02. Mai 2016

RezensionRobert T. Kiyosaki: Rich Dad Poor Dad

Was die Reichen ihren Kindern über Geld beibringen

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Die Dotcom-Blase im ausgehenden 20. Jahrhundert beförderte ebensoviele Kursraketen in den Börsenhimmel wie Finanzratgeber auf die Bestsellerlisten. Den unangefochtenen Spitzenplatz erklomm diesseits des Atlantiks Bodo Schäfer mit „Der Weg zur finanziellen Freiheit“, das Pendant jenseits des großen Teichs war das 1997 publizierte Werk Robert T. Kiyosakis „Rich Dad Poor Dad“. Im Gegensatz zu Schäfer gelang es dem US-Amerikaner mit japanischen Wurzeln jedoch bis heute, seine Integrität wie auch unternehmerische Konstanz zu wahren. Grund genug für den Finanzbuchverlag, das millionenfach verkaufte Buch, welches sich über sieben Jahre auf der „New York Times“-Bestsellerliste halten konnte, neu aufzulegen. Der Erfolg des Ratgebers dürfte dabei vor allem durch die Tatsache begründet sein, dass der Autor trotz seinerzeit weltweit boomender Börsen mit keiner einzigen reißerischen Silbe einem manischen Herdenverhalten Vorschub leistet. Im Gegenteil, der Illusion vom schnellen Reichtum erklärt Kiyosaki eine klare Absage, weshalb der geneigte Leser konkrete Anlageempfehlungen auch vergeblich suchen wird. Sein Buch hat vielmehr den Charakter eines bewusst zeitlos gehaltenen Finanzcoaching-Kurses mit stark autobiographischer Prägung. Am Anfang stehen – der Titel deutet es an – die beiden finanzökonomisch prägenden Vaterfiguren in Kiyosakis Leben. Auf der einen Seite wies ihm sein leiblicher Vater, ein belesener Beamter, guten Glaubens den Weg in das Hamsterrad einer (klein-) bürgerlichen Existenz mit stromlinienförmiger Schullaufbahn, sozialversicherungspflichtigem Job und staatlicher Rente, eine Tretmühle aus mehr Arbeit, mehr Geld, mehr Ansprüchen, mehr Ausgaben und mehr Schulden. Auf der anderen Seite lehrte ihn sein väterlicher Freund und Mentor, ein erfolgreicher und dennoch bescheiden gebliebener Geschäftsmann und Schulabbrecher, die Grundlagen „finanzieller Intelligenz“ als Einstellung wie auch geistige Fähigkeit, materielle Probleme lösen zu können. Sowohl das Tretmühlenmuster als auch den Finanz-IQ thematisiert Kiyosaki ausführlich in sechs Lektionen, die ihn nicht nur seine „Väter“, sondern auch sein Weg zur finanziellen Autonomie gelehrt haben. Neben einer negativen Einstellung zum Thema Geld, einem grundsätzlichen Mangel an finanzieller Bildung und der Illusion eines kalkulierbaren Arbeitslebens identifiziert der Autor vor allem das praktizierte Cashflow-Muster, das langfristig den Unterschied zwischen finanzieller Knechtschaft und Freiheit ausmacht. Niedrige Konsumausgaben deutlich unterhalb der Einnahmen, die bisweilen verlernte klassische Ersparnisbildung also, legt den Grundstein für Wohlstand, gepaart mit der Veranlagung in Einkommen generierende Vermögenswerte (und deren Reinvestition). Selbstverständlich warnt Kiyosaki auch vor dem Wohlstandsminderer Nummer eins, dem nicht nur in den USA beliebten Eingehen von Schulden. Hierzu zählt er auch ausdrücklich das Eigenheim, einen ausschließlich Kosten produzierenden Verbrauchsgegenstand. Neben haushalterischer Disziplin animiert er zudem ausdrücklich, Energien zumindest in einer nebenberuflichen Selbständigkeit freizusetzen. Insgesamt pflegt Kyosaki einen sehr unterhaltsamen, reichlich mit Geschichten und Bildern untermalten Schreibstil. Insofern handelt es sich um eine literarisch schön verpackte und mit praktischen Tipps garnierte Aufarbeitung des wirtschaftlichen Leitbilds einer schwäbischen Hausfrau – was durchaus positiv gemeint ist. Allerdings ist dem Text trotz der gelungenen Übersetzung deutlich die amerikanische Diktion anzumerken, ebenso eine augenscheinliche Vorliebe des Autors für Immobilieninvestments. Auch wenn einige inhaltliche Punkte so – beispielsweise aufgrund der Rechtsordnung – ausschließlich in den USA umgesetzt werden können, ist „Rich Dad Poor Dad“ ein empfehlenswerter Ratgeber zur Reflexion und gegebenenfalls Änderung der eigenen finanziellen Glaubensgrundsätze.

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