29. Juni 2016

RezensionEugen Maria Schulak / Roland Düringer / Rahim Taghizadegan: Über die Erziehung

Warum müssen Schüler immer in Zweierreihen gehen?

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Es kommt nicht alle Tage vor, dass zwei Philosophen und ein Kabarettist gemeinsam ein Buch über die Erziehung schreiben. Entstanden ist diese Arbeit als Zusammenfassung von Tonaufzeichnungen zwangloser Gespräche, die im Laufe der Zeit von den drei Autoren in ihrer „philosophischen Küche“ über Gott und die Welt geführt wurden. Ergänzt werden diese freundschaftlichen Dispute im vorliegenden Fall durch Einzelbeiträge jedes der Autoren. Erziehung wird als ein nicht auf Kindheit und Jugend beschränktes und auch keineswegs vordringlich mit der Schule in Verbindung stehendes Ereignis beschrieben. Wie das Lernen ist auch die Erziehung ein Vorgang, dem wir lebenslang ausgesetzt sind. Dabei haben wir es mit verschiedensten Einflüssen und Methoden zu tun. Dass staatliche Institutionen immer früher den Anspruch erheben, den Eltern Erziehungsagenden ab- und an deren Statt zu übernehmen, ist eine Tatsache. Dass trotz (oder wegen?) stetig größeren um die (Aus-) Bildung gemachten Aufhebens und unentwegter Reformanstrengungen die erzielten Ergebnisse immer dürftiger werden, leider ebenfalls. Roland Düringer liefert folgende, nur auf den ersten Blick witzig klingende Definition: „Erziehung ist eine durch die Gesellschaft anerkannte, ja sogar geförderte Foltermethode, mit der man das eigene Unglück oft nicht bewusst und in böser Absicht, aber doch höchst erfolgreich an die Kinder weitergibt. Denn wo kämen sonst all die vertrottelten Erwachsenen her.“ Eugen Schulak meint: „Erziehung ist immer auch die Vermittlung von lebenswichtigen Verhaltensweisen.“ Und Rahim Taghizadegan weist auf folgendes Problem hin: „Jeder leitet aus seiner anekdotischen Erfahrung bestimmte Regeln ab und will dann wieder für alle anderen dieselben Regeln einführen.“ Das gilt zweifellos auch für die Erziehung. Die Anmaßung der Politik, sich zum Erzieher erwachsener Menschen aufzuspielen, wird hart kritisiert. „Dieser politische Erziehungswahn bessert die Menschen nicht, sondern macht sie schlechter.“


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