden. Die Alternative wäre der Aufbau eigener wirtschaftlicher Macht. Am besten als Unternehmer. Lieber nicht als Sachbearbeiter: „Mit ein bisschen Abstumpfung prallt vielleicht der Angestelltenstress von euch ab.“ Das alles ist so witzig und brillant geschrieben, dass der Leser nur dasitzt und das Buch in einem Satz verschlingen möchte.

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