20. Juni 2016

RezensionUlrich Hemel: Die Wirtschaft ist für den Menschen da

Vom Sinn und der Seele des Kapitals

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Man soll, so heißt es, ein Buch nicht nach seinem Umschlag beurteilen. Das war der Grund, weshalb der Rezensent zum vorliegenden Elaborat gegriffen hat. Denn der Titel ist ja an Banalität kaum zu übertreffen – sollte er nicht ironisch gemeint sein. Nun, das ist leider nicht der Fall, denn der Text passt über weite Strecken zu der platten Überschrift. So enthüllt der Autor in der Einleitung: „Die grundlegende kapitalistische Transaktion ist der Tausch Geld gegen Träume“, um danach anzukündigen, in der Folge über „Formen menschenfreundlichen Wirtschaftens“ nachzudenken. Der Begriffsbestimmung, dass Kapital „die Speicherungsform von Geld oder Vermögen“ darstellt, die „ihren Ursprung in Arbeit“ hat und „der Motor der Wirtschaft“ ist, kann man folgen. Dass Kapital eine Zeitkomponente aufweist und „Potentialität“ bedeutet, ist ebenfalls klar. Dem Kapital wird – auf 15 Seiten – attestiert, eine helle Seite zu besitzen. So erfährt der Leser, dass Kapital „ein Werkzeug gestaltender Freiheit“ ist. Immerhin. Gleich danach wird – auf 27 Seiten – seine dunkle Seite analysiert. Zu dieser zählt unter anderem die Aufstachelung von Neid, Gier und Hass. An dieser Stelle darf auch der Hinweis auf die Bibel nicht fehlen, die dahingehend interpretiert wird, dass „Kapital sich sehr wohl als Gott betrachten lässt“. Und „der Gott des Kapitals verlangt Opfer“. Das sitzt. Mit dem Eintreten für die Abkehr von der bloßen Messung der monetär bewerteten Wirtschaftsleistung hin zur Beurteilung des „Bruttosozialglücks“ ist der Autor auch schon im Hauptstrom der zeitgenössischen Kapitalismuskritik angelangt. Später erfahren dann sogar Silvio Gesells schräge Schwundgeldidee und die „Gemeinwohlökonomie“ wohlwollende Erwähnung. In der ökosozialen Marktwirtschaft, in der Nachhaltigkeit (ohne die geht es in diesem Zusammenhang nicht) und – Bingo – soziale Gerechtigkeit hochgehalten werden, liegt nach Meinung Herrn Hemels – Direktor des Instituts für Sozialstrategie – die Zukunft. Fazit: ein wenig erhellender Text.


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