04. April 2016

RezensionAyn Rand: Die Tugend des Egoismus

Eine neue Auffassung des Egoismus

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Ayn Rand, die große russisch-amerikanische Philosophin und Romanautorin, hat es bei uns schwer. Während ihre Werke im englischen Sprachraum Millionenauflagen erreichten, sind auf Deutsch nicht einmal alle Titel erhältlich. Gewisse Kreise haben es erfolgreich verstanden, diese kompromisslose Verteidigerin des Kapitalismus und der Idee, der Mensch gehöre in erster Linie sich selbst, aus dem öffentlichen Diskurs herauszuhalten. Zuletzt erschien 2012 „Der Streik“ („Atlas Shrugged“), was einer Privatinitiative des Hamburgers Kai John zu verdanken war, der mit der Verlagsbranche ansonsten wenig zu tun hat. Jetzt ist „Die Tugend des Egoismus“ („The Virtue of Selfishness“) erstmals auf Deutsch erschienen. Auch bei diesem Buch, ein Spätwerk, das mit 190 Seiten vergleichsweise verdaulich ist, handelt es sich um eine Initiative eines echten freischaffenden Künstlers, des Rand-Kenners Philipp Dammer, der das Buch auch übersetzt hat. Dammer hat nach eigenen Angaben mehr als zehn Jahre an der Übersetzung gefeilt, was man dem Text auch anmerkt. Sehr leicht gelingt so der Einstieg in eine Materie, die sich dem kommunitaristisch konditionierten Querleser nicht so ohne weiteres erschließt. Denn der Autorin und ihrem damaligen Koautor Nathaniel Branden ging es darum, das als „Objektivismus“ bezeichnete und von ihnen über die Jahre entwickelte philosophische Gedankengebäude einem immer mehr in den Neo-Marxismus abdriftenden Publikum zu skizzieren. Das ist ihnen gelungen, auch wenn man aus heutiger Sicht anmerken muss, dass sich teilweise exzerpiertes Wissen findet, das im Internetzeitalter wesentlich gestraffter dargeboten würde. Zahlreiche Ausflüge in Rands Hauptwerke, die zum Teil ausführlich zitiert werden, runden diesen Spaziergang durch die Gärten des Objektivismus ab. Wer wissen  will, warum Altruismus unvereinbar mit der menschlichen Natur und einer freien Gesellschaft ist, ist hier richtig.


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Dossier: Literatur

Autor

Franziska Grübner-Schweickhoff

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