12. April 2016

RezensionAyn Rand: Hymne

Novelle

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Mit „Hymne“ liegt ein frühes Werk der Begründerin des Objektivismus, Ayn Rand, nun in neuer Übersetzung vor. Es handelt sich einerseits um eine romantische Liebesgeschichte und andererseits um die Präsentation libertärer Grundprinzipien, die später in Büchern wie „Die Tugend des Egoismus“ präzise ausformuliert werden. Hier geht es um eine totalitäre, kollektivistische Gesellschaft, in der jeder ausschließlich für das Gemeinwohl lebt. Jeglicher Individualismus ist verpönt. Jedermann dient nur als Werkzeug der Gemeinschaft. Ein „Weisenrat“ regelt das Leben der in völliger Abhängigkeit funktionierenden Glieder des Kollektivs. Der Held der Geschichte, „Gleichheit 7-2521“ will sich mit der ihm zugewiesenen Tätigkeit als Straßenkehrer nicht abfinden und bricht aus dem rigiden Tagesablauf aus, als eine zufällige Entdeckung seinen bereits vorher vorhandenen Wissensdurst anfacht. Zudem entdeckt er nach der Begegnung mit einem schönen Mädchen den Zauber der (streng verbotenen) Liebe, den auch sie durch ihn zum ersten Mal erlebt. Der Protagonist will eine nach intensivem Einsatz von Beobachtung und Versuch gemachte Erfindung den Weisen zum Geschenk machen. Zu seinem Entsetzen erntet er aber Ablehnung und Abscheu. Er flieht in den „Unverzeichneten Wald“, den niemand je freiwillig betritt. Hier begegnet er alsbald seiner Geliebten, die ebenfalls der Zwangsgemeinschaft entflohen und ihm hierher gefolgt ist. Zusammen entdecken sie die Freuden eines nicht von anderen bestimmten, freien Lebens und beschließen, nie mehr zurückzukehren. Der in ihrem Herkunftsland, der UdSSR, zelebrierte Kollektivismus ist der Autorin derart gründlich ausgetrieben worden, dass bereits in ihrem Frühwerk viele ihrer später ausformulierten Gedanken Gestalt annehmen. Die Ideen, die Rand in ihren reifen Werken mit großer Schärfe und kühler Strenge argumentiert, kommen hier noch leidenschaftlich und naiv daher.


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