20. Mai 2016

RezensionRaoul Thalheim: Hirnhunde

Roman

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Hinter dem Namen „Raoul Thalheim“ soll sich nach Auskunft des Verlags ein profilierter deutscher Schriftsteller verbergen. Dass sein Roman „Hirnhunde“ unter anderen Umständen nicht gedruckt werden konnte, sage „ziemlich viel über die Notwendigkeit der Meinungsäußerungs-Abwägung in Deutschland“ aus. Dieses Problem steht auch im Mittelpunkt des vergnüglichen, als subtile Komödie angelegten Buches, das merklich ein Könner seiner Zunft geschrieben hat. Sein „Held“ ist der Reporter Marcel, der für eine konservative Dresdner Wochenzeitung arbeitet, von der es heißt: „Der Freigeist artikulierte sich jenseits der politischen Mitte, und das Problem war nicht seine Entfernung zur Mitte (die war deutlich geringer als die seiner Gegenlager links), sondern dass er dabei auf der falschen Seite stand.“ Ähnlichkeiten zu einem realen, in Berlin ansässigen Blatt sind durchaus beabsichtigt. Wie viele, die sich ins Gebüsch der „politisch unkorrekten“ Publizistik geschlagen haben, leidet auch Marcel unter dem damit einhergehenden sozialen Druck und der versagten Anerkennung für seine Arbeit. Dabei ist er ironischerweise kaum „ideologisch“ motiviert. Im Gegenteil kann er als „Hirnhund“ nicht aufhören, zu reflektieren und zu zweifeln, was der Qualität seiner Reportagen zugute kommt. Die Handlung nimmt Fahrt auf, als er auf das linke Hippiefräulein Agnes trifft und sich zwischen den ungleichen Charakteren eine Romanze entspinnt, über deren Ausgang nichts verraten sei. Den geballten Blödsinn des Gutmenschenzirkus karikiert Thalheim mit gelassener Feder, wie auch so manchen Typen des anderen Lagers. Sein Spott ist aber stets ohne Häme und Ressentiment. „Thalheims“ Detailkenntnis über die Szene der konservativen Publizistik in Deutschland ist verblüffend und sein Roman so gut, dass es schade wäre, bliebe die Rezeption auf diese beschränkt.


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