17. Mai 2016

RezensionHans-Hermann Hoppe: Ökonomik als Wissenschaft

und die Methode der Österreichischen Schule

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Mehr als zwei Jahrzehnte nach der englischsprachigen Ersterscheinung liegt Hans-Hermann Hoppes Beitrag zur Erkenntnistheorie nun auch in deutscher Sprache vor. Die Ausführungen des Autors bauen auf der 1982 von Ludwig von Mises veröffentlichten „Letztbegründung der Ökonomik“ auf. Nach einer Begriffsbestimmung „Ökonomik ist die Wissenschaft vom menschlichen Handeln“, geht der Autor auf das Alleinstellungsmerkmal der Österreichischen Schule ein: Sie versteht Ökonomik nicht als empirische Wissenschaft, die ihre Erkenntnisse ausschließlich aus Beobachtungen zieht. Sie definiert sie vielmehr als „eine A-priori-Wissenschaft, deren Lehrsätze logisch präzise begründbar sind“. An diesem Punkt setzen die Kritiker der „Österreicher“ an, die auf der Falsifizierbarkeit jeder wissenschaftlichen These bestehen. Hoppe dagegen tritt wie schon Ludwig von Mises in seinem oben zitierten Werk jeder Forderung entgegen, die Gesetze des menschlichen Handelns einem nie endenden Prozess von Versuch und Irrtum unterziehen zu müssen, um zu belastbaren Aussagen zu gelangen. Zur Untermauerung seiner Position knüpft Hoppe, wie zuvor auch Mises, am Beitrag zur Erkenntnistheorie an, der in Kants „Kritik der reinen Vernunft“ enthalten ist. Kant klassifiziert Aussagen als „einerseits analytisch oder synthetisch“ und „andererseits als a priori oder a posteriori“ und postuliert, dass es wahre synthetische Aussagen a priori gibt. Mathematik und Logik lieferten demnach Beispiele für wahre synthetische Sätze a priori. Hoppes Schrift widmet sich in der Folge der Kritik des Empirismus, dem er vorwirft, erkenntnistheoretische Grundsätze der Naturwissenschaften auf die Gesetze des menschlichen Handelns anzuwenden, und des Historismus, der sich im Relativismus nach dem Prinzip „Alles ist möglich“ verlieren würde. Wer sich noch nie mit erkenntnistheoretischen Fragen beschäftigt hat, findet hier eine wertvolle Einstiegshilfe.

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