12. Mai 2016

Reisegedanken Seien wir mehr Dubai!

Die Plage des Gutmenschentums

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Bildquelle: Dmitry Birin / Shutterstock.com Keine Gutmenschen: Dubai

Derzeit verbringe ich ein paar Tage in Dubai. Es ist immer wieder inspirierend, die Welt zu bereisen, weil es den Blick öffnet für die Art, wie sich Gesellschaften organisieren. Ich mische mich dabei gerne unter die Einheimischen, um mehr zu erfahren. Und in Ländern, die noch nicht von der Seuche der Political Correctness heimgesucht worden sind, lässt sich gut beobachten, wie man sicherstellt, dass ein Staat funktionsfähig bleibt. Nun sind die Vereinigten Arabischen Emirate natürlich gesegnet mit Reichtum – doch es ist keinesfalls eine Frage des Geldes, ob eine Gesellschaft intakt bleibt oder nicht. Die Emirate sind bekannt dafür, dass mehr als 80 Prozent der dort lebenden Menschen Ausländer sind. Sie kommen zum Arbeiten her, aus Pakistan, Afghanistan und vielen Ländern Südostasiens. Man kann trefflich darüber diskutieren, wie wir verwöhnten Mitteleuropäer Arbeitsstandards, Kündigungsschutz und Bezahlung beurteilen. Darum soll es hier aber nicht gehen, und es sei nur gesagt, dass die Menschen in den Emiraten weitaus besser leben können als in ihrer Heimat, die sie allesamt verließen, um woanders eine Arbeit zu finden. Kein einziger dieser Zuwanderer kommt her mit der Vorstellung, die Emirate könnten ohne Gegenleistung etwas für ihn tun. Teilweise stammen sie aus Staaten, die gesellschaftlich instabil sind, doch die Idee, sich auf das Asylrecht zu berufen, kommt ihnen nicht in den Sinn.

Ganz anders in Mitteleuropa. Aber woran liegt das? Eine Antwort dürfte darin zu finden sein, dass die westlichen Asylstandards, bei denen Deutschland einsam an der Spitze der Wohlgefälligkeit liegt, einfach zu verlockend sind. Wo inzwischen nicht einmal mehr ein Identitätsnachweis zwingend ist, wo Zuwanderer staatliche Leistungen vom ersten Tag an erhalten, wo selbst Illegale kaum einmal abgeschoben werden, da möchte man gerne leben. Die Emirate regeln dies anders – wie übrigens eine Reihe von Staaten der westlichen Hemisphäre auch. Nur wer einen Beschäftigungsnachweis vorlegen kann oder einen Bürgen hat, darf für eine begrenzte Zeit ins Land, bevor er sein Aufenthaltsrecht mit denselben Nachweisen verlängern kann. Wer dem Staat und der Gesellschaft nicht nutzt, muss woanders sein Glück suchen. Und das ist gut so. Was die Anhänger links-grüner Schwärmereien nämlich so gerne ausblenden, ist die Tatsache, dass „der Staat“ nicht irgendein anonymes Gebilde höherer Macht ist, sondern sich aus den Menschen zusammensetzt, die sich als Gesellschaft auf dem Territorium zusammengefunden haben. Gewählte politische Vertreter sind ein Teil dieser Gesellschaft. Sie bekommen für eine sehr begrenzte Zeit das Recht übertragen, „den Staat“ zu organisieren – nicht etwa, ihn nach ihren ideologischen Vorstellungen oder den Wünschen der Zuwanderer umzubauen.

Leider ist dieses Verständnis vielen Bürgern abhandengekommen. Nur so lässt sich erklären, wie stoisch und gleichgültig man die Wohlmeinenden auf Kosten der Funktionsfähigkeit des Staates und des gesellschaftlichen Zusammenhalts gewähren lässt. Das fängt bei Fragen der staatlichen Fürsorge an und endet bei weitem nicht bei der politischen Bewältigung der Zuwanderungskrise, in der alle Vernunft über den Haufen geworfen worden ist. Statt die aktuelle und künftige Funktionsfähigkeit des Rechtsstaats und der Demokratie zur Maxime des Handelns zu machen, ist – wie schon in der Euro-Krise – das ideologische Mantra das Maß aller Dinge. Der große gesellschaftliche Schaden, der daraus folgt, scheint dabei billigend in Kauf genommen zu werden. Kein Land der Welt ist ohne Herausforderungen. Es lässt sich aber vieles tun, um diese nicht noch größer zu machen. Falsch verstandene Solidarität und verlogenes Gutmenschentum sind die Plagen unserer Zeit. Verbreitet werden sie von sogenannten Aktivisten, die zwar klein an der Zahl, dank ihrer politischen Lobby aber mächtig genug sind, den Staat aus den Angeln zu heben. Eine Gesellschaft, die sich diesen „Aktivisten“ ausliefert, kann irgendwann nicht mehr funktionieren. Haben wir mehr Mut! Seien wir mehr Dubai und weniger Deutschland!

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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