19. April 2016

RezensionHenning Lindhoff: Zombies, Hacker und legale Drogen

Zwei Dutzend Denkanstöße zum Diskutieren, Weiterdenken und Weitersagen

Artikelbild

Ist es nicht gut, einen starken Staat zu haben, der sich um die Schwachen kümmert? Sind Drogen nicht eine Geißel der Menschheit, die verboten gehört? Brauchen wir zur Herstellung von Gerechtigkeit in einer auf Wettbewerb zielenden Gesellschaft nicht die starke Hand einer Regierung? Stellen Hacker nicht eine Gefahr für unser Gemeinwohl dar und gehören deshalb strafrechtlich aufs Schärfste verfolgt? Ist nicht der marktwirtschaftliche Wettbewerb ursächlich für lokale und globale Ungerechtigkeiten und am Ende verantwortlich für die Kriege, die die Welt heimsuchen? Und ist nicht zur Abwehr einer bevorstehenden Zombie-Invasion ein staatlich gelenktes Vorgehen notwendig? So vielschichtig – und teilweise abstrus – wie die Fragen, die in Henning Lindhoffs Buch „Zombies, Hacker und legale Drogen” als Thesen formuliert sind, erscheinen, so einheitlich lautet die Antwort: Nein! Nun ist der Autor Herausgeber der jährlich erscheinenden libertären Buchreihe „Freiheitskeime“ – da kann man viel Verständnis für staatliche Ordnungspolitik nicht erwarten. Interessant am Ansatz von Lindhoffs „zwei Dutzend Denkanstößen zum Diskutieren, Weiterdenken und Weitersagen” ist aber die methodische Aufbereitung. Er hangelt sich thematisch durch alle Lebensbereiche, in die sich der Staat – mehr oder weniger unbemerkt – ausgebreitet hat, und macht deutlich, wie eine natürliche Ordnung darin aussehen würde und wieso eine staatliche Regulierung maximal die zweitbeste Lösung darstellt, in den meisten Fällen nicht mal das. So geht es um das Leben insgesamt, das Riskieren, Planen, Schwitzen, Handeln, Finanzieren, Investieren und Zurückblicken. Was im Raum steht, ist die Frage, ob es überhaupt gute Gründe für eine staatliche Ordnung gibt, die nicht auch privatrechtlich geregelt werden könnten. Im Sinne der Aufforderung im Buchuntertitel zum „Weiterdenken” kann man nach der Lektüre des Buches wohl feststellen: Wenn überhaupt, dann nur sehr wenige! Es liegt den Menschen offenbar im Blut, im Austausch miteinander zu stehen, und die Grundlage dieses Austauschs ist der freie Wille und das Eigentum. Darauf basierend erfahren selbst irreguläre Handlungsweisen eine Sanktionierung, für die keine staatliche Gewalt notwendig ist. Der Trick staatlicher Gewalt und der Annahme ihrer Notwendigkeit besteht darin, dass sich heute niemand mehr vorstellen kann, dass es auch ohne ginge. Wer soll sich denn um die Einhaltung von Gesetzen, den Schutz der Rechte von Minderheiten oder sozial Schwachen, die Gesundheitsvorsorge und die Müllentsorgung kümmern, wenn nicht der Staat? Lindhoff argumentiert gerade anders herum: Wie würden sich solche Themen regulieren, wenn es keinen Staat gäbe? Darauf finden sich erstaunlich einfache Antworten, und am Ende bleibt die Frage im Kopf hängen, wie es so weit kommen konnte, dass sich der Staat in alle Lebensbelange einmischen kann, wie er es heute tut. So bleibt als Fazit, dass sich staatliche Ordnung heute nur noch so rechtfertigt, dass bei ihrem Wegfall vorübergehend ein Vakuum entstünde, man könnte es ein Regulierungsdefizit nennen. Davor und den Konsequenzen besteht weitreichende Furcht in den Köpfen, wohl auch nicht ganz zu Unrecht. Als Begründung für die Notwendigkeit eines Staates ist das aber nur ein schwaches Argument. Die Abschaffung des Staates, die nicht ins Chaos, sondern in eine privatrechtliche Ordnung führen soll, wäre notgedrungen ein zu organisierender Prozess. Unmöglich ist er aber nicht –  und zum Weiterdenken: Wie kommen wir da hin? Bevor wir aber den dritten Schritt vor dem ersten machen, empfehle ich erstmal die Lektüre von Henning Lindhoffs Buch. Doch Vorsicht: Es kann sein, dass Sie am Ende ein ganz anderes Weltbild haben, das mit ihren bisherigen Vorstellungen nicht mehr kompatibel ist!


„Henning Lindhoff: Zombies, Hacker und legale Drogen – Zwei Dutzend Denkanstöße zum Diskutieren, Weiterdenken und Weitersagen“ direkt bei ef-online kaufen


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

Dossier: Literatur

Mehr von Felix Honekamp

Über Felix Honekamp

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige